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Unter Dampf
Für Schülerinnen und Schüler der Klassen 4-6
Gruppenstärke: max. 20 Kinder
Dauer: 1,5 Std.

1. Kurzbeschreibung des Programms

Ohne die Dampfmaschine wäre die einschneidende Umwandlung vom Handweber zum Weber in der Textilfabrik während der Industrialisierung kaum vorstellbar. Die zunehmende Arbeitsteilung schuf technische Abhängigkeiten, die den Alltag des Fabrikarbeiters bestimmten. In diesem museumspädagogischen Programm lernen die Schülerinnen und Schüler die Arbeit des Heizers, des Maschinisten und des Webers in einer Textilfabrik um 1900 kennen. Sie erforschen anhand der technischen Abhängigkeiten dieser Arbeitsplätze Arbeitsbedingungen in einer Textilfabrik.

2. Vorüberlegungen

Der Einsatz mechanischer Webstühle und weiterer Maschinen zur Textilherstellung wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts erst durch die zentrale Kraftmaschine, die Dampfmaschine, möglich. Unterschiedliche Berufe wurden unter dem Dach einer Fabrik zusammengefasst. Die Abhängigkeiten der Arbeitsplätze ergaben sich nicht zuletzt aus der zentralen Antriebsmaschine. Zunehmende Arbeitsteilung im Laufe der Industrialisierung schuf Strukturen, die das soziale Umfeld der Arbeitsplätze in einer Fabrik prägten.

Das Programm bietet eine erste Einstufung in Bereiche der "Museumsfabrik". Die Räumlichkeiten und ausgestellten Gegenstände sollen mit allen Sinnen wahrgenommen werden und so als Erlebnisraum erfahren werden.

In einem Einführungsgespräch erkennen die Schülerinnen und Schüler die Unterschiede zwischen einer historischen Fabrik und der musealen Inszenierung dieser Textilfabrik.

Bei einer Spurensuche im Kesselhaus entdecken die Schülerinnen und Schüler Gegenstände, die Hinweise auf die Arbeit in diesem Raum geben und sie erfahrbar machen.

In einem Experiment erproben die Kinder die technischen Voraussetzungen der Energieerzeugung.

Die Schülerinnen und Schüler setzen selbstständig das Dampfmaschinenmodell in Gang.

Im gemeinsamen Rundgang durch Kesselhaus, Maschinenhaus und Websaal erarbeiten die Schülerinnen und Schüler die Zusammenhänge der einzelnen Arbeitsplätze und ihre Auswirkung auf die Arbeitsbedingungen in der Weberei.

3. Beschreibung des Programmverlaufs

Einführungsgespräch auf dem Fabrikhof
 

Durch die richtige Zusammenstellung des großen Würfelpuzzles auf dem Fabrikhof erkennen die Schüler den Aufbau der Fabrik aus Websaal, Kessel- und Maschinenhaus.

Die Rückseite zeigt dann die Arbeitsplätze und die dort arbeitenden Personen: Weber, Heizer, Maschinist.

Die "Museumsfabrik" begreifen die Kinder als Neubau, der eine typische Textilfabrik der Jahrhundertwende repräsentiert.

In diesem Neubau sind alte Maschinen ausgestellt, die das Leben und Arbeiten von Menschen um die Jahrhundertwende in der Textilfabrik anschaulich machen.

Es entsteht die Frage: "Was müßte man hier draußen sehen, wenn der Heizer im Kesselhaus die Kohlen verfeuert?

Kesselhaus

Im Gespräch finden die Schülerinnen und Schüler heraus, dass hier etwas verbrannt wurde. Hinweise liefern die Feuerungsöffnungen des Kessels, Kohle mit Schaufel davor und die Schlacke auf der Schubkarre.

Die Erzeugung von Wärme durch Verbrennung von Kohle geschah das ganze Jahr hindurch im Sommer und Winter. Mit der Wärme wird Wasser erhitzt.

Die Kinder schauen in das Kesselinnere des Modells und begreifen die beiden getrennten Bereiche: Feuer und Wasser.

Mit Hilfe einer Kassettenaufnahme wird der Arbeitsplatz des Heizers besprochen. Er berichtet von:
* seiner Arbeitszeit: Morgens der erste und abends der letzte
* seinen Aufgaben: Feuerung und Wartung des Kessels, Überprüfung des Dampfdrucks
* den Arbeitsbedingungen: 40 Grad Raumtemperatur, Staub und körperlich anstrengende Arbeit
> Ohne seine Arbeit läuft keine Maschine in der Fabrik

Sie erkennen das Prinzip des Dampfkessels: Das Wasser dehnt sich bei Erhitzung aus und in einem Behälter entsteht Druck.

Maschinenhaus

Experiment mit dem Dampfmaschinenmodell

Die Hauptteile des Modells, Kessel und Dampfmaschine mit ihrer Verbindungsleitung ordnen die Kinder zunächst den großen Maschinen in Kessel- und Maschinenhaus zu.

Die Schülerinnen und Schüler überlegen, was zum Betrieb des Dampfmaschinenmodells notwendig ist, nämlich Wasser, Trockenbrennstoff und Öl. Sie führen die einzelnen Schritte selbst durch.
 
Ein Modell mit Werkzeugmaschinen wird zu geschaltet.

Die Schülerinnen und Schüler begreifen die Umwandlung der Dampfenergie in Bewegung und deren Nutzung durch Maschinen. Die Kraftübertragung geschieht per Transmission.

Die Kinder übertragen die Ergebnisse auf die große Maschine.
Sie überlegen, wer an dieser Maschine gearbeitet hat. Sie lokalisieren den Arbeitsplatz des Maschinisten unter anderem an der Werkbank mit den zahlreichen und großen Werkzeugen. Währenddessen wird die große Dampfmaschine in Bewegung gesetzt, die jetzt elektrisch angetrieben wird.
Aus den Gegebenheiten erschließen sie die Aufgaben des Maschinisten, der die Wartung, Kontrolle und Reparatur der Dampfmaschine durchführte.

Letztlich kann er mit der Dampfmaschine nur für maximale Krafterzeugung sorgen, wenn auch der Kessel einwandfrei in Ordnung ist und gleichmäßig befeuert wird.

Websaal

Am Handwebstuhl weben die Schülerinnen und Schüler und erklären den Webvorgang.

Ein Weber setzt die mechanischen Webstühle in Betrieb. Mit diesem Eindruck führen die Kinder im Anschluss ein Gespräch mit dem Weber. Sie befragen ihn zu seinen Aufgaben:
* Wechsel des Schussgarns, Kontrolle der Kettfäden und Webfehler vermeiden
* seinen Arbeitsbedingungen: Lärm, Unfallgefahren und Arbeitszeit sowie Bezahlung in Stücklohn

Der Lohn wird mittels Schusszähler berechnet. Als letztes Glied in der Kette hängt der Weber von der gleichmäßigen Energieversorgung durch Kessel und Dampfmaschine ab.

Abschlussgespräch

Die Schüler fassen die Erfahrungen ihres Rundganges zusammen. Sie haben die drei Berufe des Webers, Maschinisten und Heizers kennen gelernt. Das erworbene Grundwissen zum Bedienen des Dampfkessels wird jedem Kind durch die Aushändigung eines „Heizerdiploms" bescheinigt. Die Lehrkraft muß dazu zu Beginn des Programms die Vornamen aller teilnehmenden Schüler in die entsprechenden Vordrucke eintragen.


Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Landesbildstelle Westfalen
Referat für Museumspädagogik
Text und Idee: Hermann Josef Stenkamp
Redaktion: Hans Jürgen Schürenkamp