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Als Omas Oma in der Fabrik war
Für Schülerinnen und Schüler der Primarstufe Klasse 3 und 4
Gruppenstärke: max. 20 Kinder
Dauer: 1,5 Std.

1. Kurzbeschreibung des Programms

Der Alltag von IndustriearbeiterInnen zu Beginn dieses Jahrhunderts war von Arbeit und Armut dominiert. Wer mit offenen Augen durch das zum Textilmuseum gehörende Wohnhaus geht, findet hierfür zahlreiche Hinweise. Auch Kinder können ihren Blick für solche Spuren schärfen, indem sie ihre Erfahrung aus der eigenen Lebenswelt nutzen. Die Gegenüberstellung der musealen, alten Wohnungsausstattung mit modernen Möbeln und Geräten macht Veränderungen und Fortentwicklungen deutlich. Die erkannten Unterschiede und Parallelen ermöglichen es, von den Museumsobjekten über die eigenen Alltagserfahrungen auf die Lebensbedingungen von Menschen um 1910 zu schließen. Ergänzend dazu lernen die Kinder den Arbeitsplatz einer Einzieherin kennen, um abschließend den möglichen Verlauf eines Werktages einer Arbeiterin in der Textilindustrie zu rekonstruieren. (Einziehen = Einholen der Kettfäden in ein Webgeschirr)

2. Vorbemerkungen

Das alltagsgeschichtliche Thema fördert die Einbindung der individuellen Erfahrungswelten der Kinder und läßt diesen sehr viel Raum. Von sich selbst zu erzählen, sich die eigene Situation zu vergegenwärtigen und die subjektiven Erfahrungen mit denen anderer Menschen in Bezug zu setzen, stellt eine wesentliche soziale Kompetenz dar.
Die Kinder können ihre Einschätzungen mit den Aussagen ihrer MitschülerInnen ebenso vergleichen wie mit dem Wissen, das im Museum über 'Menschen früher' erarbeitet wird. So erhalten sie auf kindgerechte Weise Einsicht in die Vielfältigkeit von Realität und in deren Abhängigkeit von sozialen und kulturellen Voraussetzungen.
Dass das Leben der Menschen von äußeren Bedingungen abhängig ist, wird durch die Gegenüberstellung der musealen, alten Wohnungseinrichtung mit modernen Gegenständen spielerisch auf einer einfachen Ebene erarbeitet. Die Fähigkeit, die Bedeutungen von Dingen zu entschlüsseln und an Objekten Lebensbedingungen abzulesen, wird auf diese Weise gestärkt. Die musealen Rekonstruktionen von Wohnhaus und Fabrik bieten die Möglichkeit, intellektuelles Leben und sinnliche Erfahrungen miteinander zu verbinden. Die Entwicklung von wenigen, multifunktionalen Objekten hin zu einer Vielzahl sehr spezialisierter Gegenstände wird dabei ebenso besprochen wie die Mehrfachbelastung erwerbstätiger Frauen. Gegenständliches Lernen und praktische Erprobungen 'vor Ort' erhöhen das Interesse an einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Eigentätigkeit der Kinder wird auch durch die Arbeit in Kleingruppen gefördert, die eine stärkere Beteiligung möglichst vieler Kinder ermöglicht.
Während des gesamten 20. Jahrhunderts stellten Frauen über 50 % der Beschäftigten in der deutschen Textilindustrie. Nicht nur deshalb steht das Thema 'Frauenarbeit' in diesem Programm im Mittelpunkt. Existierende Geschlechterstereotypen sollen - soweit möglich - thematisiert und zur Diskussion gestellt werden. Beispiele dazu bieten sich sowohl aus der Vergangenheit (hier: Frauenarbeit im Privathaushalt und in der Fabrik) als auch aus der Gegenwart an (hier: Haus- und Erwerbsarbeit von Frauen im Alltag der Kinder).

3. Programmverlauf

Begrüßung und Einführung in das Thema auf dem Fabrikgelände.
Bestimmung des Zeitraums, um den es gehen wird (um 1910).
Was ist auf dem Gelände zu sehen? Was gehört zu einer Fabrik?

Im Arbeiterhaus

Suchspiel "Was wäre heute wo?"

Auftrag:
Wir wollen sehen , was sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Dazu haben wir hier Bilder von Dingen, die ihr heutzutage in vielen Wohnungen findet. Sucht die Stellen im Haus, wo die fotografierten, modernen Sachen eurer Meinung nach hingehören. Wenn ihr fertig seid, kommt hierher zurück.
Bevor die Kinder in Kleingruppen eine Aufgabe lösen, wird das Verfahren an einigen Beispielen (Bügeleisen, Wäschetrockner, Stereoanlage) konkret erläutert. Die Bilder zeigen folgende moderne Objekte: Badewanne, TV, Mikrowelle, Waschbecken, Heizkörper, Elektroherd, Kaffeemaschine. Sie sollen den historischen Arbeitsplätzen oder Haushaltsgeräten zugeordnet werden.

Gespräch zum Thema 'Veränderungen von Wohnen und Leben'

Mittels der ausgelegten Karten werden nun Unterschiede und Parallelen zwischen dem im Museum rekonstruierten Haushalt und heutigen Haushalten festgestellt. Die Kinder berichten über ihr jeweiliges Zuhause, so dass auch für die Gegenwart Unterschiede und Differenzen festgestellt werden können. Aufgrund der ausgewählten Objekte werden hier die Bereiche Körperpflege/Hygiene, Technisierung des Haushalts und Freizeit thematisiert.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Erkenntnis, dass in verschiedensten Bereichen eine zunehmende Differenzierung stattgefunden hat. Während zu Beginn des Jahrhunderts im Haushalt von Arbeiterinnen und Arbeitern ein Gerät zahlreiche Funktionen erfüllte, steht heute eine Vielzahl sehr spezialisierter Geräte zur Verfügung. Ähnliches gilt für die Nutzung von Räumen (Wohnzentrum: Küche). Die Differenzierung hat Konsequenzen, sie fordert mehr Raum, Zeit, Geld, Energie, Material (Müll) etc.
Um die Bedeutung dieser Aussage ansatzweise 'am eigenen Leib zu erfahren', können die Kinder mit Emailschüssel, Kernseife und Schmierlappen die morgendliche Kurz-Wäsche einer Arbeiterin nachspielen.

Im Websaal

Einstimmung in das Thema Weben:

Das Museumspersonal setzt einige Webstühle in Gang, um die Arbeit an den Maschinen zu zeigen und den Lärm anzudeuten, der in der Fabrik geherrscht hat.

Erkundung zum Thema Arbeitsbedingungen

Als nächstes sollen die Kinder ansatzweise mit den Arbeitsbedingungen in einer Textilfabrik vertraut gemacht werden und einen typischen Frauenarbeitsplatz kennen lernen. Fachkundiges Museumspersonal erläutert den Kindern den Arbeitsplatz einer Einzieherin/Passiererin. Jeweils 2 Kinder sollen daraufhin den Arbeitsplatz gemeinsam ausprobieren. Der Schwerpunkt liegt hier auf den Arbeitsbedingungen, nicht auf der Technik. (Position dieser Arbeit im gesamten Produktionsprozess, Arbeitsweise, Arbeitshaltung, gesundheitliche Belastungen z. B. Körperhaltung, Dauer).

Arbeitsbogen: „Frauen in der Fabrik - Frauenerwerbstätigkeit"

Bei großen Gruppen erhält die zweite Hälfte der geteilten Klassen Arbeitsbögen, die sie in Teamarbeit ausfüllen sollen. Alle weiteren Kinder erhalten nach dem Passieren ebenfalls ihren Arbeitsbogen.

Mechanischer Webstuhl

Zum Abschluss schauen sich die Schüler das Ergebnis dieses Arbeitsschrittes am Beispiel des Grubentuch-Stuhles an, der von einem Museumsmitarbeiter in Betrieb gesetzt wird.

Im Maschinenhaus

Schlussrunde: Der Arbeitstag einer Arbeiterin

Abschließend wird der Arbeitsbogen gemeinsam besprochen. Das bisher Erfahrene soll genutzt werden, um den Arbeitstag einer Arbeiterin zu rekonstruieren. Auch hier wird nach dem Prinzip verfahren: Wie ist es heute, bei euch zu Hause? Wie könnte es früher gewesen sein. Erst nachdem die Kinder möglichst viel erzählt haben, sollen sie raten, wann eine Arbeiterin damals aufstehen musste und aufzählen, was sie am Tag alles erledigte.
Zur Visualisierung werden Karten ausgelegt, auf denen übliche Arbeiten benannt und mittels einer historischen Fotografie illustriert werden.

Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Landesbildstelle Westfalen
Referat für Museumspädagogik
Text und Idee: Dorle Weyers
Redaktion: Klaus Kösters