Westfalentag 2017 in Bad Lippspringe

Neue Energie für alte Landschaften und jährliche Mitgliederversammlung des WHB

Rund 350 Besucher lockte am 24. Juni 2017 der diesjährige Westfalentag des Westfälischen Heimatbundes (WHB) nach Bad Lippspringe. Unter ihnen ehrenamtliche Ortsheimatpfleger, aktive Mitglieder zahlreicher Heimatvereine und weitere an der Mitgestaltung ihrer Heimat Interessierte. Empfangen wurden sie alle im Kongresshaus am Arminiuspark, da der diesjährige Westfalentag in direkter Verbindung zum Gelände der Landesgartenschau stattfand.

Im Anschluss an die stets am Westfalentag stattfindende Mitgliederversammlung eröffnete der WHB-Vorsitzende Matthias Löb um 10:30 Uhr den Westfalentag. Sein besonderer Dank galt zunächst neben allen Organisatoren und Förderern vor allem der WHB-Geschäftsführerin Dr. Edeltraud Klueting, die nach seinen Worten in den 31 Jahren in diesem Amt zum „Gesicht des Westfälischen Heimatbundes“ wurde.

Unter dem Thema „Erneuerbare Energie versus Kulturlandschaft?“ drehte sich in diesem Jahr alles um Landschaftsprägung, Landschaftsbewahrung, aber auch die Notwendigkeit der Landschaftsveränderung. So machte Löb bereits in seinen einleitenden Worten auf die zwei Seiten der Medaille aufmerksam. Grundsätzlich empfinde man die Energiewende als positiv, aber niemand wolle sie so wirklich vor der eigenen Haustür. Dabei seien manche Eingriffe in die Landschaft letztendlich ein Abbild dessen, was unsere Heimat schließlich definiere, so z.B. die heutigen Industriedenkmale im Ruhrgebiet. Die zentrale Frage sei daher, was eine Kulturlandschaft ausmache und weshalb sie besonders schützenswert sei. Dass diese Frage jedoch nicht an einem einzigen Tag geklärt werden könne und es am Westfalentag nur um Denkanstöße und Anregungen für die Zukunft gehe, sei ihm vollkommen bewusst: „Das ist keine Eintagsfliege!“.

Als nächster begrüßte Andreas Bee, Bürgermeister der Stadt Bad Lippspringe die Teilnehmer. War Bad Lippspringe ursprünglich noch ein vor sich hin alternder Kurort aus den 1960er-Jahren, so habe die Landesgartenschau dem Ort wieder neue Aufmerksamkeit und neuen Schwung verliehen: „Wir machen hier nicht Bruttosozialprodukt, sondern vielmehr Bruttosozialglück!“.

Der Kreisheimatpfleger des Kreises Paderborn, Michael Pavlicic, stellte in seinem Grußwort die besondere Bedeutung der Heimat- und Brauchtumspflege im Kreis Paderborn heraus. So gibt es in jeder Ortschaft nicht nur einen Kreisheimatpfleger, sondern auch einen Ortschronisten. In den Ortschaften ohne eigenen Heimatverein bestehen in den jeweiligen Schützenvereinen eigene Abteilungen für „Heimat und Brauchtum“.

Mit besonderer Spannung wurde die Verleihung des alle zwei Jahre ausgeschriebenen Innovationspreises für Heimatvereine erwartet. Gewinner sind der Arnsberger Heimatbund mit seinem „Erlebnis-Wanderweg Kurfürstlicher Thiergarten“ und in der Kategorie Nachwuchs der Heimatverein Varl-Varlheide mit seinem Projekt „Puppen up Platt“. Beide Gewinner erhalten je 4000 Euro Preisgeld. Für den Innovationspreis werden diese gestiftet von der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung. Die Preisverleihung übernahm deren Geschäftsführer Thomas Tenkamp. Das Preisgeld in der Kategorie Nachwuchs stellte der Sparkassenverband Westfalen-Lippe zur Verfügung. Die Preisverleihung übernahm hier dessen Präsidentin Prof. Dr. Liane Buchholz.

Und dann ging es „ans Eingemachte“. Bernd Milde von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen und Dr.-Ing. Thomas Büttner vom Büro für Heimatkunde und Kulturlandschaftspflege hielten ihre Impulsreferate als Einstimmung auf die Podiumsdiskussion. Während Milde die Besonderheiten der historischen Kulturlandschaft Westfalens aufzeigte, veranschaulichte Büttner den Wandel der Kulturlandschaften in Zeiten der Energiewende.

Neben ihnen nahmen auch noch Birgit Haberhauer-Kuschel vom Sauerländer Heimatbund, der Kreisheimatpfleger des Kreises Minden-Lübbecke Friedrich Klanke und Manfred Müller, Landrat des Kreises Paderborn, an der folgenden Diskussionsrunde teil, die gewohnt souverän von WDR-Moderator Michael Brocker geleitet wurde.
Der Sauerländer Heimatbund hatte bereits 2011 ein „Positionspapier zur Neufassung des Windenergie-Erlasses" verfasst
 
Das Hauptaugenmerk der Diskussion lag auf den stetig wachsenden Zahlen von Windkraftanlagen. Und es zeigte sich schnell, dass dieses Thema tatsächlich keine „Eintagsfliege“ ist. Während Haberhauer-Kuschel für eine auf die jeweilige Ortschaft zugeschnittene Energiewende plädierte, z.B. die verstärkte Nutzung der Wasserkraft im von Talsperren geprägten Sauerland, sprach sich Büttner für eine Energiewende mit Maß und Kompromiss aus: Windkraftanlagen ja, aber nicht in unmittelbaren Sichtachsen von Stadtpanoramen oder Denkmälern. Milde teilte diese Ansicht, machte aber darauf aufmerksam, dass Kulturlandschaften endlich keine „weichen“ Kriterien mehr sein dürften bei der Ausweisung von Windkraftanlagen, sondern vielmehr in den Fokus gerückt werden müssten. Klanke hingegen gab deutlich zu verstehen, dass die Energiewende nicht mit Windkraftanlagen zu meistern sei und man deshalb der gefühlt willkürlichen und nahezu massenhaften Aufstellung von Windkraftanlagen, die entsprechenden Bezuschussungen geschuldet sei, entgegenwirken müsse. Müller sprach sich grundsätzlich auch für den Erhalt von Kulturlandschaften aus, verwies aber auch auf die schwierige Gesetzgebung, besonders in NRW, wo man es seinerzeit verpasst habe, auf Regelungen für die Abstände von Windkraftanlagen zu Sichtachsen und dergleichen zu achten.
Einigkeit bestand letztendlich darin, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher und dass gerade auch die Heimatvereine gefordert sind, Bürger für dieses Thema zu sensibilisieren und die Wertigkeit von Kulturlandschaften in Richtung Politik zu vermitteln.

Nach diesem intensiven Vormittag konnten sich alle Teilnehmer mit herzhaften Suppen stärken, bevor es an das Nachmittagsprogramm ging. Während sich vor Ort der Arbeitskreis zu einer Gesprächsrunde mit Dr. Edeltraud Klueting und Dr. Ingo Fiedler, Ehrenmitglied des WHB, traf, um praktische Fragen der Heimatpflege zu erörtern, wurden parallel gleich vier Exkursionen angeboten. Wer wollte, konnte entweder eine Führung durch die Landesgartenschau mitmachen oder eine Stadtführung durch Bad Lippspringe oder einen Ausflug zum Thema Bäderwesen oder eine Busfahrt nach Neuenbeken zur Besichtigung des Viadukts und Altenbeken zu einem Besuch der romanischen Dorfkirche St. Marien.

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