Bibliothek Westfalica

Jodocus Donatus Hubertus Temme

 

Geboren am 22. Oktober 1798 in Lette bei Oelde als Sohn eines Advokaten und Amtmanns. Erziehung durch Hauslehrer. Mit zehn Jahren Besuch der Oberprima des Gymnasiums zu Paderborn. Im folgenden Jahr Abschluss mit dem Zeugnis der Reife. Von 1814 bis 1817 Jurastudium an den Universitäten Münster und Göttingen. Auskultator-Prüfung sowie Referendar- und Assessorexamen am Oberlandesgericht Paderborn. Anstellung als Assessor beim Fürstlich-Bentheimischen Land- und Stadtgericht in Limburg a.d. Lenne. Als Begleiter und Erzieher des Prinzen Franz von Bentheim-Tecklenburg von 1822 bis 1824 Besuch der Universitäten Heidelberg, Bonn und Marburg. 1824 Wiederaufnahme seiner Tätigkeit am Limburger Gericht. Heirat 1827. Als Assessor bezog er ein geringes Gehalt, das kaum ausreichte, ihn und seine Familie zu unterhalten. Da seine Frau kein Vermögen besaß und auch der Probst des Klosters Klarholz ihm nichts vermacht hatte, mußte Temme auf andere Erwerbsquellen bedacht sein. Er wurde unter dem Pseudonym Heinrich Stahl Mitarbeiter an mehreren westfälischen Zeitungen und belletristischen Unternehmungen und versuchte sich als Schriftsteller auf dem Gebiet des Romans und der Novelle. Diese Einkünfte erlaubten ihm, 1832 die dritte juristische Staatsprüfung in Berlin abzulegen. Versetzung an das damalige Hofgericht in Arnsberg. Ab diesem Zeitpunkt begann sein Beamten-Wanderleben, das ihn durch nahezu alle preußischen Provinzen führte. 1833 Beförderung zum Kreisjustizrat. Versetzung nach Ragnit in Litauen. Seine dort geführten Kriminaluntersuchungen verwertete er später literarisch. 1836 Ernennung zum Kriminaldirektor. Versetzung nach Stendal in der Altmark. 1838 Versetzung an das Hofgericht in Greifswald. 1839 Berufung nach Berlin. Für über sechs Jahre Übernahme einer zweiten Direktorenstelle am Kriminalgericht. Wegen seiner stark liberalen Gesinnung 1844 durch Friedrich Wilhelm IV. unter Ernennung zum Direktor des Land- und Stadtgerichts "Verbannung" nach Tilsit. 1848 Berufung zum Staatsanwalt in Berlin und Vizepräsidenten des Oberlandesgerichts in Münster. Zugleich Annahme eines Mandats für die Berliner Nationalversammlung. Beginn seiner bedeutenden politisch-parlamentarischen Wirksamkeit. Wegen seiner demokratischen Anschauungen Anklage vor dem Münsterer Schwurgericht, die 1850 zur Verhandlung kam. Temme wurde unter dem Jubel der Bürgerschaft Münsters freigesprochen. In Berlin erneute Verwicklung in einen Prozess, der seine Entlassung (ohne Pension) aus dem Staatsdienst zur Folge hatte. 1851 Übernahme der Redaktion der Neuen Oderzeitung, die Temme nach einem Jahr wieder aufgab, weil es ihm nach eigenen Worten nicht gelang, die Konfiskationen, Prozesse und Verurteilungen von der Zeitung abzuwenden. Wegen weiterer polizeilicher Verfolgung Aufgabe seiner juristischen Praxis. Es blieb mir nur übrig, meiner Familie durch schriftstellerische Arbeiten den Unterhalt zu verschaffen. (Zitiert nach Gust 1914) Von 1852 bis 1881 Auswanderung in die Schweiz. Dort Tätigkeit als freier Schriftsteller. Übernahme einer unbezahlten Professur an der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. 1863 nochmals für zwei Monate Parlamentarier in Berlin. 1878 vorübergehender Umzug nach Tilsit. Verstarb am 14. November 1881 in Zürich.
Pseudonym: Heinrich Stahl.