Max von der Grün

Lesebuch

Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Wolfgang Delseit und Volker Zaib.
Köln: Nyland Stiftung 2013

Geboren am 25. Mai 1926 in Bayreuth als Sohn eines Schuhmachers. Er wuchs in Mitterteich (Oberpfalz) auf. Besuch der Volks-, Mittel- und Handelsschule. Zuvor mußte er das Gymnasium verlassen (Vater als Zeuge Jehovas und Antifaschist verfolgt und in ein KZ verschleppt). 1941 kaufmännische Lehre (Porzellanbetrieb) in Selb und Marktredwitz. 1943 Einberufung zur Wehrmacht. Ausbildung bei einer Fallschirmjäger-Einheit in Gardelegen bei Magdeburg. 1944 Kriegseinsatz in der Bretagne. 1944 bis 1946 amerikanische Kriegsgefangenschaft. Unterbringung in einem Auffanglager in Schottland und für drei Jahre in den USA (Louisiana, Texas, New Mexico). Arbeit als Holzfäller, Baumwollpflücker, Zuckerrohrschläger und Bergmann in einer Kupfermine. 1948 Rücktransport nach Frankreich. In der Nähe von Le Havre für acht Wochen Tätigkeit in einem amerikanischen Camp als Telefonvermittler. In Marktredwitz Arbeit im Büro eines Baugeschäfts. Seit 1948 Hilfsarbeiter im Baugewerbe. Von Januar bis Juni 1951 arbeitslos. Anschließend Schlepper in einer Zeche bei Unna (zweimal verschüttet). Nach einem schweren Unfall 1955 Umschulung vom Hauer zum Grubenlokomotivführer. Schreibversuche. Von 1956 bis 1962 Presbyter in der Gemeinde des Zechendorfes Heeren. Zeitweise aktive Jugendarbeit. Freundschaft mit dem Schriftsteller Willy Kramp. 1959 hielt er an der Volkshochschule des Kreises Unna Kurse über Literatur. Bekanntschaft mit Fritz Hüser. Beide planten 1960 die Gründung eines Arbeitskreises zur Förderung zeitgenössischer literarischer Kräfte, die sich mit der modernen Arbeitswelt beschäftigen, woraus die Gruppe 61 hervorging. Wegen seines ersten Romans Irrlicht und Feuer 1963 fristlos entlassen. Seitdem freier Schriftsteller. 1964 Ausschluß aus der IG Bergbau und Energie. Lesereise durch die DDR. 1964 Umzug nach Dortmund. Mitarbeit im Kuratorium Notstand der Demokratie. Vorsitzender des Republikanischen Clubs Dortmund. Lesereise nach Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. Fernsehfilme. 1969 Aufführung der Revue Notstand oder das Straßentheater kommt im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen. 1970 weitere Fernsehfilme. Auf Einladung des författare-centrums Aufenthalt in Schweden. Lesereise in die UdSSR. 1972 Lesereisen nach Griechenland, Ägypten und Großbritannien. 1973 Eintritt in die IG Druck und Papier. 1974 Lesereise im Auftrag des Goethe-Instituts (Island, Norwegen, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Israel). 1975 Lesereise nach Frankreich, Schweden und Portugal. 1976 Verfilmung von Stellenweise Glatteis. Lesereisen durch Österreich und die Schweiz. Im Wintersemester 1976/77 Lehrauftrag an der Gesamthochschule Essen. 1977 Oberlin-College in Oberlin/Ohio. Lesungen an mehreren amerikanischen Universitäten. Fernsehfilm Vorstadtkrokodile. 1978 Fernsehfilm Späte Liebe. 1983/84 Gastprofessur für Poetik an der Gesamthochschule und Universität Paderborn. Er lebte in Dortmund, wo er am 7. April 2005 starb.

Mitglied des P.E.N. Mitbegründer, Wortführer und prominentestes Mitglied der Gruppe 61.

Von der Grün kommt das Verdienst zu, die Arbeitswelt als Gegenstand der Auseinandersetzung in die Literatur der Bundesrepublik integriert zu haben. (KLG) Der Arbeitsalltag als zentrales Thema war für die Literatur der BR Deutschland neu. Trotzdem hätte G. wohl kaum eine solch überregionale Resonanz gefunden, wenn er nicht mit „Irrlicht und Feuer” einen polit. Skandal ausgelöst hätte. Aggressivität und Direktheit seiner Sozialkritik sind unübersehbar. Unter anderem wird ein tödl. Betriebsunfall geschildert, der durch den Einsatz eines mechan. Kohlehobels verursacht wird. Arbeitgeber und Vertreter der IG-Bergbau und Energie kritisierten das Buch heftig, wohl v.a., weil es die damalige Ideologie der „Sozialpartnerschaft" empfindlich störte. (Killy-Literaturlexikon)

Weitere Informationen zu Leben und Werk Max von der Grüns im Westfälischen Autorenlexikon