Jenny Aloni

Lesebuch

Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Hartmut Steinecke
Köln: Nyland Stiftung 2012.

Geboren am 7. September 1917 in Paderborn als Jenny Rosenbaum, Tochter eines jüdischen Kaufmanns. Von 1924 bis 1935 Schülerin des Michaelklosters. 1935 Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina auf Gut Winkel (Mark Brandenburg). 1936 Übersiedlung nach Berlin. 1939 Abitur. Anschließend Gruppenleiterin im Hachscharah-Kibbuz Schniebinchen (Niederlausitz). Im selben Jahr Auswanderung nach Palästina und Aufnahme eines Studiums an der Hebräischen Universität in Jerusalem. 1942 Eintritt in eine jüdische Einheit der britischen Armee. Lazarettdienst. 1942 Deportation ihrer Schwester (Ziel und Todesort unbekannt). Deportation der Eltern nach Theresienstadt, wo ihr Vater 1944 starb. 1944 Deportation ihrer Mutter nach Auschwitz. 1946 Entlassung aus der Armee. Besuch einer Schule für Sozialarbeit. 1947 Aufenthalt in Europa (Paris, München) zur Unterstützung jüdischer DPs (Displaced Persons). 1948 Heirat mit Esra Aloni. Sanitäterin während des jüdisch-arabischen Krieges. 1938-1950 Arbeit in der Jugendfürsorge. 1950 Geburt der Tochter Ruth. 1955 erster Besuch in Paderborn seit der Auswanderung. 1957 Umzug nach Ganei Yehuda. 1963 bis 1981 ehrenamtliche Tätigkeit in der psychiatrischen Klinik in Beer Jaakow. Sie starb am 30. September 1993 in Ganei Yehuda.

Jenny Alonis Texte handeln von der Geschichte, der Politik, der Natur, den Schicksalen von Individuen, aber meistens geht es zugleich oder primär um die allgemeineren Probleme der Menschen: vor allem und immer wieder um die Schuld, daneben und oft eng damit verbunden: um die Fremdheit, Einsamkeit, die aus dem Nicht-Vergessen-Können erwächst [...]. In den 60er Jahren erregte das Werk der Schriftstellerin kurzfristig eine gewisse Aufmerksamkeit. Ihr erster Roman, „Zypressen zerbrechen nicht“, gerühmt von Max Brod, dem Weggenossen Kafkas und dem damaligen großen alten Mann der jüdisch-deutschen Literatur, erfuhr bereits im folgenden Jahr eine zweite Auflage; Heinrich Böll schätzte einige der Kurzgeschichten Jenny Alonis; 1967 erhielt die Autorin den Kulturpreis der Stadt Paderborn. Dann wurde es wieder still um ein Werk, das so weit ab von den herrschenden Trends und den Moden seiner Zeit lag. Das Interesse an deutschsprachiger Literatur aus Israel wich in den 70er Jahren einer wachsenden Gleichgültigkeit, die Autorin, auch unvertraut mit den Mechanismen des innerdeutschen Literaturbetriebs, fand für ihre Arbeiten längere Zeit keinen Verleger, sie veröffentlichte zwei Werke in Tel Aviv im Selbstverlag. Erst ein Auswahlband mit Schriften aus 40 Jahren, 1987 erschienen, brachte Jenny Aloni einige Aufmerksamkeit der Literaturkritik. Seit die Werkausgabe eine Übersicht über ihr Schaffen ermöglicht, gilt Jenny Aloni als bedeutendste unter denen, die in Israel – noch oder wieder – in deutscher Sprache schreiben. (H. Steinecke: Jenny Aloni: Ein Porträt zum 75. Geb., in: Literatur in Westf. 2, s.u.)

Weitere Informationen zu Leben und Werk Jenny Alonis im Westfälischen Autorenlexikon