Christine Koch

Lesebuch

Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Peter Bürger.

Köln: Nyland Stiftung 2017.

Geboren am 23. April 1869 in Herhagen/Kreis Meschede als Christine Wüllner, Tochter eines Bauern. Besuch der Volksschule in Reiste. Von 1885 bis 1887 Ausbildung zur Volksschullehrerin in Duderstadt im Eichsfeld. 1888 Beginn einer 13jährigen Lehrtätigkeit in Padberg bei Marsberg. Sie unterrichtet die Mädchen des 3. bis 8. Jahrganges und abwechselnd mit dem Schulleiter Theodor Bigge die unteren Klassen. Aufgrund der schwierigen Schulverhältnisse schwere Erkrankung der Atemwege. 1895/1896 wegen Tuberkuloseverdachts unfreiwillige Beurlaubung vom Schuldienst. 1902 wurde sie, noch immer gesundheitlich geschwächt, Hauptlehrerin der vierklassigen katholischen Mädchenschule in Vogelheim (heute Stadteil von Essen). Die Lungenbeschwerden dauern an, so daß Christine "den Unterricht nur mit allergrößter Anstrengung aufrechterhalten konnte und mit der Versetzung in den Ruhestand" rechnen mußte. Zum 1. Januar 1905 schied sie freiwillig aus dem Schuldienst aus. Ausbildung und Berufsausübung haben Christine Koch insgesamt nur fünf Lebensjahre über die Grenzen des Sauerlandes hinausgeführt. Eine Verteufelung der Stadt, typisch für weite Kreise der Heimatbewegung, ist in ihrer Dichtung nie zum Programm geworden. Sie unternahm zunächst eine längere Kur in Bad Lippspringe. Am 3. Mai 1905 Heirat mit dem Gast- und Landwirt Wilhelm Koch, ihrem Vetter. Umzug in das 281 Einwohner zählende Dorf Bracht (heute Ortsteil von Schmallenberg), südwestlich von Meschede. Aus ihrer Ehe gingen vier Kinder hervor. 1919 Verwandtenbesuche in Essen, Borbeck, Bredeney und Stoppenberg. Im Familienleben hatte die Hausmusik große Bedeutung. Christine Koch hat sich der Hausmusik nicht nur literarisch gewidmet. Förderung durch ihren selbst literarisch interessierten und -tätigen Ehemann, der vermutlich auch der erste war, der einen Text seiner Frau vertonte. Außerdem tat er sich als Vorläufer der sauerländischen Sprachforschung hervor. Ein reges geistiges Leben bezeugen einige noch erhaltene Buchtitel aus der umfangreichen Bibliothek der Eheleute. Das Ehepaar schloß sich der sauerländischen Heimatbewegung und ihren literarischen Organen an. 1920 Kontakt zu dem Musiklehrer, Leiter von Männerchören und Initiator von Gesangsfesten, Georg Nellius (1891-1952), einem Vertreter der Sauerländer Heimatkunst, der zahlreiche Gedichte von Christine Koch vertonte. 1924 Bekanntschaft und später Freundschaft mit Josefa Berens Totenohl, die mehrere Bücher von Christine Koch illustrierte. Seit dem Allerheiligenbesuch 1924 [...] hat Josefa Berens unermüdlich – u.a. durch Artikel und zähen Einsatz für den Druck der Mundartlyrik – ihre Freundin Christine Koch unterstützt. Vom späteren nationalsozialistischen Engagement von Josefa Berens distanzierte sich Christine Koch. 1929 versuchten der Sauerländische und Westfälische Heimatbund vergeblich, bei der Regierung in Arnsberg und der preußischen Regierung in Berlin, als Ehrengabe zu Christine Kochs 60. Geburtstag, ihre Pension als Hauptlehrerin zu erwirken, auf die sie bei ihrem Ausscheiden verzichtet hatte. Das Gesuch wurde u.a. von Heinrich Luhmann und Karl Wagenfeld unterzeichnet. 1931 mußte ein Teil der ursprünglich über 130 Morgen zählenden Kochschen Besitzungen verkauft werden. Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten traten gesundheitliche. Die wirtschaftlichen Nöte der Familie Koch hielten trotz Rettung des Hauses bis in die zweite Hälfte der 30er Jahre an. 1935 folgte mit dem Selbstmord des Sohnes Willi ein weiterer schwerer Schicksalsschlag. Die Autorin war 1936 nach eigenen Worten nur noch innerhalb ihrer Behausung lebensfähig und fortwährend von Krankheiten heimgesucht. 1939 Auszeichnung mit dem erstmals vergebenen Klaus-Groth-Preis. Im selben Jahr zog sie sich einen doppelten Knochenbruch zu und wurde pflegebedürftig. 1943 Tod ihres Ehemanns nach langer Krankheit. 1944 leichter Schlaganfall, der ihre Sehkraft verringerte.  Nach dem Krieg verfaßte sie auf Bitten hin Hausinschriften für die Umgebung, allein für Fredeburg zwei hochdeutsche Serien mit 28 Texten. 1948 Christine-Koch-Feier in Bracht. 1949 zu ihrem 80. Geburtstag mehrten sich die Glückwünsche von allen Seiten, von der Regierung, von den Behörden, von den Verlagen, von den größeren und kleineren Städten. Sie starb am 18. April 1951 in Bracht. (Zitate nach: Liäwensbauk 1993)

Weitere Informationen zu Leben und Werk Christine Kochs im Westfälischen Autorenlexikon