Bibliothek Westfalica

Peter Paul Althaus

 

Geboren am 28. Juli 1892 in Münster als Sohn eines Eisenwaren-, Leder- und Polstergroßkaufmanns. Seit 1901 Besuch der dortigen Domschule (heute Ratsgymnasium), des Gymnasiums Paulinum, des Schillergymnasiums und anschließend einer Privatschule in Telgte sowie seit 1910 eines Internatsgymnasiums in Lingen/Emsland. 1914 Beginn einer Apothekerlehre in Ahlen, die er abbrach, um als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg (1914-1918) teilzunehmen, zuletzt als Leutnant. Verwundung an der Ostfront (Knieschuss). 1918 Gründung einer Musikalischen Deutschen Ecke in Münster. Mitglieder sind Hobby-Poeten und Laien-Musiker. 1919 in Münster Gründung des Verlags Der weiße Rabe und einer gemeinsam mit seinem Bruder ins Leben gerufenen Heeresgutsammelstelle, hinter der sich ein literarischer Freundeskreis verbarg, den Althaus bis 1922 leitete. Studium der Philosophie, Kunstgeschichte, Literatur und Musikwissenschaft in Münster, u.a. bei Julius Schwering, Paul Kluckhohn und Wilhelm Wackernagel (bis 1922). 1920 erste Lesung seiner Gedichte vor der Literarischen Gesellschaft in Münster. 1922, im Anschluß an einen Besuch beim Münchener O.C. Recht-Verlag, an den er damals verworrene Romane schickte (Selbstzeugnis), Übersiedlung nach München. Nähere Bekanntschaft mit Hilde Supan, der Lektorin des Verlags und Mitarbeiterin der Münchener Kammerspiele, die ihn in den Schwabinger Künstlerzirkel einführte. Ich verdanke Hilde Supan einen weiteren Horizont, als ich ihn in der kleinen Westfalenstadt, auch wenn wir dort noch so viel Revolution und Unfug in unserer Studentenzeit angezettelt haben, je erreicht hätte. Bekanntschaft u.a. mit Karl Wolfskehl. Begegnung mit Stefan George, Rainer Maria Rilke, Erich Mühsam, Frank Wedekind und Joachim Ringelnatz. Mit Klaus und Erika Mann und Frank Wedekinds Kindern Pamela und Kadja führte Althaus improvisierte Hauskabaretts in Wedekinds Wohnung in der Prinzregentenstraße auf. 1925 für zwei Spielzeiten Dramaturgie und Regieassistenz am Weimarer Nationaltheater. 1928 gemeinsam mit einem Zoologen und einem Biologen Reise nach Mallorca, um dort Studien über das Alarmsystem der einheimischen Ameisen zu betreiben. Ab 1928 vorwiegend Arbeiten für den Reichssender München des Bayerischen Rundfunks; er verfaßte und inszenierte zahlreiche Hörspiele, die überwiegend nicht im Druck erschienen. Nach 1930 Aufenthalt in Italien. Übernahme einer Hauslehrerstelle in Florenz, die zuvor Karl Wolfskehl innehatte. Reisegedichte; Reise von den Balearen bis England; Stationen in Mallorca, Sizilien, Mittelitalien, Rom, Florenz, am Lago Maggiore und in Tirol. Fortsetzung der Reise über Deutschland nach England (Cambridge, London). 1930 Freundschaft und Beginn der idealen Zusammenarbeit mit dem Komponisten Ludwig Kusche. Mitbegründung des literarischen Kabaretts Der Zwiebelfisch in der Gaststätte Weißes Haus in der Münchener Barerstraße. 1934 zweite Reise nach Mallorca. 1939 erste Gedichtvorträge bei Mutti-Bräu in der früheren Schwabinger Laterne. Vom 1. August 1939 bis zum 1. April 1941 war er Chefdramaturg und Oberspielleiter am Berliner Deutschlandsender, bei dem er insbesondere die Sendung Schatzkästlein betreute und moderierte. Er wurde auf Betreiben von Joseph Goebbels entlassen, als dieser davon erfuhr, daß Althaus sein Buch Das Vierte Reich, das ansonsten jedoch keine politischen Aussagen enthält, Albert Einstein gewidmet hatte. 1941 bis 1945 erneuter Kriegsdienst (11 Jahre meines Lebens haben mir 2 Kriege gestohlen, wichtige Entwicklungsjahre. Wenn ich offen sagen soll, obwohl ich es bis zum Hauptmann gebracht habe, ich war immer ein verkleideter Zivilist, mich haben meine Untergebenen nie ernstgenommen, weil die genau wußten, ich nehme den ganzen Zauber nicht ernst.) 1945 Rückkehr nach München. Wohnung zunächst in Tutzing am Starnberger See, dann wieder in Schwabing. Bis 1952 erneut Arbeit für den Bayerischen Rundfunk. 1947 gemeinsam mit dem Münchener Hofschauspieler Gustl Weigert Wiederbelebung des Schwabinger Brettls, eines offenen Podiumkabaretts. Wiederbegründung der Schwabinger Laterne. Daneben war er seit Oktober 1947 freiberuflicher dramaturgischer Lektor des Theaterverlags Desch in München. 1948 Gründung des studentischen Hobby-Kabaretts Monopteross. Wiederbelebung des Künstlerkreises Seerose. Althaus wurde erster Bürgermeister der von ihm erdachten Traumstadt. 1950 Reise nach London. Althaus' Paß weist insgesamt 23 längere Aufenthalte in England auf, wo er als Gastschauspieler und Regisseur tätig war. Er übersetzte u.a. Edgar Allan Poe, englische Theaterstücke und esoterische Literatur (Alice A. Bailys Initiation). Zu seinem 65. Geburtstag erfuhr PPA, wie er genannt wurde, zahlreiche Ehrungen, u.a. wurde er Ehrentukan des Münchener Tukan-Dichterkreises. Seit 1958 lebte er, gesundheitlich stark geschwächt, zurückgezogen in seiner Wohnung in der Schwabinger Trautenwolffstraße 8. Lebensgemeinschaft mit Hilde Supan, die 1961 starb. Marc Chagall widmete Althaus 1959 ein handkoloriertes Blatt mit den besten Wünschen zur Genesung. 1960 Ernennung zur Ehrenkellerassel der Katakombe. 1961 Preisträger des Schwabinger Kunstpreises. 1962 Goldmedaille des Bayerischen Rundfunks. Laudatio von Theodor Heuss zu Althaus' 70. Geburtstag am 28. Juli 1962 im Südwestfunk Baden-Baden. Althaus sah es als seine Hauptleistung an, daß ich es trotz aller Befürchtungen meiner Eltern zu etwas gebracht habe und daß ich als vornehmlich freier Schriftsteller ohne Schulden und nur mit der Schreibmaschine 65 Jahre alt werden konnte. Seit 1964 völlige Bettlägerigkeit und Unfähigkeit, die Wohnung zu verlassen. In Münster gründete sich der Freundeskreis Peter Paul Althaus. 1965 rief Althaus im Atelier des Malers Oswald Malura die erste Traumstadt-Bürgerversammlung zusammen. Er starb am 16. September 1965 in seiner Wohnung. Bestattung im von der Stadt München gestifteten Ehrengrab auf dem Nordfriedhof. 1971 Gründung des Klubs der sanften Irren in Essen durch den Althaus-Biographen Karl Norbisrath. Es finden noch heute Traumstadt-Abende statt, nun bei Althaus' Neffen, Hans Althaus, in Köln.