Bibliothek Westfalica

Anton Mathias Sprickmann

Geboren am 7. September 1749 als Sohn eines Arztes in Münster. Von 1766 bis 1768 Jurastudium in Bonn und Göttingen. 1769 Promotion zum Dr. jur. an der Universität Harderwijk in Holland. 1770 Niederlassung als Advokat in Münster. Wurde von seinem Förderer Franz von Fürstenberg an die reformierte Verwaltung herangezogen. 1774 Beförderung zum Regierungsrat. 1776 erneuter Studienaufenthalt in Göttingen, um sich auf die von Fürstenberg vorgesehene Universitätslaufbahn vorzubereiten. Knüpfte hier bedeutende literarische Kontakte. 1777 für die Kurfürstliche Regierung erfolgreiche Durchführung eines schwierigen Rechtsprozesses vor dem Reichskammergericht in Wetzlar. 1780 Erlebnis einer geistigen Wiedergeburt und vollständiger Rückzug aus dem literarischen Leben. Abbruch des Kontakts zu seinen Dichterfreunden. Seit dem Wintersemester 1778/79 Professor für deutsche Reichsgeschichte und deutsches Staats- und Lehnsrecht an der neuen Fürstenbergischen Universität in Münster. Wurde einer ihrer verdientesten Lehrer. 1791 Hofrat und Kommissar der fürstlichen Lehnskammer. 1803, nach dem Übergang Münsters an Preußen, preußischer Regierungsrat am Oberappellationssenat in Münster. 1811, während der französischen Besatzung, Tribunalrichter im Arrondissement Münster. 1814 Annahme eines 1812 an ihn ergangenen Rufs der Universität Breslau auf einen Lehrstuhl der Jurisprudenz. 1817 Berufung an die Universität Berlin. 1829 Pensionierung und Rückkehr nach Münster. Verstarb dort am 22. November 1833.

Der einzige bedeutende literarische Vertreter des Sturm und Drang in Westfalen. Folgenreich waren weniger seine Kontakte zur Familia sacra, des Kreises um die Fürstin Amalia von Gallitzin, sondern seine in den 1770er Jahren in Göttingen angebahnten Freundschaften bzw. Bekanntschaften mit führenden Literaten seiner Zeit: Johann Heinrich Voß, Heinrich Christian Boie, Gottfried August Bürger, Heinrich Wilhelm von Gerstenberg, Matthias Claudius, Christian Adolf Overbeck, Ludwig Christoph Hölty. Förderer und literarischer Mentor von Annette von Droste-Hülshoff, Theobald Wilhelm Broxtermann, Franz von Sonnenberg, und Katharina Schücking. In Münster gründete Sprickmann 1773 mit der "Literarischen Gesellschaft" die erste Dichtervereinigung Westfalens überhaupt. Für das von Fürstenberg ins Leben gerufene Theater verfaßte er – gewissermaßen auf Bestellung – Theaterstücke und Theatervorspiele, von denen er freilich später nicht mehr viel wissen wollte. Beim wenig verwöhnten Publikum fanden sie dennoch Anklang. Ambitionierter wurde sein literarisches Schaffen durch die Bekanntschaft mit den Literaturgrößen der Zeit, [...]. Über den Briefwechsel kam es zu persönlichen Kontakten. Als Sprickmann 1776 von Fürstenberg nach Göttingen geschickt wurde, um sich dort auf seine akademische Laufbahn vorzubereiten, nutzte er die Zeit fast ausschließlich, um seinen literarischen Neigungen nachzugehen. Seine damals entstandenen Gedichte und Erzählungen erschienen in den bekanntesten Musenalmanachen und Taschenbüchern. Nahezu ungeschminkt schrieb er sich darin seine Lebens- und Liebeswirren in einer leidenschaftlichen und gefühlsdurchtränkten Sprache von der Seele. Das eigene Ich – der gefühlstarke, aber unbesonnene Held – stand dabei im Mittelpunkt. Die literarische Welt horchte auf, prophezeite ihm eine große Zukunft. Sein Drama "Eulalia" machte "Sensation in der Lesewelt" und wurde zu den besten Stücken des Jahres 1777 gezählt, das Lustspiel "Der Schmuck" sogar 1779 in Wien preisgekrönt und später von Goethe in Weimar inszeniert.

Nach seinem Göttinger Aufenthalt konnte sich Sprickmann nur schwer wieder in Münster einleben. Fürstenberg wollte von seinen "Schönschreibereyen" nicht viel wissen, von anderen wurde er gar verspottet. Hypochondrische Anfälle plagten ihn. Schon zuvor hatte er geklagt: "Doch hier, wo zärtliches Gefühl / Noch nicht in wilden Herzen wohnet, / Wo Dummheit ungestört noch thronet, / Was hilft mir hier mein Saitenspiel?" Sprickmann litt am inneren Widerstreit zwischen beruflichen und familiären Pflichten und seinen literarischen Neigungen. Auf dem Höhepunkt seiner nur kurzen Karriere entsagte er der Literatur und erlebte eine religiös motivierte "geistige Wiedergeburt", über die er in einer Schrift Rechenschaft ablegte. Fortan stellte er sein Wirken in den Dienst der Universität und wurde daneben ein erfolgreicher Jurist. [...] Bei seinen Schülern genoß Sprickmann den Ruf eines großen Dichtervaters, eines Idols. (Gödden 1991)