Bibliothek Westfalica

Anna Elisabeth [Annette] von Droste-Hülshoff

Geb. am 12. (10.?, 14.?) Januar 1797 auf Schloß Hülshoff bei Münster. Von Kindheit an kränklich und nervlich angegriffen. Zwischen 1804 und 1808 erste lyrische Versuche. 1805 kurze Bekanntschaft mit der Fürstin Amalia von Gallitzin. Im selben Jahr erster Familienbesuch in Bökendorf bei Brakel bei ihren dort ansässigen Verwandten von Haxthausen (August von Haxthausen; Werner von Haxthausen); weitere, in der Regel mehrmonatige Besuche dort in den Jahren 1813, 1819/20, 1837, 1838, 1839, 1843 und 1845. 1806 Besuch Friedrich Leopold von Stolbergs in Hülshoff. Er mahnte die Mutter 1810 brieflich: [...] ich habe gehört, daß Fräulein Nette in gesellschaftlichen Kreisen Komödie spiele. Für Männer und Frauen ist, meiner innigsten Überzeugung nach, diese Übung wenigstens gefährlich; für Jünglinge noch mehr; für junge Mädchen noch weit mehr, und eben für Fräulein Nette mehr noch als für andere. 1808/09 Übersetzungen der Eklogen des Vergil. 1809 Angebot an die 12jährige zur Mitarbeit an Friedrich Raßmanns Taschenbuch Mimigardia, das sie aber wegen familiärer Bedenken nicht annehmen durfte. Von 1812 bis 1814 Umgang mit ihrem ersten literarischen Mentor Anton Mathias Sprickmann, der 1814 Münster verließ. 1813 Beginn der Arbeit an dem Jugenddrama Bertha. In Bökendorf Bekanntschaft mit Wilhelm Grimm. Geringe Beteiligung an den Grimmschen Sammlungen von Volksliedern und Märchen. 1818 Entstehung des Versepos Walther. 1820 unglückliches Ende der Verbindung zu dem Göttinger Studenten Heinrich Straube (1794-1847). Reinschrift des ersten Teils des Geistlichen Jahres. Seit 1821 Intensivierung des Musikstudiums. 1822 Reise ins Sauerland (später verwertet in den Westphälischen Schilderungen). 1825/26 längerer Aufenthalt in Köln bei Werner von Haxthausen. Kontakte zur Kölner und Bonner Gesellschaft. Freundschaft mit der Bonner Bankiersgattin Sibylle Mertens-Schaaffhausen, die den Mittelpunkt eines illustren Kreises bildete. 1826 nach dem Tod des Vaters Bezug des nahegelegenen, von Johann Conrad Schlaun erbauten Rüschhauses. 1828 Reise nach Bonn, Plittersdorf und Bad Godesberg. 1829 lebensgefährliche Erkrankung. 1830/1831 langer Aufenthalt in Bonn und Bekanntschaft mit Johanna und Adele Schopenhauer, der Mutter bzw. Schwester des Philosophen. 1831 Bekanntschaft mit Levin Schücking, dem Sohn ihrer Jugendfreundin Katharina Schücking. 1833 vorläufiger Abschluß der Arbeit an dem Versepos Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard. 1834 Bekanntschaft und Beginn der literarischen Zusammenarbeit mit dem erblindeten Münsterer Philosophiedozenten Christoph Bernhard Schlüter. 1834 Heirat ihrer Schwester Jenny mit Josef von Laßberg, der auf Schloß Eppishausen (Schweiz) lebt. 1835/36 dort langer Aufenthalt. Im Winter 1836/1837 auf der Rückreise längerer Besuch in Bonn. 1837 Beginn der Arbeit an dem Versepos Die Schlacht im Loener Bruch. 1838 Erscheinen ihrer ersten Gedichtausgabe, die aus den Epen Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard, Des Arztes Vermächtniß und Die Schlacht im Loener Bruch sowie lyrischen Beigaben im Anhang besteht. Ende 1838 Mitglied der Heckenschriftsteller-Gesellschaft ihrer Freundin Elise Rüdiger (weitere Mitglieder: Johanna von Aachen, Luise von Bornstedt, Carl Carvacchi, Henriette von Hohenhausen, Wilhelm Junkmann, Levin Schücking). 1839 Arbeit am Geistlichen Jahr (vorläufiger Abschluß Anfang 1840) und der Judenbuche. 1840 Abschluß des Lustspiels Perdu! 1841 Plan zu einem Westfalenroman, der Fragment bleibt. Mitarbeit an Werken Levin Schückings, insbesondere an Schücking/Freiligraths Malerischem und romantischen Westphalen. 1841/42 erste Reise nach Meersburg (neuer Wohnsitz der Familie ihrer Schwester). Im Beisein Schückings, der dort vorübergehend als Bibliothekar tätig ist, entsteht mit etwa 60 Gedichten der Grundstock ihrer zweiten, bei Cotta verlegten Gedichtausgabe von 1844. 1843/44 zweiter Meersburger Aufenthalt (etwa 20 Gedichte). Erwerb des Fürstenhäusles in Meersburg. Im Mai 1844 Wiedersehen mit Schücking und Bekanntschaft mit dessen Frau Louise Schücking geb. von Gall. Allmähliche Entfremdung von Schücking.

1844 Beginn der intensiveren Mitarbeit am Feuilleton der Kölnischen Zeitung. Die anonyme Veröffentlichung der Westphälischen Schilderungen in den Historisch-politischen Blättern führt 1845 nach den Worten der Autorin zu einer fatalen Sensation. Im Sommer entstehen die Abbenburger Gedichte. Verzicht auf jede weitere Mitarbeit an Zeitschriften. 1846 endgültiger Bruch mit Schücking. Im Herbst schwere Erkrankung und letzte Reise nach Meersburg. Sie verstarb am 24. Mai 1848 auf Schloß Meersburg. Grab auf dem Meersburger Friedhof.

Pseudonym: Elisabetha; Annette Elisabeth von D.... H....

Seit 1978 ist eine Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Annette von Droste-Hülshoff (Tübingen: Niemeyer) im Entstehen begriffen. Sie ist auf 24 Teilbände angelegt, darin eingeschlossen sind zwei Bände Droste-Bibliographie (Bd. XIV,1 und XIV,2). Diese übertreffen mit etwa 8.500 Titelangaben, die z.T. mit Annotationen versehen sind, frühere bibliographische Arbeiten wesentlich. Am Schluß des ersten Teilbandes verzeichnen Tabellen sämtliche Werke sowie die Briefe von und an die Autorin jeweils mit Angaben zum Erstdruck und Standort. Aufgrund der vorliegenden Droste-Spezialbibliographie beschränkt sich die folgende Auswahl auf die wichtigsten Werkausgaben und die wichtigste Sekundärliteratur. Redaktionsschluß der Droste-Bibliographie war "im allgemeinen der 31. Dezember 1980". Aus diesem Grund wird im folgenden die nach 1980 erschienene Droste-Literatur ausführlicher behandelt.

Hinsichtlich der Standorte von Titeln sei grundsätzlich auf die Spezialbibliothek in der Droste-Forschungsstelle in Münster mit etwa 6000 selbständigen und unselbständigen Publikationen hingewiesen. Dort befinden sich auch eine Film- bzw. Kopiensammlung und ein Mikrofilmarchiv sowie Teile aus den Gelehrtennachlässen der Droste-Forscher Wilhelm Kreiten, Eduard Arens und Karl Schulte Kemminghausen.