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Die Bibliotheksvitrine zeigt noch bis Ende Mai die Bibliothek als Raum im Wandel der Zeit. Foto: LWL/ Neander

Die Museumsbibliothek – ein Raum im Wandel der Zeit

Seit 1908 gibt es Räume für die museumseigene Büchersammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Museumsbibliothekar Martin Zangl nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zeigt, wie sich die Bibliotheksräume im LWL-Museum im Laufe eines Jahrhunderts bis zum heutigen Tag verändert haben.

Die Bibliothek um 1908. Foto: LWL

Text: Martin Zangl

Aufbauend auf den Beständen der beiden bürgerlichen Vereine „Westfälischer Kunstverein“ und „Verein für Geschichte und Alterthumskunde“ gab es im neuen Westfälischen Landesmuseum bereits 1908 eine wissenschaftliche Arbeitsbibliothek. Sie befand sich in direkter Nachbarschaft zum Direktorenzimmer – Bibliothekare bezeichnen eine solche Konstellation gern als „Pantoffelbibliothek“. Für die Arbeit der Wissenschaftler waren die Voraussetzungen nahezu ideal - nicht nur durch die Zugänglichkeit des Magazins und die Größe der Tische, sondern auch durch die großen Planschränke, die vermutlich zur Aufbewahrung von Vorlagenblättern und Reproduktionen genutzt wurden. Die für damalige Verhältnisse moderne Innenausstattung der Bibliothek vom Atelier Prof. Bruno Paul (Berlin) führte „Bilddatenbank“ und „Literaturdatenbank“ fortschrittlich zusammen.

Die Räume der Museumsbibliothek ähneln 1954 einem Klassenzimmer. Foto: LWL

Ob die Bibliothek in den ersten Jahrzehnten bereits für die Öffentlichkeit nutzbar war, kann heute nicht mehr eindeutig festgestellt werden. Auf einer Eintrittskarte für die Museumsgebäude, die nachweislich von Oktober 1938 bis Frühjahr 1941 Verwendung fand, findet sich allerdings ein Hinweis auf diesen öffentlichen Lesesaal mit den aus heutiger Sicht ungewöhnlichen Öffnungszeiten von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 22 Uhr.

Nach der Zerstörung der Museumsgebäude durch Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg konnte der stark beschädigte Altbau zunächst nur provisorisch genutzt werden. Ab ca. 1950 war das Gebäude soweit wieder hergestellt, dass auch ein Lesesaal in deutlich einfacherer Ausstattung zur Benutzung zur Verfügung stand. Erkennbar ist eine Veränderung der Innenarchitektur hin zu einer „Kathederbibliothek“, die sich durch reine Magazinbestände auszeichnet und Schulklassenatmosphäre aufkommen lässt.

Die Bibliothek (hier 1996) wurde 34 Jahre lang provisorisch in einem Ausstellungsraum untergebracht. Foto: LWL

Mit der Eröffnung des neuen Gebäudekomplexes im Jahr 1974, der sich vom Domplatz bis zur Rothenburg erstreckte, wurde auch ein neuer Bibliothekslesesaal eingerichtet. Aufgrund mehrfacher Änderungen in der Gebäudeplanung wurde letztlich ein Ausstellungsraum provisorisch als öffentlicher Lesesaal umgenutzt. Aus dem Provisorium entwickelte sich eine Dauerlösung für die folgenden 34 Jahre. Nach starken Benutzungszahlen Mitte der 1980er Jahre verlor der Raum durch Platznot und ungünstige Lage zunehmend an Attraktivität. Auch die vergleichsweise späte Einführung von Technik und EDV trug dazu bei, dass die öffentlich zugängliche Bibliothek den meisten Museumsbesuchern in den 1990er und 2000er Jahren unbekannt blieb.

Die Einrichtung des Lesesaals ist heute an das veränderte Besucherverhalten angepasst. Foto: LWL/ Deiters-Keul

In der Abriss- und Neubauphase von 2008 bis 2014 war die Bibliothek komplett ausgelagert und auf verschiedene Standorte verteilt. Die Nutzung der Bestände war nur für Museumsmitarbeiter möglich, gleichwohl aber in der Planung der neuen Dauerausstellung und für das Erstellen der Publikationen zur Neueröffnung des Hauses umso wichtiger.

Seit  der Neueröffnung des Museums im September 2014 steht die Museumsbibliothek auch der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Durch ihre „Schaufensterlage“ am Patio im neuen Gebäude von Staab Architekten Berlin und ihre direkte Anbindung an das zentrale Foyer, ist die Bibliothek präsenter denn je. Die Einrichtung des Lesesaals ist funktional gestaltet und an das veränderte Besucherverhalten angepasst. So sind die Arbeitsplätze für die Nutzung von Notebooks ausgestattet, ein Hotspot ermöglicht die kostenlose Internetnutzung im ganzen Haus. Die signifikanten orangen Sessel bilden eine einladende Lounge, gleichzeitig steht den Besuchern nach wie vor eine umfassende Handbibliothek mit Künstlerliteratur, Nachschlagewerken und aktuellen Kunstzeitschriften zur Verfügung. Mit den Besucher-PCs bietet die Bibliothek umfangreiche elektronische Recherchemöglichkeiten, der Gesamtbestand der Museumsbibliothek ist vollständig im LWL-Bibliotheksportal erfasst. Die Recherche nach Büchern im Besitz der Bibliothek des LWL-Museums für Kunst und Kultur kann auch von zuhause aus erfolgen, über www.lwl.org/opac oder über den Link auf der Webseite des Museums http://www.lwl.org/LWL/Kultur/museumkunstkultur/das_museum/bibliothek.

In der Vitrine der Museumsbibliothek werden noch bis Ende Mai Gegenstände und Fotos zur Geschichte der Bibliothek ausgestellt.

Publikationsdatum: 03.05.2016

Themen: Neubau