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Günther Jauch spricht bei Antenna International die Highlight-Tour ein. Foto: Antenna International

#Interview: Der neue Multimediaguide

Dr. Daniel Müller Hofstede beantwortet 12 Fragen zur Produktion des Multimediaguides, der zurzeit für die Neupräsentation der Sammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur entwickelt wird.

Warum wird ein Multimediaguide entwickelt?
Mit dem Multimediaguide werden wir zur Eröffnung ein ganz neues, aber mittlerweile auch zum Standard moderner Museumsarbeit gehörendes Vermittlungstool haben. Im Unterschied zum normalen Audioguide, den wir in der Vergangenheit zu verschiedenen Ausstellungen angeboten haben, bietet der Multimediaguide einen viel größeren informativen und sinnlichen Mehrwert.

Welchen Nutzen hat der Besucher?
Es  ist schwierig alle Gesichtspunkte eines gezeigten Objekts in der Ausstellung zu präsentieren, ohne dem Besucher eine übertriebene Reizüberflutung zuzumuten. Der Multimediaguide ist die Antwort auf dieses Problem. Die vielen verschiedenen Geschichten, Personen und Aspekte hinter den Objekten unserer Sammlung können wir mit Hilfe des Multimediaguides vielschichtig und komfortabel darstellen.

Otto Müller, Die sitzende Zigeunerin, 1926

Kannst du ein Beispiel nennen?
Ein Beispiel wäre das Brücke-Gemälde "Die sitzende Zigeunerin" von Otto Müller, das sich seit den 1950er Jahren in unserer Sammlung befindet. Der bisherige Audioguide bietet eine Erklärung zu Otto Müller und auch zur Künstlergruppe "Die Brücke", jedoch keine weiteren zeitgeschichtlichen Kontexte, die ebenfalls sehr spannend und relevant für das Verständnis der Arbeit sind. Im Zusammenhang mit dem Bild ist geplant, dem Besucher mit dem Multimediaguide die Möglichkeit zu geben sich über die Geschichte des Begriffs "Zigeuner" und auch über den historischen Umgang mit den Sinti und Roma zu informieren und sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Es wird also nach wie vor eine Audiospur zum Bild und zu den Brücke-Künstlern geben, aber auch eine historische Tonspur mit einem Originalkommentar Adolf Hitlers zur "Entarteten Kunst" und ein Statement des Vertreters der Sinti und Roma in Deutschland zur aktuellen Situation.

Für welche unterschiedlichen Formate steht "Multimedia"?
Eine große Rolle spielen für den Guide Videoformate, zum einen historische, zum anderen extra von uns produzierte. Darüber hinaus wird es auch Musik geben, die den Eindruck einzelner Werke ergänzen kann.

Welches Gerät ist dafür vorgesehen?
Geplant ist eine Art großes Samsung-Smartphone von 4,2 Zoll Größe.

Wie wird die Benutzeroberfläche gestaltet sein?
Die Benutzeroberfläche bietet eine Orientierung über den Grundriss des Museums. Dafür wird ein eigenes Indoor GPS System "Avilog", entwickelt vom Fraunhofer-Institut, im Museum installiert, so dass sich das Interface automatisch auf den Standort des Besuchers ausrichtet. Das bietet dem Besucher die Möglichkeit, direkt mit einer bestimmten geführten Tour – etwa zum Mittelalter, zum Barock oder zur Moderne – zu jedem Zeitpunkt zu beginnen oder zu verlassen. Selbstverständlich kann ich mit dem Guide durch diese Technik auch einfach drauf los laufen, da er mir in jedem Raum anzeigt, zu welchen Objekten Informationen hinterlegt sind und auch zu welcher Tour diese gehören.

Logo des Marktführers bei Museumsguides: Antenna International aus Berlin.

Gibt es Projektpartner, die das Museum mit Know How unterstützen?
Wir arbeiten mit Antenna International aus Berlin zusammen. Der Weltmarktführer für Museumsguides konnte sich bei der Ausschreibung gegen drei Mitbewerber durchsetzen.

Welche Aufgaben hat Antenna übernommen?
Antenna sorgt für die redaktionellen Texte zu unseren Werken und kümmert sich um die ganze technische Abwicklung mit Hardware und Software. Zudem haben sie eine spezielle Kinderführung entwickelt. Eine Art kriminalistisches Kinderhörspiel, das durch unsere Sammlung führt.

Welche Teile des Multimediaguides wurden vom Museum entwickelt?
Wir haben 120 Objekte unserer Sammlung definiert, von denen wir glauben, dass Geschichten damit verbunden sind, die erzählt werden müssen. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um die Highlights der Sammlung, sondern auch um unbekanntere Arbeiten, die den Besuchern vielleicht bisher noch aufgefallen sind. Alle ausgewählten Objekte verbindet, dass sie eine besondere Beziehung zu unserer Sammlung, ihrer Zeit, einer bestimmten Künstlergruppe, Region oder Epoche haben, über die sie stellvertretend Auskunft geben können.

In welcher Form werden diese Geschichten auf dem Multimediaguide präsentiert?
Ein großer Vorteil des Multimediaguides ist, dass wir verschiedene Arten der "Führung" anbieten können. Es wird die Highlight-Tour geben mit 25 Werken aus den bereits erwähnten 120 Objekten, für die Kurzentschlossenen sozusagen. Zusätzlich gibt es diverse Kunstepochen-Touren (Mittelalter, Renaissance, Barock etc.), eine Führung zur Landesgeschichte und eben die Kindertour. Jede Spur hat einen eigenen charismatischen Sprecher, die Kindertour als Hörspiel sogar vier.

Günther Jauch spricht bei Antenna International die Highlight-Tour ein. Foto: Antenna International

Sind bekannte Sprecher dabei?
Besonders begeistert sind wir, dass wir für unsere Highlight-Tour einen Promi verpflichten konnten. Der bekannte TV-Moderator Günther Jauch, der aus Münster stammt, wird auf seine unterhaltsame Art unsere Highlight-Tour sprechen.

Welches Ziel wird mit dem Multimediaguide verfolgt? Was soll damit für den Besucher erreicht werden?
Wir hoffen den Besuchern damit über viele Besuche hinweg Möglichkeiten zu bieten, das Museum auf verschiedenen Wegen und bei unterschiedlichen Interessenslagen zu erkunden. Die entwickelte Software des Multimediaguides ermöglicht es dem Museum Inhalte auszutauschen, zum Beispiel wenn ein Kunstwerk für eine Sonderausstellung verliehen wird oder restauriert werden muss. Auch neue Inhalte können immer wieder hinzugefügt werden. Der Multimediaguide soll langfristig für die Besucher interessant bleiben.

Das Interview führte Michelle van der Veen.

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Publikationsdatum: 10.07.2014

Themen: Neubau, Kunstwerke, Museumsteam