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beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

Yue Hu hat sechs Wochen im LWL-Museum für Kunst und Kukltur hospitiert. Foto: LWL/Baasch

#Museumsalltag: Besuch aus China

Ich bin Yue Hu und ich arbeite im Museum der Stadt Jiexiu in China. Wenn ich unsere Sammlung betrachte, lerne ich einen Teil unserer Geschichte kennen. Als Hospitantin im LWL-Museum für Kunst und Kultur hatte ich nun sechs Wochen lang die Chance, ein deutsches Museum kennenzulernen.

Text: Yue Hu

Als ich am letzten Oktober erstmals in Münster war, hat mit die Stadt gut gefallen. Ich stand am Domplatz, die Bäume hatten bunte Blätter und ich habe ein Museum entdeckt, das eine lange Geschichte und einen modernen Neubau mit 1000 Jahren Kunst vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart vereint. Zwischen dem LWL-Museum und unserem Museum in China gibt es viele Ähnlichkeiten und ich habe mich schon sehr auf die Hospitation im Sommer gefreut.

Was habe ich im LWL-Museum für Kunst und Kultur gesehen? Was habe ich in 6 Wochen gelernt? Worüber habe ich nachgedacht? Wenn ihr kurz Zeit habt, würde ich meine Erfahrungen gerne mit euch teilen.

1. Woche: Abteilung für Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Die Pressesprecherin Frau Miklis hat mir die Aufgaben der Abteilung für Presse und Öffentlichkeitsarbeit erklärt. Wir haben viele Unterschiede zwischen Deutschland und China entdeckt. In China sind die meisten Museen kostenlos, deshalb wird weniger Marketing betrieben. Obwohl einige meiner Kollegen in Jiexiu ähnliche Arbeiten für die Bewerbung des Museums machen, hat Jiexiu Museum keine eigene Abteilung für Presse. Meiner Meinung nach sollten wir in Zukunft auch mehr Wert auf Werbung legen, um die Menschen für einen Besuch im Museum zu motivieren.

2. Woche: Sonderausstellung "Homosexualität_en"

Die Sonderschau im LWL-Museum zeigt 150 Jahre Geschichte, Politik und Kultur homosexueller Frauen und Männer in Deutschland. Meine Aufgabe war es, die Einträge des Besucherbuches auszuwerten.
Ich finde es schön, dass die Besucherinnen und Besucher Homosexualität nicht als Tabu, sondern als andere Lebensweise verstehen. Es ist die Aufgabe eines Museums, unterschiedliche Kulturen und Auffassungen zu zeigen.

3. Woche: Zeichenkurs für Erwachsene

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur bietet vielfaltige Workshops nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Um mich mehr über die Arbeit der Kunstvermittlung zu informieren, habe ich mit großem Interesse am Zeichenkurs für Erwachsene teilgenommen. Meine Kunstfertigkeit ist nicht sehr gut, aber ich habe im Kurs acht liebe, nette, feine Damen kennengelernt. Ich habe von ihnen eine wichtige Sache gelernt: dass Liebe zur Schönheit und zum Leben nicht abhängig vom Alter ist. Ich hoffe, dass ich so schön sein kann wie sie, wenn ich silberne Fäden im Haar habe.

Bilder, die Yue Hu im Zeichenworkshop erstellt hat. Foto: Yue Hu

4. Woche: Langer Freitag

Am zweiten Freitag im Monat hat das LWL-Museum verlängerte Öffnungszeiten bis 22 Uhr. Das Museum wird eine lebhafte Stätte, an der sich Freunde zusammenfinden, Familien gemeinsam eine schöne Zeit haben und unterschiedliche Menschen das Leben genießen. Konzerte, Veranstaltungen und Führungen machen den Museumsbesuch zum Event. Ich bin eine Führung durch die Bibliothek und das Magazin mitgegangen. Die Besucher konnten die alten Bücher ganz nah betrachten. Nach der Führung habe ich darüber nachgedacht, wie faszinierend die alten Gegenstände sind. Je offener ein Museum damit umgeht, desto mehr Leute verstehen die traditionelle Kultur und Kunst.

5. Woche: Werkstätten der Restauratoren

Die Restaurierung von Kunstwerken ist eine wunderbare Arbeit. Frau Wenzel ist die Restauratorin für Tafelgemälde und sie hat mir erläutert, wie sie mit den unterschiedlichen Untergründen der Gemälde umgeht. Herr Dr. Moroz ist Papierrestaurator und er hat mir gezeigt, wie man ein Loch in einem Papier auffüllen kann. Welche Bedeutung haben die Wörter Renovieren, Restaurieren und Reparieren? Wenn Herr Dr. Moroz mir das nicht erklärt, werde ich diese deutschen Wörter niemals unterscheiden können.

6. Woche: Porträt eines chinesischen Kaisers

Es wundert mich sehr, dass es ein paar Porträts chinesischer Kaiser aus der Qing Dynastie im LWL-Museum für Kunst und Kultur gibt. Die Grafiken sind im 18. Jahrhundert entstanden und werden heute in Münster bewahrt. Gemeinsam mit Frau Bär habe ich den Namen entschlüsselt und hierzu recherchiert. Der Kaiser lebte vor 400 Jahren. Dank seiner Porträts werde ich nun doch noch Lehrerin für chinesische Geschichte.

Meine Heimat Jiexiu ist über 8,000 km von Münster entfernt. Es freut mich sehr, dass ich hier eine kleine Geschichte von China erzählen konnte.

Leider bin ich nur sechs Wochen in Münster geblieben. Die Zeit verging wie im Flug. Das LWL-Museum ist ein sehr dynamisches Museum. Es ist ein Fenster in die Kunst und Kultur für die Öffentlichkeit und für mich ist es ist ein Fenster in die Seele Deutschlands.

Ich möchte mich herzlich bei meinen lieben Kollegen für ihre Hilfe bedanken. In der Presse und Öffentlichkeitsarbeit habe ich nicht nur die Arbeitsweise gelernt, sondern auch die Leidenschaft für das Museum gesehen. Es freut mich sehr, sie kennengelernt zu haben. Den Lesern des Blogs danke ich für die Aufmerksamkeit.

Zum Schluss möchte ich euch einladen, nach China in die Provinz Shanxi und in das Museum der Stadt Jiexiu zu kommen.

Publikationsdatum: 01.07.2016

Themen: Museumsteam