9.12.2016 - 12.2.2017

Andreas Siekmann

9.12.2016 - 12.3.2017

Andreas Siekmann. Aufzeichnungen aus einem postfaktischen Zeitalter

Der Preisträger des diesjährigen Konrad-von-Soest-Preises für Bildende Kunst, Andreas Siekmann (*1961), zeigt neue und bestehende Arbeiten in einer raumgreifenden Installation. Die Werke thematisieren die veränderten ökonomischen Bedingungen einer globalisierten Welt am konkreten Beispiel des Kohleabbaus.

Ein Modell des Rundeindickers, wie er als Teil des Klärprozesses in der stillgelegten Zeche Lohberg in Dinslaken verwendet wurde, und eigens entwickelte Piktogramme erläutern die wirtschaftlichen, ökologischen und humanitären Folgen des Kohleausstiegs in Deutschland auf Länder wie Kolumbien. Mit seinen gesellschaftskritischen Arbeiten macht der aus Hamm stammende Künstler auf vorhandene und entstehende Missverhältnisse aufmerksam und konfrontiert den Betrachter mit aktuellen politischen Ereignissen und dringlichen Fragestellungen.

Letzter Raum des Sammlungsrundgangs im 2. OG, Ausstellungsraum 2.17

Achtung: Die Ausstellung wird bis zum 12. März 2017 verlängert!

Begründung der Jury (Auszug)

Andreas Siekmann wird für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Bildenden Kunst mit dem Konrad-von-Soest-Preis ausgezeichnet, der vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) verliehen wird. Seine stets gesellschaftskritischen Arbeiten nehmen in der internationalen zeitgenössischen Kunst eine herausragende Stellung ein.

Siekmann verknüpft Sprache, Symbolik sowie konventionell und elektronisch generierte künstlerische Mittel wie Zeichnung, Malerei und Computergrafik zu einem eigenständigen Bildvokabular, das den Rezipienten als mündigen und politischen Akteur in den Fokus nimmt. Dabei entsteht eine Form von Informationskunst, welche die Betrachter mit aktuellen politischen Ereignissen und Fragestellungen konfrontiert und zur aktiven Teilhabe auffordert. Ohne didaktischen Zeigefinger schafft er so eine Form der Auseinandersetzung, welche auf mehreren Ebenen statt findet.

Andreas Siekmann, Detailansicht "Aufzeichnungen aus einem postfaktischen Zeitalter", 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Foto: LWL/Hanna Neander

Zur Person

Andreas Siekmann wurde 1961 in Hamm (Westfalen) geboren, lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Dort ist er unter anderem als Professor für Raumstrategien an der Kunsthochschule Weißensee tätig. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit kuratiert er gemeinsam mit der Künstlerin Alice Kreischer Ausstellungen und realisiert Projekte im öffentlichen Raum.

In den vergangenen 20 Jahren war Andreas Siekmann in nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten, darunter zweimal bei der Documenta in Kassel (2002 und 2007), auf der Biennale in Venedig (2003) sowie bei den Skulptur Projekten in Münster (2007).  Seine Arbeit „Trickle down“ war im Rahmen der Skulptur Projekte vor dem Erbdrostenhof in Münster zu sehen.

Konrad-von-Soest-Preis für Bildende Künste

Im Wechsel mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis für Literatur und dem Hans-Werner-Henze-Preis für Neue Musik verleiht der LWL seit 1952 den Konrad-von-Soest-Preis für Bildende Künste. Der mit 12.800 Euro dotierte Preis wird an Künstler aus Westfalen-Lippe vergeben.

Die Reihe der Geehrten beginnt in den fünfziger Jahren mit Fritz Winter, Emil Schumacher und Josef Albers. Weitere namhafte Künstler wie Otto Piene (1968), Bernd und Hilla Becher (1980), Rosemarie Trockel (1992) und Martin Kippenberger (1996) wurden mit dem Preis bereits ausgezeichnet. 2011 erhielt die Video-Künstlerin Johanna Reich den Preis, zuletzt Jürgen Stollhans (2014).

Zur Jury gehören Vertreter des LWL sowie die Künstlerin Julia Bünnagel (Bildhauerin und Soundkünstlerin aus Köln), die Künstler Christian Odzuck (Düsseldorf) und Prof. Dirk Löbbert (Kunstakademie Münster) sowie Prof. Ursula Frohne (Universität Münster, Institut für Kunstgeschichte) sowie Dr. Nicole Grothe (Museum Ostwall Dortmund).

Titelbild: Andreas Siekmann, Ausstellungsansicht "Aufzeichnungen aus einem postfaktischen Zeitalter", 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Foto: LWL/Hanna Neander.