Die Volkskundliche Kommission für Westfalen ist eine wissenschaftliche Forschungsstelle, die sich mit der Alltagskultur in Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt. Sie interessiert sich zum Beispiel dafür, wie die Menschen arbeiten, wie sie feiern, ihre Religion ausüben, wie sie wohnen oder wie sie sich kleiden. Die Kommission untersucht, wie sich diese Bereiche aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein entwickelt haben und weiterhin verändern.
Den vier hauptamtlichen Mitarbeitern steht ein Gremium von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zur Seite, die Experten für Themen der Alltagskultur in Westfalen sind. Den institutionellen Rahmen bildet die Kulturabteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Für ihre Arbeit verfügt die Kommission über ein umfangreiches Archiv zur Geschichte des Alltags und der Volkskultur in Westfalen sowie eine landeskundliche Bibliothek.
Die Kommission veranstaltet regelmäßig Arbeitstagungen und gibt Publikationen in mehreren Schriftenreihen heraus, die sich nicht nur an Fachleute, sondern auch an eine breite Öffentlichkeit wenden. Ferner ist sie Mitherausgeberin einer jährlich erscheinenden Zeitschrift, der Rheinisch-westfälischen Zeitschrift für Volkskunde. Die Volkskundliche Kommission wendet sich immer wieder an die Öffentlichkeit, um etwas über die gegenwärtige Entwicklung der Volkskultur zu erfahren und ist bemüht, damit das Interesse für die Volkskunde und Geschichte Westfalens zu stärken.
Das Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster zählt mit etwa 400 Studierenden zu den größeren volkskundlichen Instituten in der Bundesrepublik. Die Schwerpunkte von Forschung und Lehre liegen in den Bereichen Sachkultur und Museumskunde (Haus und Wohnen, Kleidung, Nahrung, Geräte), Visuelle Anthropologie (Filme als volkskundliche Forschungs- und Darstellungsmethode), Erzählforschung, regionale Volkskunde (Westfalen) und Mentalitäts- und Bewusstseinsanalysen (interkulturelle und vergleichende Forschung, Stereotypenforschung, Nationalismusforschung).
Ausgebildet wird am Seminar zum Magister Artium (M.A.), zum Dr. phil. und ab dem Wintersemester 2006/07 im Studiengang Kultur- und Sozialanthropologie auch zum Bachelor of Arts (BA). Das traditionelle Berufsfeld für Volkskundlerinnen und Volkskundler sind Museen, aber auch Denkmalpflege, Kultur- und Stiftungsarbeit, Erwachsenenbildung, Tourismus, Verlagswesen sowie Journalismus und Medien.
Zurzeit sind am Seminar zwei Professoren und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt. Die Lehrenden werden durch drei Honorarprofessoren und wechselnde Lehrbeauftragte unterstützt.
Das Seminar ist mit dem Teilprojekt C2 „Symbole, Rituale und Gesten in frühneuzeitlichen Konflikten und alltäglichem Handeln“ am Sonderforschungsbereich 496 „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution“ der Universität Münster beteiligt. Aktuell wird am Seminar zudem das DFG-Projekt „Nationalismus und Alltag an der deutsch-belgischen Grenze 1815-1920“ durchgeführt. Das Seminar pflegt darüber hinaus enge Kontakte zu einer Reihe von außeruniversitären Einrichtungen wie zu den Freilichtmuseen in Detmold und Cloppenburg oder der Volkskundlichen Kommission für Westfalen sowie zu anderen wissenschaftlichen Institutionen in Europa wie dem Meertens Instituut in Amsterdam. Da sich Volkskunde als eine europäische Disziplin versteht, besteht auch ein reger Austausch zwischen dem Seminar in Münster und ausländischen Wissenschaftlern in Lund und Stockholm (Schweden), Bergen (Norwegen), Tallinn (Estland), Dublin (Irland), London (Großbritannien), Paris und Lille (Frankreich), Bangkok (Thailand).
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