Ludwig Freiherr von Vincke

Friedrich Ludwig Wilhelm Philipp von Vincke wurde am 23.12.1774 in Minden geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften trat er in die Beamtenlaufbahn ein und wurde 1798 zum Landrat in Minden ernannt. 1804 wurde er als Nachfolger des Freiherrn vom Stein Präsident der Kriegs- und Domänenkammer in Münster. 1810 verließ er den preußischen Staatsdienst und ließ sich nach seiner Heirat mit Eleonore von Syberg auf Gut Ickern bei Dortmund nieder. 1815 nahm er seine Karriere wieder auf und wurde Oberpräsident der neu gebildeten Provinz Westfalen. Dieses Amt übte er fast dreißig Jahre lang aus und prägte in dieser Zeit den Umbau Westfalens in entscheidender Weise. Am 02.12.1844 starb Vincke nach einem Kutschenunfall.
Vincke führte seit seiner Jugend Tagebuch. Die Eintragungen spiegeln in knapper Form die Tätigkeit und das gesellschaftliche Leben wider. Treten jedoch Ereignisse in sein Leben, die ihn stark beschäftigen, wie die Geburt seiner Tochter im November 1817, so werden die Eintragungen umfangreicher und emotionaler.


11. bis 19. November 1817
11. – Große Wonne, großes Glück, dem Höchsten Preis und Dank! Um 4 erweckte mich Eleonore mit der Nachricht, daß sie einige Wehen zu spüren glaube, um ½ 6 sandte ich nach Dr. Rocholl und die Hebamme Eicholt und Frau v. Sandrart – alles war ganz erwünscht, die teure Eleonore litt wenig und nur die letzte ½ Stunde – um 11 wurden wir durch ein liebes Töchterlein beglückt – meine Freude ganz unbeschreiblich, ich mit Dank gegen Gott erfüllt, der den glücklichen Moment so überraschend herbeigeführt und alle geträumten Sorgen gehoben – das liebe kleine Mädchen, welches Gott zu unsrer Freude erwachsen lassen wolle, ganz Giesberts Ebenbild, außer Haar und Augen – Josef wurde gleich mit der frohen Kunde nach Busch expediert, den Jungens verkündigte ich bei Keßlers die Erscheinung des kleinen Schwesterchens und besuchte dann noch die Session – alles war heute so erwünscht wie möglich, Eleonore überglücklich, Rocholl blieb die Nacht –

12. – Die Nacht vortrefflich – ich konnte den Besuch von Westphal, Sauer und Reuter annehmen, letzterer brachte mir die schöne großherzogliche Dose – sowie vom alten Twickel und sogar dessen Einladung zu einer Wegebesichtigung nach Roxel annehmen mit Hammer und Schlechtendal, wobei ich jedoch zu lange aufgehalten wurde, aber alles erwünscht fand, doch blieb Rocholl auch diese Nacht im Wochenzimmer –

13. – Alles gut und ich darf daneben hoffen, nun meine gute Lore ganz wiederhergestellt zu sehen und mit gestärktem Vertrauen zu Gott – wir beschlossen zu Gevattern zu wählen die Mutter, die 4 Schwestern, Tanten Bodelschwingh und Elverfeldt, Eberhardine, Ernestine, Gräfin Itzenplitz, Friederike Bersword, Lisette Romberg, die Generalin, Sandrart, Bernuth – ich fing heute schon an, die Gevatterbriefe abgehen zu lassen, Gott gebe nicht vergebens, und meine Schwestern alle mit der Kunde zu überraschen – abends Westphal bei mir – Josef kam wieder – Georg war schon vorgestern mein Schlafgenosse – ich war bei Langenberg, wegen der Standesherren zu konferieren –

14. – Nie war mir die frühe und lange Session lästiger! Mittags aßen die 3 Arnsberger bei mir und fuhren dann ab – Mutter und Kindlein ganz erwünscht – ich vermag doch kaum noch im Druck der vielen Arbeit mich aufrecht, meine vielen Arbeiten im Zuge zu erhalten –

15. – Glückliche Ankunft der lieben Mutter mit Ida, sehr erfreut, alles so erwünscht zu finden, und mir eine große Freude und Trost, nun der sorgsamsten Pflege meiner Teuren versichert zu sein, denen ich leider so wenig zu leisten vermag – mit der Milch leider noch nichts –

16. – Sonntag – Viele Ruhrsachen abgetan wegen der Überschüsse der unglücklichen Schleusenbauten – an Kopp und dem Großherzog Dank für die Dose – morgens in Natorps schöner Predigt über die Genügsamkeit –

17. – Einer Menge von Briefen mich entledigt nach Erfurt, Paderborn neben Besuchen bei Natorp zum Tee, Lehmann pp. – nur leider nur wenig in der Wochenstube – die Hülfsamme gottlob entlassen – Bericht wegen Suspension des § 17 der Oberpräsidenten-Instruktion –

18. – Bericht über die standesherrlichen Pensionen; ausgeritten in Hoffnung, meinen Schlaf etwas zu verbessern – abends Besuch des guten, immer gleichen und immer gleich langweiligen alten Stolberg –

19. – Heute am 9. Tag ängstige uns ein leichtes, aber doch gegen den Schlaf störendes Milchfieber der teuren Eleonore – doch besserte es gegen Abend, und wir durften uns ganz beruhigen – auch litt dabei das Töchterchen nicht –

Entnommen aus: Die Tagebücher des Oberpräsidenten Ludwig Freiherrn Vincke 1813–1818. Bearb. von Ludger Graf von Westphalen. Münster 1980, S.381-383.