1675 wurde Franz Anton von Landsberg wie damals üblich auf eine so genannte Kavaliersreise geschickt: Adlige junge Männer reisten – oft in Begleitung eines älteren erfahrenen Mannes – mehrere Monate oder sogar Jahre in verschiedene europäische Länder. Sie besuchten Fürstenhöfe, Großstädte, Sehenswürdigkeiten, erhielten Unterricht im Fechten, Reiten und den jeweiligen Landessprachen und wurden möglichst vielen einflußreichen Persönlichkeiten vorgestellt. Die so vermittelten Kenntnisse und Kontakte waren für die spätere Karriere oft wichtiger als ein Universitätsstudium. Diese Ausbildungs- und Bildungsreisen waren äußert kostspielig und die Eltern forderten von den Söhnen daher oft einen Nachweis darüber, wie sie ihre Zeit verbrachten, wofür sie ihr Geld ausgaben und ob sie ihre Studien ernsthaft verfolgten. Briefe, aber auch ein Reisetagebuch konnte dazu dienen, diese Nachweise zu erbringen. Auch Franz Anton von Landsberg, der erst 1678 von seiner Reise zurückkehrte, verfaßte über seine Zeit im Ausland ein Tagebuch, in dem er seine Eindrücke und Erlebnisse, aber auch die getroffenen Personen und die anfallenden Kosten festhielt. Im September 1675 hielt sich Franz Anton von Landsberg in England auf; einen Teil dieser Reise behandelt der hier ausgewählte Ausschnitt.
8. bis 12. September 1675
Den 8. des morgens habe in der Königin ihrer Capelle Meß gehört und gefrüestücket. Mit welchem dan alles bezahlt, waß verzehrt: 10 Schilling. Die königliche Capel alda zu Windzor habe auch gesehen.
Von da bin zu Waßer auf der Temps hinuntergangen nacher Hampton Court, alwo ein schönes könichliches Schlos zu sehen, in welchem gar köstliche Tapeten, von allerhandt Figuren, gar schöne Schildereien von den alten romanischen Historien. NB. Für welche Schildereien der Cardinal Masserin in 100 taußent Pfundt Sterling davor gebotten. Es ist auch alhie im Audienszimmer eine Tapet, welche auf die 20 taußent Pfundt Sterling aestimirt wirdt. Solche ist gar köstlich von Goldt undt Seiden gestickt. Es sein drei Plätze in dießem Sloß, so alle im Quadrat bebauet. Alhie hat logiert auf dießem Schlos die königliche Mätresse, die Herzogin von Cleflandt.
Von da bin durch Kingsthon, ein kleines Stättgen durchpassiert, welches nechst dießem Sloß ist. Von da bin wiederumb den Abendt in London angelangt, alwo dan im Fürbeigehen gar schöne Schlößer zu sehen.
Auf dießem Schlos ist ein großer Wallfisch zu sehen, so ihn der Tembs gefangen. Es seint auch auf einem Gang gar viel Hewichter von Hirßen undt anderem Gethier dergleichen zu sehen, unter anderen ein graulich groß Gewicht von einem Hirsch, so in Franckreich gefangen. Es sein gar viele schöne Turne ahn dießem Schlos zu sehen, so gar schön gebauwet. Es hatt dieß Hauß der Cardinal Wolzi laßen bauwen. Es ist auch ein schöner Barg hiebei, so gar pleßierlich mit Alleen besetzet. Sonsten ist hie weiter nichts zu sehen. Von da passiert man auch Rischmont, alwo ein königliches Schloß für dießem gestanden, nuhnmeher aber nicht mehr wohnhafft ist.
Den 9. bin nach Winthal, alwo der König residirt, hinuntergefahren. Dem Schiffmann 5 Stüfer geben. Habe dieß besehen. Es ist aber gar wenich hie in dießem Schloß. So rahr, ist ein schöner Platz undt ein schöner Saal, so nicht aufgepußte, wan der König nicht da ist. Es ist auch ein wenig höher hinaus der Königin ihre Capelle in Londen zu sehen.
Den Mittag bin auf den Marckt gangen, alwo dan gar wunderbarliche erschafene allerhandt Thiere gesehen undt bin auch von da zu dem Seildans gangen. Von hie bin gangen undt habe ein Elephanten gesehen, dafür geben 1 Schilling, dießer aber noch jung war.
Den 10. bin in der Academisten ihren Garten gangen, alwo den Abendt ihn dem Sommer gar viele Leut zusamen kommen. Es ist ein schöner pleßierlicher Ort. Denselbigen Tag bin auch nach einem Seilspringer gangen, denselben danzen gesehen, so fast nicht seinesgleichen gehabt.
Den 11. bin nach der Piramid, da voran von geschrieben, nochmahl hingangen, alwo dan einige Statuen oben der Thür außegehauwen, so schön sein. Den Mittag bin ich in den könglichen Barg gangen, alwo dan von allerhandt Vögel zu finden. Es ist noch von allerhandt Enten, Gander, so weither auf den Weiers hie zu sehen. Es seien alhie sehr plezirliche Alleen zu sehen, ihn welchen von allerhandt Therien herumbgehen, so da weiden. Es ist eine schöne Spielban darin, da man mit Kugeln spielet. Dießer Berg ist gar weitleuffig. Sonsten ist nichts mehr zu sehen. […]
Den 12. nachdem von Londen abgereißet, so habe ihm „Schildt von Amsterdam“ bei Monsieur Forbenius logiert gehabt. Habe demselben bezalt für 9 Mahlzeiten 10 Schilling 18 Stüfer, daß ist die Mahlzeit 15 Stüfer. Außerhalb den Wein (bezahlt mit) 3 Schilling, daß ist für eine Butellie, wie man dan ihm Landt pflecht zu haben 1 Schilling. Ich hab auch alhie etliche Hemder laßen weschen, davor geben 33 Stüfer. Ein Hemdt zu waschen mit Manschietten kostet 4 Stüfer, ohne Manschietten 3 Stüfer, Crawatt 2 Stüfer, ein Schubtugh 1 Stüfer. Drinckgeldt habe geben 4 Stüfer. Darnach nun selbiges entrichtet, bin von Londen abgefahren über die Tembs über die steinerne Brücke, alwo noch viel Köppe auf Stangen stehent zu sehen, so mit des Krumwels Partei gehalten. Ich habe auch alhie in Londen ein Kammer geheuert, davor geben 2 Schilling.
Entnommen aus: Die Kavaliersreise des Franz Anton Freiherr von Landsberg 1675–1678. Tagebuch und Briefwechsel. Bearbeitet von Gerd Dethlefs. Münster 1984, S. 49 ff.