Geschlecht: männlich
Geburtsjahr: 1977
Familienstand: ledig
Wohnort: Tecklenburg
Beruf: Referendar an einer Schule


Let’s go east! Ein Tag in Sachsen-Anhalt

Mein 18.11.2005 war ein besonderer Tag. Da ich Ende Oktober erfolgreich mein 2. Staatsexamen abgelegt habe (meine Fächer sind Englisch, Kath. Religion und Spanisch), gönnte ich mir mit meinem knapp drei Jahre jüngeren Bruder B., der auf die Ergebnisse seines 1. Staatsexamens für das Gymnasiallehramt in Mathe und Geschichte wartet, ein verlängertes Wochenende in Sachsen-Anhalt, das wir beide bis auf kurze vorherige Abstecher nach Magdeburg und Eisleben noch nicht wirklich kannten. Der Wecker ging früh, obwohl ich mir schulfrei genommen hatte (Referendare nach dem Examen haben sehr viel Flexibilität bei der Stundenplangestaltung ;-)). Um 4.37 Uhr stand ich auf, machte mich fertig und packte die letzten Kleinigkeiten zusammen. Gott sei Dank konnte unsere kleine Tour stattfinden. Gestern plagte mich noch Übelkeit und ich musste brechen, aber heute fühle ich mich fit. Nur etwas Kohldampf hatte ich schon um diese Uhrzeit.
Pünktlich um 5.00 Uhr fuhren wir mit dem VW Polo unserer Mutter los über die Autobahnen, die uns nach Magdeburg brachten. Wir waren ziemlich schnell dort, so dass die Sehenswürdigkeiten noch geschlossen waren. Also warteten wir bis 8.30 Uhr eine Zeit lang im Auto, frühstückten und lasen Reiseprospekte. Dann stiegen wir aus und machten einen langen Sightseeing-Spaziergang durch die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.


So etwas machen wir total gerne: Einfach mal ein paar Stunden einen anderen Ort erkunden, etwas essen, Kirchen und Museen oder Sonstiges ansteuern. Dabei gibt’s eine Menge zu sehen und zu lernen. Vielleicht kann man da wirklich von einer „Kult-Tour“ sprechen. Ich jedenfalls könnte mir keinen besseren Reisebegleiter vorstellen. Denn B. will dann genauso wie ich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel mitnehmen. So zogen wir in der morgendlichen Kühle durch Magdeburg, wo der Weihnachtsmarkt in den Startlöchern stand. Wir gingen zur Wallonerkirche, in die St. Petri-Kirche und die Magdalenenkapelle. An der Elbe entlang ging es zum Dom und danach ab ins Kulturhistorische Museum, was keinen Eintritt nahm. Ju-huuu! Dort stiefelten wir durch alle Abteilungen und bestimmt fast eine halbe Stunde hat uns ein Aufseher eine Menge über die Regionalgeschichte Sachsen-Anhalts und der Stadt Magdeburg erzählt. Er hatte echt Ahnung und konnte die Zusammenhänge mit viel Detailwissen auf den Punkt bringen.
Weiter ging es am Hundertwasser-Bau vorbei zum Kloster Unserer Lieben Frau und anschließend auf den Kirchturm von St. Johann, von wo aus wir ein super Panorama genossen. Weder für das Kloster noch für den Kirchturm mussten wir zahlen. Überhaupt hatten wir den Eindruck, dass es im Osten allgemein noch etwas günstiger war als bei uns zu Hause im Tecklenburger Land. Wir stärkten uns bei einer Straßenbude jeder mit einer Thüringer Rostbratwurst, die gerade mal einen schlappen Euro kostete, und fuhren gegen 13.40 Uhr los nach Dessau.


In der Bauhaus-Stadt waren wir auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten aus. Gegen 15 Uhr kamen wir am Schloss Georgium an, wo wir uns die Gemäldegalerie jedoch nicht antun wollten. Stattdessen gingen wir an der Orangerie vorbei durch die Gartenanlagen und zu den so genannten Meisterhäusern. Jedoch konnten wir uns nicht so recht erklären, warum das so besonders sein soll. Vielleicht fehlen uns aber auch einfach das Interesse und der Sachverstand an und für Design und Architektur. Hereingegangen sind wir in die Häuser auf jeden Fall nicht. Nächste Station war das Bauhaus selbst, wo wir kurz durchgegangen sind, ehe es zum Auto, das in der Nähe des Schlosses stand, zurückging. B. fuhr uns weiter in die City, wo wir in der einsetzenden Dämmerung einen kleinen Spaziergang machten. Das war aber nicht so reizvoll, weil es eigentlich nichts mehr groß anzugucken gab und alle Kirchen bereits zu hatten. Also bummelten wir in die Einkaufspassage an den Schaufenstern vorbei. Nur in der Buchhandlung „Thalia“ hielten wir uns länger auf.
Ich blätterte in der Biografie von Reinhard Mey, mit dessen Lied „Ich glaube nicht“ ich Ende Oktober noch meine Examensstunde im Grundkurs 13 gestaltet hatte als Hinführung zum Thema Gotteskritik und Atheismus. Außerdem guckte ich mir ein paar Reiseführer zu Spanien, vor allem zu Bilbao und Madrid an, wo wir mit meiner Freundin J. Anfang Januar ein paar Tage hinfliegen werden. Besonders interessant fand ich einen „Marco-Polo“-Führer zum Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Ich fände es schon reizvoll, einmal so drei oder vier Tage die letzten Etappen hin zum Grab des Hl. Jakobs selbst zu erwandern.
Wir verließen Dessau aus der Parkgarage der Einkaufspassage und starteten zum eigentlichen Ziel unserer Tour: Wittenberg, wo wir zwei Nächte in der Jugendherberge im Schloss verbringen sollten (wie sich später herausstellte sogar als einzige Gäste, da der Besucherandrang in der Stadt nach dem 31. Oktober, dem Reformationstag, rapide zurück geht!). Ich wollte unbedingt einmal in diese Stadt, weil ich meine Examensarbeit im Referendariat über eine Unterrichtsreihe zur Reformation mit dem Film „Luther – Er veränderte die Welt für immer“ gemacht habe, und weil B. und ich im Sommer 2004 ein paar Tage Thüringen erkundet haben, wo wir unter anderem Abstecher nach Eisenach, zur Wartburg und nach Eisleben gemacht haben. Außerdem war ich in diesem Mai noch in Worms, wo ebenfalls Spuren von Luther vorhanden sind.
In der Lutherstadt Wittenberg ging das „Wandeln auf den Spuren Luthers“ für mich somit weiter. Um etwa 19.30 Uhr verließen wir die Jugendherberge, die im Schloss untergebracht ist, und machten einen Gang durch die Stadt. Wir sind vom Schlossinnenhof kaum in die Fußgängerzone eingebogen, da liefen wir auch schon an der ersten Sehenswürdigkeit buchstäblich vorbei: Die vermeintliche Thesentür, wo Martin Luther der Legende nach am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben soll (was es so aber wohl nie gegeben hat).
Abends hatten wir Hunger. In der Innenstadt landeten wir in einem griechischen Restaurant, wo es eine Aktion gab, bei der es zurzeit verschiedene griechische Spezialitäten für 6,90 Euro gab. Bei solchen Preisen schmeckt es uns immer besonders lecker. Vorweg gab es einen Kirschlikör, dann für mich einen Grillteller mit Pommes und Salat, wozu ein Alster schmeckte, und als Absacker räumte ein Ouzo den Magen auf.
Danach zog es uns in einen irischen Pub, der in der gleichen Straße lag. Wir erinnerten uns an Reisen nach Irland und tranken jeder ein Pint Guinness, das schön gezapft mit dem typischen Kleeblatt in der Schaumkrone serviert wurde. Von dort liefen wir in die Jugendherberge, wo wir hundemüde kurz nach Mitternacht ins Bett fielen.