Geschlecht: weiblich
Geburtsjahr: 1975
Familienstand: ledig
Wohnort: Nähe Iserlohn
Beruf: Sekretärin


Mein 18. November

Es ist Freitag, der 18. November 2005 und noch ganz schön früh. Mein Wecker hat gerade geklingelt, es ist genau 05.00 Uhr morgens und ich habe absolut keine Lust aufzustehen, so schön warm und gemütlich ist es doch in meinem Bett. Und wo es seit ein paar Tagen draußen so kalt ist. Ich glaube ich drehe mich noch mal um …

Mein Name ist C., ich bin im Jahre 1975 in Olsberg im Sauerland geboren und somit ein weibliches Wesen von runden 30 Jahren. Ich bin ledig und wohne seit August diesen Jahres mit meinem Freund J. in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt Iserlohn. Und darin liegt nun auch der Grund, warum seit einiger Zeit mein Wecker an jedem Arbeitstag so früh klingelt:

Ich arbeite noch in der Nähe meines alten Wohnortes und fahre jeden morgen mit dem Zug zur Arbeit. Um morgens pünktlich um 7.20 Uhr an meiner Arbeitsstelle in B. anzukommen, muss ich jeden Tag ca. 80 km fahren. Den Job als Sekretärin und sozusagen „Mädchen für alles“ in einem etwa 30-Mann-(und Frau) starken Handwerksbetrieb in B. habe ich nämlich, im Gegensatz zu meinem Wohnort, noch nicht gewechselt, das ist ja auch nicht mehr so einfach, heutzutage. Vor allem, wenn man eine 30jähre junge Frau ist, welche gerade wegen der Liebe ihren Wohnort gewechselt hat. Also nicht unbedingt die Wunschkandidatin für einen neuen Arbeitgeber.

Aber heute fahre ich nicht mit dem Zug sondern mit dem Auto, habe ich soeben beschlossen. Dadurch kann ich nämlich etwa 20 Minuten länger im Bett bleiben. Die Zugverbindung ist zwar ganz okay, aber seit zwei Wochen gibt es leider auf einem Teilabschnitt auf dem Weg zu meinem Arbeitsort Bauarbeiten an den Gleisen, so dass dort Busse eingesetzt werden. Und somit verzögert sich mein Weg – egal ob hin zur Arbeit oder zurück nach Hause – zur Zeit um gut eine halbe Stunde. So dauert der Weg – alles in allem – also schon mal gut zwei Stunden.

Doch heute fahre ich mit meinem kleinen schwarzen Smart zur Arbeit, so dass ich nur etwa eine gute Stunde unterwegs bin. Denn nach der Arbeit wollen J. und ich noch in Dortmund bummeln, die haben dort ja immer bis 20.00 Uhr geöffnet. Gestern hat es leider meine Lieblingsjeans zerrissen, und da mein Konto zur Zeit recht gut aussieht und J. noch einen Rabattschein von nem Jeansladen dort hat … Also muss ich früher als halb sieben zu Hause sein, wenn wir noch mal loswollen!

Und jetzt muss ich echt langsam aufstehen …

Zum Frühstücken zu Hause habe ich jetzt zwar auch nicht mehr die Zeit, ein Glas Traubensaft für die Energie muss eben reichen, aber dafür hole ich mir auf dem Weg ins Büro ein leckeres belegtes Roggenbrötchen vom Bäcker.

Die ältere Dame hinter der Theke dort ist zwar total genervt, weil ich kein herkömmliches Weizenbrötchen möchte, welche dort schon fertig belegt hinter der Thekenscheibe liegen, und bemerkt daher ziemlich unhöflich, das es nun leider etwas länger dauern würde, meinen Extrawunsch zu erfüllen, aber sie kann ja auch nicht wissen, das ich seit ein paar Wochen meine Ernährung umgestellt habe.

Kein Weizen, keine Milchprodukte (also auch keinen Käse o. ä.), keine Zitrusfrüchte, keinen Zucker, keinen Kaffee etc. Alles Anweisungen meines Heilpraktikers, damit mein seltsames Hautekzem im Gesicht endlich mal verschwindet. Mein Säure-Basen-Haushalt ist wohl ziemlich durcheinander, und um wieder gesund zu werden, also jetzt meine Diät. Und das vor Weihnachten …

Na, aber immerhin habe ich schon zwei Kilo abgenommen, also will ich mal nicht meckern. Und endlich habe ich keine unbegründeten Kopfschmerzen mehr, kein seltsames Bauchweh mehr, welches ich sonst fast jeden Mittag nach dem Essen (damals immer Brot mit Fruchtjoghurt und ein paar Süßigkeiten zum Nachtisch) bekommen habe. Nur meine Haut, die muss noch viel viel besser werden!!! Hautärzte konnten mir nicht helfen, und jetzt bin ich echt mal gespannt. Und leider viel zu ungeduldig, wie J. meint …

Wie will man als voll beruftätige Frau auch mittags immer was „Richtiges“ zu essen bekommen, wenn man keine Kantine hat und in der Firma nicht kochen kann? Da holt man sich halt, aus Bequemlichkeit, mal eben etwas Fertiges im Supermarkt …
Doch ab jetzt wird abends vorgekocht und das dann mit ins Büro genommen. Zum Glück habe ich mir gestern Abend noch den Gurkensalat gemacht. Und die Tomaten heute früh noch schnell reingeschnibbelt … Lecker! Jaja, es war nicht immer schlecht, was meine Oma schon gewusst hat … Viel Gemüse, viel Obst – damit man gesund bleibt …

Im Büro gibt’s heute nicht viel Neues.
Es herrscht immer noch ziemliche Unruhe, weil unser Chef ab dem 01. November diesen Jahres die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich für die Monteure mit Stundenlohn eingeführt hat, aber die Einzelheiten noch nicht genau geklärt sind.

Wie werden die Überstunden bezahlt – nach dem alten oder neuen (kleineren) Stundenlohn? „Schließlich soll ja keiner weniger in der Tasche haben“ war die Aussage unseres Chefs.
Und ob die Überstunden überhaupt noch bezahlt werden sollen oder einfach abgefeiert, ist auch ein heikles Thema. Denn wie soll man Überstunden abbauen, ohne die Produktivität einzuschränken? Schließlich haben wir – zum Glück – Arbeit genug.
Und so mancher Mitarbeiter rechnet mit dem Geld. Verheiratet, Alleinverdiener, zwei Kinder – da muss man heute jeden Cent umdrehen! Alles Fragen, die heute mal wieder hier im Büro heiß diskutiert werden.
Die Bürobesprechung, die eben von halb neun bis neun Uhr stattgefunden hat, hat uns nicht unbedingt weitergebracht. Der Interimsmanager ist auch schon wieder im Hause. Er wurde vor etwa sechs Wochen von unserem Chef beauftragt, unsere Produktivität zu steigern, Fehlabläufe zu korrigieren und die gewünschten Neuerungen (40-Std.) für ihn durchzuboxen. Bislang können wir Mitarbeiter jedoch nicht einen Punkt feststellen, den er ändern musste. Nicht, das wir nicht mitgearbeitet hätten. Aber unser Betrieb war bis vor zwei Jahren DIN Iso9001-qualifiziert, von daher sind wir sowieso schon recht gut organisiert.
Doch eins können wir ganz bestimmt sagen – die Beratungskosten des Interimsmanagers belaufen sich auf eine solch horrende Summe, von der wir einen guten Teil des Weihnachtsgeldes für die Mitarbeiter hätten zahlen können. (Ich glaube, ich habe den falschen Job …) Mal schauen, wie sich das entwickelt …

Da ich morgen von 08.00 bis 12.00 Uhr den Samstagsnotdienst im Büro stellen darf, kann ich heute Nachmittag sowieso früher frei machen. Mit dem Notdienst an Samstagen wechseln wir uns im Büro ab, und da wir hier fünf Leute sind – mit dem Meister, der Buchhalterin und so weiter – ist jeder nur alle fünf Wochen einmal dran. Und ich muss nur noch einmal in diesem Jahr, und zwar morgen!

Jetzt ist es halb vier und Zeit, zurück nach Hause zu sausen! Mit dem Auto ist es zwar stressiger, aber es geht nicht so viel Zeit verloren wie beim Zug fahren. Keine Wartezeiten, kein Umsteigen, keine Verspätungen. Die Straßen sind frei, die Sonne lässt den leicht bedeckten Himmel richtig herbstlich wirken und macht mir noch mal richtig gute Laune! Herrlich, so in die Sonne hineinzufahren … obwohl es tatsächlich schon leicht anfängt zu dämmern. Es wird wohl Winter …

Wie durch ein Wunder bin ich schon nach knapp einer Stunde zu Hause! Mein Schatz J. ist auch schon da! Ach, ist das schön, wenn ich nach Hause komme und dort wartet schon jemand auf mich!!!

Noch ein wenig von der langen Fahrt entspannt und kurz was getrunken, und dann geht’s los Richtung Dortmund. Und auf einmal ist es dunkel!! Egal, die Fußgängerzone in Dortmund ist hell erleuchtet, der Weihnachtsmarkt mit dem überdimensionalen Weihnachtsbaum hat auch schon geöffnet – so langsam kommen wir in Weihnachtsstimmung!
Aber hier wird nicht gebummelt, heute muss noch die schöne neue Hose gefunden werden, die hier irgendwo auf mich wartet und schon meinen Namen ruft!

In den ersten zwei Geschäften – schicke Modeläden mit zierlichen und stark geschminkten Verkäuferinnen, die höchstens Größe 36 tragen – sieht es leider schlecht für mich aus.
Bei einer Körpergröße von 1,83 m gehöre ich wohl eher nicht zum Modelvorbild der dort gängigen Schneider und die Verkäuferinnen schauen mich nur schulterzuckend und leicht genervt an bei meiner Frage, ob sie denn auch Hosen in meiner Größe 42 haben.
Glücklicherweise kann ich von mir behaupten, nicht übergewichtig zu sein – nach meiner Zwangsdiät vom Heilpraktiker sowieso schon gar nicht mehr – und das auch genau zu wissen. Denn sonst würde ich bei den mitleidigen Blicken der intensiv geschminkten jungen Mädels wohl nicht mehr leben wollen … Und selbstverständlich habe ich in meinen „Standard-Läden“ (Kaufhof und Karstadt etc.) doch immer etwas Nettes gefunden – und so denn auch heute! Und zwar eine richtig schöne Jeans!

Dann noch schnell durch zwei Schuhgeschäfte, um zu schauen, welche Schuhe ich mir NICHT kaufen werde (die vom letzten Jahr sind noch voll in Ordnung und auch viel schöner als die Modelle dieses Jahres! Wirklich!) und dann um acht Uhr abends zurück mit Jens im kleinen Smart nach Hause. Ach, wie geduldig Jens doch wieder mit mir ist – C. allein im Schuhgeschäft, das kann nämlich dauern …

Auf dem Heimweg müssen wir noch schnell tanken – bei der Jet-Tankstelle im Dortmunder Vorort kostet der Liter Diesel heute Abend 1,08 EUR. Zu dumm, gestern war er doch tatsächlich noch zwei Cent günstiger! Aber was soll’s, da ich ja morgen mit dem Smart wieder nach B. fahren muss, nützt auch kein Zögern …

Nach der kleinen Modenschau in den eigenen vier Wänden wird der gemütliche Teil des Tages eingeläutet. Schnell bequeme Sachen angezogen, Heizung an und mit einem Glas Wasser und der kuscheligen Wolldecke ab ins Wohnzimmer – da hat doch J. tatsächlich seine Lieblingskomödie auf DVD hervorgezaubert, welche wir uns unbedingt noch einmal ansehen müssen, um prompt noch ein paar neue Szenen zu entdecken, über die wir noch nicht gelacht haben …

Heute war doch ein guter Tag.