Geschlecht: weiblich
Geburtsjahr: ca. 1956
Familienstand: verheiratet
Wohnort: Hamm
Beruf: Pastorin und Personalfachkauffrau, pensioniert


Mein 18. November 2005

Der Wecker klingelt um 5:45 Uhr. Das sollte er eigentlich gar nicht. Vorgesehen hatte ich die Weckzeit 6:15 Uhr. Da war ich gestern Nacht wieder so müde, dass ich es nicht einmal geschafft habe, die richtige Weckzeit einzustellen. Das kommt davon, wenn man nachts bis in die frühen Morgenstunden Mails beantwortet. Dabei muss ich heute früh auf und gut drauf sein. Und das am Freitag, wo A. (mein Mann) nicht zur Schule muss. Er hat eine Teilstelle als Lehrer in einem Berufskolleg. Sonst heißt es für mich jeden Tag um 5:30 Uhr aufstehen, Kaffee kochen, A. wecken. Heute muss ich das nicht – und das führt prompt dazu, dass ich wieder einschlafe. Eigentlich wollte ich nur noch das Geistliche Wort um 5:55 Uhr in WDR 2 hören … ich höre die Welt erst wieder um 6:50 Uhr. Jetzt wird es etwas knapp. Denn um 10 vor 8h soll ich an der Overbergschule sein. Verteilen der „ABC-Tüten“ in einer 1. Klasse, ein Geschenk der Stadtbücherei an jeden Erstklässer in H., ermöglicht durch Sponsoren.

Ich finde die Idee supergut. Jedes Kind bekommt eine Tüte mit Informationen an die Eltern über Bücher und die Büchereien in H. Für die Kinder sind kleine Geschenke darin wie Lesezeichen, Türhänger „Nicht stören. Ich lese.“, eine Kleine Tüte Gummibärchen, ein kleines Schreibblöckchen mit dem Motiv „Der Rabe Socke“ darauf, einen Bogen bunter Klebebuchstaben, ein bunter Stundenplan – und natürlich ein Buch. Ein richtig schönes gebundenes Buch für das erste Lesealter. Ich wäre als Kind begeistert gewesen über solch ein schönes Buch. Ich war schon als Kind begeistert von Büchern. Dass auch andere Kinder diese Freude erleben können, darum unterstütze ich diese Aktion gerne durch meine ehrenamtliche Mitarbeit. Die Stadtbüchereileute kennen mich durch eine andere ehrenamtliche Tätigkeit, in der ich auch die Freude an Büchern weitergeben möchte: ich lese an bestimmten Terminen in einer der Bezirksbüchereien für Kinder vor. Seit Schuljahresbeginn verteile ich mit integrierter Vorlesestunde die „ABC-Tüten“ in Schulen. Es macht mir viel Spaß. Die Kinder sind immer mit Feuereifer dabei. Und es gibt tatsächlich Kinder, die haben nicht ein eigenes Buch. Jetzt haben sie eines. Ich hoffe, es ist der Beginn für mehr.

Nun aber raus aus dem Bett! Barfuss durch die Wohnung in die Küche, an der Iso-Kanne geschüttelt. Gut. Noch Kaffe von gestern `drin. Reicht mir. Da muss ich nicht noch neuen kochen. Müsli machen? Nein, das dauert zu lange mit Getreideflocken mischen, Nüsse hacken und Obst schneiden. Ich werde mir gleich nur eine Schnitte Vollkornbrot machen. Erst mal ins Bad. Blick in den Spiegel. Ich sehe verknittert aus. Ich will es irgendwie schaffen, in einer Stunde Fröhlichkeit und Zuversicht auszustrahlen. Kaltes Wasser hilft. Ich wasche mich sowieso immer mit kaltem Wasser. Das macht munter. Wozu warmes Wasser nutzen für eine solche kurze Angelegenheit wie Waschen? Das empfinde ich als Energieverschwendung. Zähneputzen mache ich erst nach dem Frühstück.

Was ziehe ich an? Schwarz steht mir gut, lässt mich frisch erscheinen, wirkt aber auf Kinder zu mächtig. Was Buntes? Flanellhemd? Ich will schon ordentlich aussehen. Die Kinder sollen merken, dass es etwas Offizielles, etwas Besonderes ist. Da kann ich nicht aussehen, als käme ich gerade aus dem Garten. Jeans, ja, aber nicht die Alltags-Jeans, sondern die gute. Ich wähle den grauen Baumwollpullover mit den interessanten Mustern. Das mögen Kinder, wie ich weiß und ich sehe in etwa immer so frisch aus wie in einem schwarzen Pullover. Schwarze (Baumwoll-)Socken, denn ich werde schwarze Schuhe anziehen. Socken nach der Farbe der Schuhe oder der Hose auswählen. Alles andere empfinde ich als proletig. Kette umtun? Beim Vorbeugen zu den Kindern stört sie. Andererseits lockert eine Silberkette einen möglichen dunklen Eindruck auf. Ich nehme die dreiteilige Kette. Die ist hell, leicht und lässt sich gut halten, wenn ich mich vorbeuge. Ohrclips? Muss nicht sein. Lass ich.

Nun aber in die offenen Birkenstockschuhe als Hausschuhe geschlüpft und frühstücken. Ich gieße mir den Kaffee von gestern in einen Becher namens Preußisches Töpfchen aus Bunzlauer Keramik. Die Becher sehen aus wie bauchige Tassen. Es passt eine Menge `rein. Und die bauchige Form fasst sich so wohnlich an. Ich bin froh, dass ich mich durchgerungen habe, im Sommer bei meinem Besuch in Berlin das Geld für 10 Becher auszugeben. Es ist eine Freude jeden Morgen. Eine Freude ist jetzt auch mein selbst gebackenes Vollwertbrot mit meiner selbst gemachten Marmelade. Ich wähle Apfel-Kürbis-Konfitüre, streiche sie direkt aufs Brot. Butter kann ich sowieso nicht essen. Ich bin gegen Milcheiweiß allergisch. Ein Blick auf die Uhr: 7:10 Uhr. 15 Minuten zum Frühstücken. Schrecklich. Ich liebe es, morgens in Ruhe meine Tageszeitung zu lesen. 1½ Stunden Vorlauf gebe ich mir sonst für einen angenehmen Morgen, bevor ich das Haus verlassen muss. Heute ist es nicht so angenehm. Ich stelle mir die Zeitschaltuhr auf 15 Minuten. Dann muss ich nicht weiter auf die Zeit achten.

Ich gehe über die Terrasse zum Briefkasten, um die Tageszeitung zu holen. Kalt heute! Ich gehe ein paar Schritte durch unseren Garten. Ich freue mich jeden Morgen wieder an unserem kleinen Haus mit dem großen Garten, den vielen Rosenstöcken – was haben die in diesem Jahr prächtig geblüht, und so lange –, den Obstbäumen – es war kein gutes Obstjahr: Kirschen und Pflaumen sind ganz ausgefallen, Äpfel und Birnen mager, Quitte allerdings war wie jedes Jahr üppig und die weißen Weintrauben sind auch reichlich und süß gediehen. Ich bleibe an dem Zäunchen zur Straße stehen, schaue über die Felder und Wiesen zu dem Bauernhof auf dem Hügel. Gestern waren die Pferde noch draußen. Lange in diesem Jahr. Doch jetzt dürfte es wirklich zu kalt geworden sein. Bei diesem Blick über Felder und Wiesen fühle ich mich jeden Morgen wie „Urlaub“. Es ist einfach schön hier. Und das im „Ruhrgebiet“. Mir wird kalt.

Ich setze mich an den Tisch in unserer Wohnküche. Den Becher mit dem inzwischen eher kühlen Kaffee und mein Brot neben mir. Ich könnte den Kaffee in der Mikrowelle warm machen. Ach was. Kalter Kaffee macht mir nichts. Ich breite die Zeitung vor mir aus. Jetzt bräuchte ich eine halbe Stunde Zeit, um in Ruhe zu lesen. Hab ich aber nicht. Aber durchblättern will ich. Nebenbei trinke ich meinen Kaffee und esse mein Brot.
Titelseite:
- großes Foto von Robert Hoyzer.
Der Junge muss geistig beschränkt sein, sich für die paar Kröten und einen Plasmafernseher sein Leben zu versauen. Nun muss er doch ins Gefängnis. Ich bin erstaunt. Gestern hörte im Radiokommentar auf WDR 5, dass die Staatsanwaltschaft nur eine Bewährungsstrafe auf zwei Jahre für Hoyzer gefordert hatte. Nun bekommt er zwei Jahre und fünf Monate ohne Bewährung. Der Junge wird es schwer haben im Gefängnis. Auch dort gibt es Fußball-Fans, die sich durch solche miesen Typen betrogen fühlen. Und ein echter Fan kennt bei Fußball keine Gnade.
- Wieder ein Kind ermordet. Der zweijährige Tim in Elmshorn.
Gestern kreiste über unseren Felder und das Wäldchen eine ganze Zeit ein Hubschrauber tief und langsam. Die haben was gesucht. Da denke ich gleich: Hoffentlich ist kein Kind vermisst.
- Talfahrt des Gastgewerbes hält an.
An uns können die auch nichts verdienen. Wir trinken unser Bier mit Freunden zu Hause. Wenn wir mal „Essen gehen“, dann in einen Schnellimbiss. Das ist aber sehr selten.
- Ulla Schmidt will Patienten von gesetzlichen und privaten Krankenkassen gleichstellen.
Was will sie denn: die Leistungen der Gesetzlichen hoch setzen oder die Leistungen der Privaten herab setzen? Ich zahle in meine Private KV mehr als ich in gleicher Position als Angestellte bezahlt hätte. Jetzt bin ich im Ruhestand und zahle immer noch vollen Satz. Ich kann mich nicht als Familienmitglied bei meinem Mann kostenfrei mitversichern lassen. Wir zahlen beide vollen Satz privat. Wir zahlen mehr als die gesetzlich Versicherten und die Ärzte verdienen an uns mehr. Wer mehr zahlt, sollte auch mehr bekommen. Dafür zahle ich ja. Auch die anderen Versicherten könnten im Prinzip eine priv. Zusatzversicherung abschließen. Auch Krankheitsbehandlung ist eine Leistung, die gekauft und bezahlt wird. Ich fahre einen Kleinwagen und keinen Maserati, obwohl ich das gerne tun würde. Doch den kann ich mir finanziell nicht leisten. Die Leistungen, die unser gesetzliches Krankenkassensystem allen zukommen lässt, sind mehr als in allen europäischen Ländern, die ich kenne, möglich sind. Für seine Gesundheit zu sorgen ist m. E. eine Gesamtlebenseinstellung. Für eine gesund erhaltende Lebensweise und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu sorgen, beginnt nicht bei der Art der Kranken-Versicherung, sondern im eigenen Kopf.
Die Zeitschaltuhr klingelt. Ich muss los. Ich lasse die Zeitung auf dem Tisch liegen. Wenn ich wiederkomme, will ich weiter lesen. Ich putze meine Zähne mit der elektrischen Zahnbürste. Danach schnell noch Melkfett-mit-Ringelblume-Salbe auf die Lippen. Die werden schon wieder ganz spröde durch das kalte Wetter. Auch die Hände sind schon wieder ganz rau. Kurz Handcreme drauf. Die zieht schnell ein. Hausschlüssel, Autoschlüssel, Portemonnaie mit allen Papieren in die Taschen der Jeans gesteckt. Ich schnappe mir meinen kleinen wetterfesten schwarzen Rucksack, in dem ich immer alles mittrage, was ich meine, so zu brauchen (Haarbüste, Kuli, kleiner Notizblock, Papiertaschentücher, Melkfett-mit-Ringelblume-Salbe, „Fishermans“, Feuerzeug, Taschenmesser „mit allem“), packe mein Vorlesebuch hinein „Der Vogel Butezbu sitzt unterm Dach – Siebzehn 15-Minuten-Geschichten“ von Enid Blyton. Jetzt die Straßenschuhe aus dem Schuhregal geholt, die Hausschuhe reingestellt. Die Sympatex-Jacke übergezogen.

7:32 Uhr. Ich gehe zur Garage und hole meinen Toyota Yaris raus. Ich muss erst mein Fahrrad aus der Garage holen, bevor ich mein Auto raussetzen kann. Die Garage ist zu schmal, als dass Auto und Fahrrad nebeneinander stehen könnten. Das Fahrrad steht als erstes zur Tür, weil ich meist mit dem Fahrrad fahre. Fahrrad raus, Auto raus, Fahrrad wieder rein, Garagentür zugeschlossen. Brrr, ist das kalt heute. So nasskalt.

Ich fahre durch unsere kleine Siedlung zur großen Verkehrsstrasse. 7:40 Uhr bin ich dort. Ich glaube, ganz H. samt Umgebung wälzt sich morgens um diese Zeit über diese Straße. Obwohl ich Rechtsabbieger bin, muss ich mutvoll in die nicht enden wollende Schlange von Autos einfach hineinfahren. Als Linksabbieger ist man um diese Zeit morgens an dieser Ecke verloren. Der Verkehr rollt ununterbrochen.

Ich habe mir auf dem Stadtplan angesehen, wo die Overbergschule liegt. Da ich mir Straßenkarten einprägen kann, brauche ich den Plan auf der Fahrt nicht mehr. Da sehe ich die Overbergstraße – und stehe vor dem Ende einer Einbahnstraße. Das war dem Plan nicht zu entnehmen. 7:48 Uhr. Ich sehe ganz viele kleine Schulkinder mit ihren Tornistern in der Straße. Da kann die Schule nicht weit sein. Ich parke mein Auto am Straßenrand. Das ist nicht so einfach in einem Wohngebiet. Überall sind Einfahrten, wo man nicht parken darf. Und dazwischen ist schon alles vollgeparkt. Doch wozu fahre ich einen wendigen Kleinwagen? Der hat einen phantastisch geringen Wendekreis und lässt sich mit einem Finger am Lenkrad dirigieren. Ich benutze natürlich trotzdem beide Hände am Lenkrad. Ich sehe sogar eine passende Lücke am Straßenrand und bin drin. Ich schließe meinen Wagen ab. Fernbedienung hat der nicht. Mit meinem Rucksack mache ich mich auf den Weg den Schulkindern hinterher.

Ich bin froh, dass ich nicht mehr zur Schule muss. Ich würde jetzt noch am liebsten mit einem Button rumlaufen, auf dem steht: Ich hasse die Schule. Ich habe immer gerne gelernt, lerne heute noch gerne. Die Freude am Wissenserwerb hat mich auch durchhalten lassen. Das System Schule empfand ich als mörderisch. Ich habe einige Klassenkameraden erlebt, die seelisch dahingemordet wurden, weil sie nicht ins System passten: nicht schnell genug, nicht aus der richtigen Familie, nicht ins System des Lehrers passend. Ich finde es sehr gut, dass unser Schulsystem heute so vielfältig ist. Da hat jeder, der kann und will, von den verschiedensten Schul- und Berufsabschlüssen aus noch die Möglichkeit sich weiterzubilden.

Auf dem Schulhof treffe ich drei Mitarbeiter der Stadtbücherei und zwei weitere Lesepaten. Ich erfahre, dass heute Zeitungs-Presse erwartet wird. Aha, da wollen alle mit aufs Bild. Gut. Dadurch entzerrt sich meine Arbeit. Ich brauche nur eine Klasse zu „belesen“. Bis 8.00 Uhr zum Stundenbeginn war der Pressefotograf allerdings noch nicht da. Wir können nicht warten. Wir müssen pünktlich anfangen. Denn extra für die ABC-Tüten-Verteilaktion werden Erst- und Zweitklässler für die erste Schulstunde getrennt. Denn die Overbergschule hat ein besonderes System für die ersten beiden Schuljahre. Diese werden zwei Jahre lang gemeinsam unterrichtet. Das soll langsameren Schülern helfen, sich über zwei Jahre auf das entsprechende Wissensniveau zu arbeiten. Ich frage mich: Werden dabei die guten Schüler auch entsprechend ihrer Lernmöglichkeiten gefördert?

Der Empfang durch die Lehrerinnen ist sehr freundlich. Als ich mit meiner Lese-Tütenkiste erscheine, wird mir gesagt, in welcher Klasse sich die Erstklässler versammeln. Mir fällt auf: Alles geht sehr geordnet zu. Erst verlassen die Zweitklässler den Raum, dann kommen die Erstklässler der Parallelklasse herein, setzen sich ordentlich hin. Alle sind gut gekleidet. Alle sehen deutsch aus.

Das habe ich in den anderen Schulen im sog. H.er Norden deutlich anders erlebt. Die Klassen waren multi-kulti gemischt: türkische, russische, polnische, bosnische, marokkanische und sonst wie dunkelhäutige Kinder – ach ja, und ein paar deutsche waren auch darunter. Einige Schüler kamen zu spät, d.h. wurden von einem Elternteil zu spät zur Schule gebracht, hatten z. T. nicht einmal Schulsachen dabei. Die Lehrerin fragte, ob sie für die Frühstückspause etwas zu essen mitgebracht hätten. Die Frühstückspause findet jeden Tag statt. Trotzdem hatten einige Schüler nichts zu essen dabei. Keine Unterstützung der Kinder durch ihre Eltern. Wie soll die Schule das überbrücken?

In dieser Klasse der Overbergschule nun sind alle Kinder sauber und ordentlich. Ich finde es schlimm, dass mir das auffällt, schlimm für die anderen Kinder, die in Verhältnissen leben, wo es ihren Eltern egal ist, wie die Kinder zustehen.

Ich erfahre, dass die Overbergschule einen katholischen Träger hat. Durch den sog. privaten Träger ist diese Grundschule nicht an die Wohnbezirkspflicht gebunden. Die Schule nimmt jeden Schüler ungeachtet seiner Konfession auf, allerdings ist die Teilnahme am christlichen Religionsunterricht (katholisch oder evangelisch) Pflicht. Das sagt mir genug: Muslime melden ihre Kinder nicht an dieser Schule an.

Der Pressefotograf ist doch gekommen. Er kommt mit dem Leiter der Stadtbücherei in „meine“ Klasse. Ich bitte die Kinder, von ihren Tischen aufzustehen und sich in ihre „Erzähl-Ecke“ zu setzen. Eine solche Ecke scheint es in jeder Klasse zu geben. Sie besteht je nach Größe des Klassenraums entweder aus im Karree gestellten Bänken ohne Lehne oder einfach einem kleinen freien Raumteil, wo die Kinder sich auf die Erde setzen. Die Kinder machen prima mit und ruck-zuck ist die Foto-Session fertig. Die Kinder freuen sich darauf, ihr Foto in der Zeitung zu sehen. Das sagt mir, dass die Familie eine Tageszeitung hält und Zeitung lesen zum normalen Geschehen gehört.

Wir bleiben in der „Erzähl-Ecke“ sitzen.
Im Gespräch mit den Kindern stellt sich heraus: alle besitzen eigene Bücher. Viele Kinder haben sogar schon einen Ausweis der Bezirksbücherei, wissen, wie das mit der Ausleihe geht und genau, was man dort ausleihen kann. Den Kindern wird zu Hause vorgelesen. Ich freue mich, nach meinen Erlebnissen in den anderen Schulen im H.er Norden auch so etwas zu erleben. Vorgelesen bekommen alle Kinder gern. So sind auch diese Kinder gespannt und gebannt bei der Geschichte vom Fuchs und den sechs Katzen, die ich mehr erzähle als vorlese. Beim Erzählen kann ich die Kinder ansehen und mit Gesten einbeziehen. Nachdem wir noch über die Geschichte gesprochen haben, bitte ich die Kinder, sich wieder an die Tische zu setzen. Das geht ohne Hauen, Schubsen und Tränen, wie ich es in den anderen Schulen erlebt habe.

Als ich die ABC-Tüten verteile, sagen viele Kinder „Danke“. Ich finde es traurig, dass mir das auffällt. Traurig deswegen, weil ich es in den anderen Schulen so gut wie nie erlebt habe, was heißt, dass diese Kinder die üblichen Höflichkeitsformen nicht kennen und ihnen damit der Weg zum gesellschaftlichen Umgang erschwert wird.

Ich sehe, dass hier viele Kinder kundig mit Büchern umgehen können. Sie schlagen sie auf, blättern und sehen sie durch, vergleichen mit ihren Nachbarn, die ein anderes Buch bekommen haben. Nach einer Schulstunde, 45 Minuten, verabschiede ich mich. Die Kinder winken und sagen von sich aus: „Danke für die Geschenke.“

Mein Eindruck, hier eine „deutsche“ Schule zu haben, wird von den anderen Lesepaten geteilt. Auch sie waren angenehm überrascht, dass hier alles „so ordentlich“ ist. Die Büchereimitarbeiter verabschieden sich. Sie haben noch eine Konferenz. Es ist immer noch bitterkalt. Nebel hängt in der Luft und die Feuchtigkeit durchdringt alles. Auch wir Lesepaten wollen nach Hause. Eine der Frauen ist zu Fuß gekommen. Ich nehme sie im Auto mit. Das ist doch kein Aufwand.

Während der Fahrt verabreden wir, ein kleines Weihnachtstreffen der Lesepaten unserer Bezirksbücherei zu organisieren. Nach dem letzten Lesenachmittag in der Bibliothek am 21. Dezember treffen wir uns – wir sind insgesamt 10 Leute – ebendort und gestalten einen weihnachtlichen Ausklang. Ich rufe die Leute an. Jeder soll etwas mit- und einbringen. Wer kann, kann. Diese geordneten Lesenachmittage mit geordneten Lesepatenteams (je zwei Leute) gibt es seit Anfang des Jahres. Da müssen sich erst Formen der Gemeinsamkeit einstellen.

9:10 Uhr bin ich wieder zu Hause angekommen. Ich fahre mein Auto wieder in die Garage und verschließe sie. A. ist aufgewacht, liegt noch im Bett, hört Radio: „Zeitzeichen“ auf WDR 5. Ich setze eine Kanne Kaffee auf mit der Kaffeemaschine. Einmal kalter Kaffee morgens reicht. Als der Kaffee durchgelaufen ist, bringe ich A. eine Tasse Kaffee mit Milch. Während er aufsteht, mache ich Frühstück. Für A. eine ordentliches Müsli, für mich noch einmal eine Vollkornschnitte, diesmal mit Ziegenfrischkäse. Dazu einen Apfel aus eigenem Garten. Ein Boskop.

A. bringt seinen Schreibtischstuhl mit in die Küche. Unter der Sitzfläche sind die Schraubenköpfe der hinteren Schrauben einfach abgebrochen, und das – wie wir nachrechneten - bereits nach 28 Jahren intensivstem Schreibtischstuhlgebrauch. Es ist ein ganz einfacher Schreibtischstuhl. Die Sitzposition, die man per großer Schraube eingestellt hat, bleibt starr. Nichts mit Gasdruckfeder oder wippender Lehne oder Armlehnen. Das wichtigste an diesem Morgen für A.: neue Schrauben für den Stuhlsitz. Denn sonst kann er nicht arbeiten. Und er hat den Schreibtisch voll mit Klausuren. Seine Ehre ist es, den Schülern die Klausuren mit schriftlichem persönlichem Kommentar zur nächsten Unterrichtsstunde zurückzugeben. Dann haben sie auch einen Lerneffekt davon.

9:30 Uhr. Wir frühstücken gemeinsam, lesen uns für uns interessante Teile aus den Zeitungsteilen vor, die jeder gerade liest. Daraus entspannen sich natürlich Gespräche und Diskussionen.

10:30 Uhr bricht A. auf zum Baumarkt, um Schrauben für den Schreibtischstuhl zu kaufen. Außerdem will er zu der Schreinerei, Spezialgebiet: Wintergartenbau, gehen, die unseren Wintergarten gebaut hat. Knapp zwei Jahre alt, gab es bei den letzen Regenfällen deutliche Wassereinfälle. Wir hatten den Chef der Firma schon einmal da und ihm die Schäden gezeigt. Doch es geschah nichts. Auch ein weiterer Anruf blieb ohne für uns sichtbare Reaktion.

Als A. gegangen ist, telefoniere ich mit U., einer Teilnehmerin aus dem D-2-Kurs (2. Stufe der Ausbildung zum Chorleiterassistenten). Gestern Abend erreichte mich die Nachricht, dass der Wochenendkurs für Samstag/Sonntag ausfällt, weil die Dozentin erkrankt ist. U. wusste es schon. Sie hatte diese Nachricht auf den Anrufbeantworter erhalten. Wir sprachen dann noch eine Reihe musikalischer Dinge durch. Eigentlich hätten wir nächsten Samstag Prüfung gehabt, so richtig mit Landesmusikdirektor Prof. S. Das geht nun nicht, weil uns noch ein Kursteil fehlt. Es wird schwierig, den Kursteil zeitlich neu unterzubringen. U. hat ihren Urlaub nach dem Prüfungstermin gelegt. Einige Teilnehmer sind in sozialen Berufen mit Wochenenddiensten. Die frei zu bekommen, erfordert meist längeren Vorlauf. Zwei TN sind im Handel tätig. Die stehen samstags bis 18:00 Uhr im Verkauf. Jetzt beginnen die Weihnachtsverkaufswochenenden. Da bekommt samstags keiner frei. Anfang nächsten Jahres sollte es mit dem D-3 weitergehen. Doch dazu brauchen wir erst die bestandene D-2-Prüfung. Mal sehen, welche Nachrichten uns von der Dozentin erreichen.

11:40 Uhr beende ich das Telefonat. A. ist inzwischen wieder da, hat seinen Stuhl repariert und sitzt am Schreibtisch. Um 14:00 Uhr werden Mitarbeiter der Schreinerei für unseren Wintergarten kommen.

In der „Waschküche“, dem kleinen Raum, in dem unsere Waschmaschine steht, sortiere ich die dunkle Wäsche aus dem 30°C-Wäschekorb. Zwei Jeans müssen gewaschen werden. Da kann alle dunkle Wäsche dazu. Ich fülle Feinwaschmittel in den Hauptwaschgang und Weichspüler in den Spülgang ein und wasche die Wäsche auf 40°C. Waschdauer 60 Minuten.

11:55 Uhr. Ich feuere den Holzofen in unserem Wohnzimmer (24 qm²) an. Das WZ bildet mit der Wohnküche (16 qm²) eine Raum-Einheit. Dazwischen haben wir die Wand bis auf einen statisch notwendigen Teil und den Kaminzug herausgenommen. Der Ofen wärmt beide Zimmer wunderbar. Den Ofen haben wir gleich mit Erwerb des Hauses vor 10 Jahren eingebaut. Die Heizung ist für die Schnellwärme an Morgen. Holz bekommen wir immer wieder irgendwo umsonst. Reste vom Baumfällen, Reste von Bauholz, Holz vom Recyclinghof, alte Bäume. Alles „sauberes“ Holz ohne chemische Anteile. Wir müssen es nur holen und ofenfertig machen. Das senkt die Heizkosten.

Kaum brennt das Feuer, schellt das Telefon. Die Kassiererin des Jazzchores, in dem ich singe und den Vorsitz mache, ruft an. Wir haben große Schwierigkeiten mit unserer Home-Page. Wir haben dem Administrator gekündigt. Er war unzuverlässig. Wir wollen auch den Provider wechseln. Doch auf unseren KK-Antrag erfolgte keine Reaktion. Jetzt ist unsere Home-Page „weg“, nicht mehr im Netz zu sehen. Die Domain besteht aber noch, denn sie ist auf meinen Namen eingetragen und gesichert. Nur, wir kommen nicht dran. Der bisherige Provider hat sie nicht frei geschaltet. Ich habe mich in mühsamer Nachtsitzung über Internet über den rechtlichen Rahmen solcher Verträge kundig gemacht. Wir haben einen Weg, unsere Domain und vielleicht auch noch unsere Home-Page-Darstellungen wiederzubekommen. Das alles erkläre ich ausführlichst in dem Telefonat. Ich selbst bin ja auch nur „PC-User“, habe mir alle Kenntnisse selbst angeeignet. Die Spanne zwischen denen, die etwas von der PC-Materie verstehen und denjenigen, die sich schon scheuen, so einen PC überhaupt anzumachen, wird immer größer. Es gelingt mir, ihr zu erklären, was abläuft und wo sie bei den Verträgen, die ich ihr ausgefüllt gebracht habe, als Kassiererin unterschreiben soll.

13:00 Uhr. Die Wäsche ist fertig. Ich hänge sie auf einen kleinen Wäscheständer in den Flur vor die Garderobe. Einen Keller oder einen Dachboden zum Trocknen haben wir nicht. Im Sommer können wir die Wäsche schön im Garten trocknen. Für den Winter haben wir einen Kondensat-Trockner. Was nicht in den Trockner kann, muss auf den Flur.

13:10 Uhr. Ich setze mich ins Wohnzimmer und lerne die Ableitungen der Dur-Tonleitern.

13:40 Uhr. Ich muss mit meinem Auto zum Reifenhändler fahren, denn um 14:00 Uhr habe ich dort einen Termin für die Reifenaufbewahrnummer 123 zum Aufstecken der Winterreifen. Bei dem Reifenhändler sind unsere jeweils nicht benötigten Sommer-/Winterreifen auf Stahl-Felgen unter unserer persönlichen Nummer gelagert. Ich bin pünktlich – wie immer, was der Reifenhändler auch freudig vermerkt. Das Umstecken dauert knapp eine halbe Stunde. Die Reifen werden nicht mit Luft, sondern mit einem Gas befüllt. Da kann keine „Luft“ mehr entweichen. Ein Plus an Komfort und Sicherheit.
Ich fahre mein Auto auf die Hebebühne. Den Autoschlüssel lasse ich stecken. Dann können sie mein Auto aus der Halle fahren, wenn sie fertig sind. Ich gehe derweil einkaufen.

Auf der Straße gegenüber ist ein großes Einkaufszentrum mit vielen verschiedenen Geschäften. Ein Schuhgeschäft bietet Markenschuhe für 50%. Ich fühle mich angesprochen und schaue nach wetterfesten schwarzen Schuhen. Meine „Allwetterschuhe“ sind acht Jahre alt. Trotzdem ich sie gut pflege, hatte ich den Eindruck, dass beim letzten Regenwetter irgendwo etwas Feuchtigkeit eingedrungen war. Ich brauche wohl bald Ersatz. Stiefel für den Winter habe ich auch nicht mehr. Letzten Winter „starben“ meine 16 Jahre alten Fell-Stiefel an Sohlenablösung. Schuhe über Schuhe in dem Geschäft. Welch ein riesiges Angebot. Ich schaue bei meiner Größe 39/40. Mir fällt auf, dass bis Gr. 42 hin die Auswahl bei Damenschuhe sehr gut ist. Da hat sich was getan auf dem Anbietermarkt. Sonst ging die große Auswahl nur bis Gr. 40/41. die Menschen werden ja auch immer größer und damit auch ihre Füße. Mit 1,80 m bin ich in meiner Generation als Frau groß. Heute gibt es viele junge Frauen, die ebenso groß und eben auch größer sind als ich. Trotz aller Auswahl ist für meinen Wunsch nichts dabei. Alles so Schicki-Micki-Schuhe. Ich suche etwas Festeres richtig zum laufen. Ich werde mal in den Werksverkauf zu „Ara“ nach L. fahren. Die Schuhe aus der Produktion passten mir bisher immer auf Anhieb.

Neben dem Schuhgeschäft ist eine sog. „1-Euro-Laden“. Davon gibt es in H. einige. Es sind Läden voller „Scheißchen“. Die Ansammlung solcher Läden in einer Stadt ist für mich auch ein Ausweis für eine Stadt mit finanziell ärmerer Bevölkerung. In Münster gibt es solche Läden nicht, jedenfalls nicht auffällig.

Im Discounter Lidl kaufe ich 1 Liter Milch, 1,5% Fett, 0,49 €. Das sind 98 Pfennige, fast 1 Mark. Ich rechne mir Kaufbeträge immer in DM um. Dann weiß ich, was ich tatsächlich ausgebe. Vor der Währungsumstellung in 2001 kostete diese Milch 78–85 Pfennige. Mit der Währungsumstellung sprang sie auf 0,55 €. Da kosteten 1,5%- und 3,5%-Milch gleich. Nach einiger Zeit ging die 1,5%ige jedoch auf 0,45 € zurück. Man kauft ja durchweg das Gleiche und die gleichen Mengen im Haushalt. Ich führe Haushaltsbuch für mich. Daher kann ich sehr wohl belegen, wie unsere Ausgaben gestiegen sind seit Einführung des Euro. Und das lag nicht nur an dem kalten Winter und dem daraus folgenden teuren Gemüse aus Südeuropa zu Beginn des Jahres 2001, wie die Zeitungen und selbst unsere Lokalpolitiker uns weiß machen wollten.

Ich hole mein Auto ab. 59,60 € für Umstecken, Gas einfüllen, Auswuchten, Sommerreifen einlagern. Ich will mit meiner EC-Karte bezahlen. Das Kartenlesegerät sagt nichts. Der Büromitarbeiter, der Mechaniker und ich schauen stumm und wartend auf das Gerät. Meine Karte wird noch ein paar Mal durchgezogen. Nichts. Damit sind die Möglichkeiten in diesem Büro erschöpft. Ich nehme eine handschriftlich zur Rechnung umfunktionierte Quittung der für mich erbrachten Leistungen mit und verspreche, umgehend zu überweisen. Da fällt mir ein, dass ich am nächsten Mittwoch mit dem Wagen meines Mannes zum Reifenumstecken da sein werde. Wir vereinbaren, dass ich dann alles gemeinsam bezahlen werde. Ich werde für den Notfall genügend Bargeld mitbringen.

15:15 Uhr. Ich bin wieder zu Hause angekommen, kann aber nicht in die Garage fahren, denn in der Einfahrt steht der Kastenwagen der Schreinerei. Zwei Mann turnen auf dem Dach des Wintergartens umher. Einer steht unten und ist wohl der Meister. A. steht daneben und stellt mich den Handwerkern vor. Freundliches Händeschütteln mit dem Meister. Freundliche Grußhand zu den Männern auf dem Dach. Der Meister erklärt mir, was alles gemacht wurde. Man hoffe, die Einsickerstellen des Wassers gefunden und mit Spezialsilikon abgedichtet zu haben. Der Mann scheint mir kein Schwätzer, sondern ein ehrlicher Handwerker zu sein. Inzwischen sind die Männer auf dem Dach fertig und kommen runter. A. bietet ihnen Kaffee an und lädt sie ein, in unsere Küche zu kommen. Da sei es doch wärmer. Den Kaffee nehmen die Handwerker gerne, doch sie bleiben auf der Terrasse stehen, wärmen ihre Hände an den Kaffeebechern. Dann verabschieden sie sich mit dem Hinweis, dass sie sofort wiederkommen werden, falls noch einmal etwas auftritt am Wintergarten. Als die Handwerker abgefahren sind, erzählt A. mir, dass der Meister sich wirklich sehr bemüht hat. Bei der Begrüßung hatte sich herausgestellt, dass A. ein Lehrer seiner Tochter ist. Die Tochter erzähle zu Hause immer ganz begeistert von dem Unterricht bei A. Da wird der Vater bei uns wohl besonders Ehre einlegen wollen und unseren Wintergarten „heilen“.

Inzwischen ist es 15:50 Uhr. Ich frage A., ob ich jetzt etwas kochen soll. Es ist alles da. Er möchte aber lieber an den Schreibtisch und noch arbeiten. Durch die Handwerker ist doch einige Zeit verloren gegangen. Und um 17:00 Uhr ist A. eingeladen zur diesjährigen Ehrung der Jubiläums-Blutspender beim Roten Kreuz. A. wird für 50mal unentgeltliches Blutspenden geehrt. Bei dieser Ehrung wird es etwas zu essen geben. Wir gehen beide regelmäßig zum Blutspenden beim Roten Kreuz, wenn wir nicht durch Erkrankung oder Abwesenheit verhindert sind.

Ich mache mir eine Schnitte Brot mit Ziegenfrischkäse, setze mich an den Küchentisch und lese den Kulturteil der „Zeit“. Um 16:40 Uhr verabschiedet sich A. zu seiner Rot-Kreuz-Veranstaltung. Ich stelle mein Geschirr in die Spülmaschine. Sie ist voll. Auch bei meinen Packkünsten geht nichts mehr hinein. Ich lege einen Reigungs-Tab ein und lasse ich sie laufen.

Ich will einer Freundin in B. noch ein „Aufmunterungspäckchen“ schicken. Sie hat eine beruflich schwere Woche vor sich: Auditverfahren in ihrem Betrieb in Hannover. Sie ist Qualitätsmanagerin und dafür verantwortlich, dass der Betrieb sein Qualitäts-Zertifikat bekommt. Ich habe diese Aufgabe sechs Jahre lang in einem Evangelischen Krankenhaus inne gehabt. Sechs Jahre war in dem Job schon eine lange Zeit. Darin kann man nur kaputtgehen, zerrieben zwischen allen Fronten. So packe ich ein Päckchen mit Mutmachern für jeden der vier Tage des Audits. Eine schöne Karte, auf die ich ermutigende Worte schreibe und ein kleines Präsent für jeden Tag, das dazu passt. Einzeln eingepackt in schönes Papier und mit dem Datum des jeweiligen Tags versehen, für den es gelten soll. 17:40 Uhr fahre ich mit dem Auto zur Post. Das wäre eigentlich eine Entfernung fürs Fahrrad. Doch die Post schließt um 18:00 Uhr. Und das Päckchen soll doch heute noch weg. 17.50 Uhr gebe ich das Päckchen bei der Post auf. Es kostet 4,30 €.

Kurz nach 18:00 Uhr bin ich wieder zu Hause, fahre den Wagen in die Garage, schließe ab. Ich entfache das Feuer im Ofen aufs Neue, setze mich auf die Couch im Wohnzimmer mit dem schönen Feuer vor Augen und lerne weiter für den D-2-Kurs.

18:30 Uhr ruft eine Frau aus der Theatergruppe an. Sie kann am Sonntag nicht zur Probe kommen. Es ist eine private Theatergruppe, 25 Leute, die sich alle 14 Tage sonntagnachmittags trifft. Dann können auch die Kinder dabei sein. In der Gruppe haben sich für mich interessante Menschen zusammengefunden. Wir bereiten Shakespeares „Sommernachtstraum“ vor mit eigenen Kostümen, eigenem Bühnenbild. Aufführungsort im nächsten Sommer: die große Deele eines alten Bauernhauses. Ich mache den „Großorganisator“ für das Projekt. Es ist ein kurzes Telefonat. Ich lerne weiter.

18:50 Uhr ruft ein Freund aus Norddeutschland an. Frisch geschieden. Das älteste Kind schon außer Haus im Studium. Das jüngste Kind geht noch zur Schule und lebt jetzt bei der Mutter. Er hat das gemeinsame Haus aufgegeben und will mit dem mittleren Sohn, der gerade sein Studium aufgenommen hat, gemeinsam in eine neue Wohnung ziehen. Er möchte Beratung zu Bodenbelägen, Möbelstoffen und was man bei der Einrichtung einer Küche bedenken sollte. Ich gebe ihm umfassende Auskunft zu Teppichboden, Laminat, Parkett, zu Robustheit, Empfindlichkeit und Reinigungsmöglichkeiten verschiedener gängiger Möbelstoffe. Ausführlich sprechen wir die Einrichtung der Küche durch. Er schreibt mit. Während unseres Gesprächs kommt A. nach Hause. Es ist 19:30 Uhr. Wir beenden unser Telefonat.

A. erzählt von der Veranstaltung: dem Vortrag, den Leuten, dem Essen. Er hat eine Urkunde mitgebracht, eine Anstecknadel, einen geschmackvolles Blumenarrangement und ein Badetuch mit eingesticktem Namen, das schön in Geschenkpapier eingepackt war. Die ehrenamtlichen Helfer vom Roten Kreuz geben sich immer viel Mühe mit den Blutspendern. A. fand es eine interessante Veranstaltung.

Ab 20:15 Uhr kommen zwei Krimis im Fernsehen, die wir beide gerne sehen: „Ein Fall für zwei“ und danach „Soko Leipzig“ im ZDF. Wir setzen uns vor unseren „Winterfernseher“, d.h. unserer Fernseher steht im Winter im Wohnzimmer, dem Zimmer mit dem Ofen. Wir gucken nur selten und sehr ausgewählt Fernsehen. Wir haben genug andere Interessen. Da möchten wir nicht, dass ein Fernsehgerät in unseren gemütlichen Wohnräumen steht. Im Sommer steht der Apparat im Gästezimmer. Das reicht. Wenn aber im Winter das Gästezimmer nicht durch Gäste belegt ist, dann ist es dort kalt. Für ab und zu einmal Fernsehen gucken lohnt es nicht zu heizen. So haben wir uns zu einem “Winterfernsehen“ im Wohnzimmer entschlossen, wo schön geheizt ist. Die Verbindung zu Receiver und Satellitenschüssel läuft über Funkübertragung. Es funktioniert wunderbar.

Ich hole zwei 0,5-l-Flaschen Bier, ein alkoholfreies für mich und eines mit Alkohol für A. Wir setzen uns auf die Couch, legen die Beine hoch auf einen Sitzhocker und genießen den ersten Film, geben dabei unsere Kommentare ab über Geschehen und Schauspieler. Nach Ende des Films bei den Vorschauen auf was immer noch heute oder die Woche über an Filmen kommen wird – es interessiert uns nicht, wir können die Fernsehzeitung selber lesen –, schalten wir den Ton weg und unterhalten uns über den gesehenen Film. Diesmal beginnt der nächste Film sehr rasch. Ich hole zwei weitere Flaschen Bier wie gehabt. Wir schauen den Film an, kommentieren, was wir an Veränderungen in der Serie wahrnehmen. Um 21:45 Uhr ist auch dieser zweite Film zu Ende.

Mir reicht es mit Fernsehen gucken. Ich will noch nicht einmal mehr die Nachrichten sehen, die im ZDF gleich anschließend kommen. Ich räume die Geschirrspülmaschine aus und Geschirr, Gläser, Besteck in die Schränke.

22:00 Uhr. Ich gehe noch einmal an meinen PC, rufe die Mails des Tages ab. Vier Nachrichten aus dem Jazz-Chor zu Programmablauf Konzertauftritt, Homepageärger, Choreographie, Liedauswahl zum Konzert. Ich beantworte sie kurz. Eine Mail meines privaten English Circle. Ich werde um Korrektur eines Textes gebeten. Dazu brauche ich Zeit. Das mache ich morgen. Zwei Mails sind Einladungen zum Geburtstag. Ich mache mir Vermerke, um es morgen mit A. zu besprechen. Zwei Mails, geschrieben wie Briefe, von Freunden, die weit weg wohnen. Ich freue mich. Ein schöner Tagesabschluss.

Kontakte über E-Mail schätze ich sehr. Sie sind eine praktische Möglichkeit der Informationsverbreitung für meine ehrenamtlichen Organisationstätigkeiten. Ich muss nicht hinter Leuten hertelefonieren oder –zig Anrufbeantworter besprechen. Ich schreibe eine Mail zu einer Zeit, die für mich günstig ist und der andere liest sie zu der Zeit, die ihm günstig ist.

E-Mails sind für mich eine günstige, schnelle und unkomplizierte Art, mit unseren Freunden und Verwandten in Kontakt zu sein, die nicht am Ort und z. T. im Ausland leben. Ich muss nicht auf irgendwelche Zeiten (Arbeitszeiten, Zeitverschiebungen) achten. Ich kann in Ruhe meine Mails lesen, wenn ich Zeit habe und kann schreiben, wann ich es möchte. Der Empfänger kann ebenso dann lesen und antworten, wenn er die Muße dazu hat.

23:00 Uhr. Ich putze mir die Zähne und gehe zu Bett. Mir ist kühl im Bett. Ein Blick auf das Thermometer sagt mir, warum. 14,5°C im Schlafzimmer. Ich sollte `mal die leichte Sommerdecke gegen eine wärmere Bettdecke tauschen. Da wird mir aber schon etwas wärmer und ich schlafe ein.

Das war mein 18. November 2005.