Name: Arnold B., Landwirt, geb. 1901, gest. 1987
Wohnort: Möhnesee-Körbecke
Datum der Niederschrift: 31. Dezember 1970
Berichtsort: Möhnesee-Körbecke, Kreis Soest
betrifft die Zeit von 1910 bis 1950
Hat jeder Wochentag seine eigene Fülle und Art von Arbeit und Sorge, so ist der Samstag außer des allgemeinen Arbeitsumfanges mit der besonderen Einstellung und Vorsorge zum Sonntag belastet. Doch ist dieses Mehr keine bedrückende, sondern eine gemütserhebende Forderung und in seinem ganzen Ablauf ein Zuschnitt auf den folgenden Tag. Gehoben und noch mehr angefacht wurde diese Gemütsbewegung durch das halbstündige Glockengeläut von 13.30 bis 13 Uhr. Aufräumen im Garten, im Haus und im Hof, Reinigen der Wege und der Wohnung, Vorsorge für das Sonntagsessen mit dem Einholen von Gemüse, Kartoffeln, Obst und Fleisch, das Bereitlegen der Kleidung und der Wäsche, das Putzen der Sonntagsschuhe und dann die persönliche große Wochenwäsche am Abend. Weil Badewannen noch nicht, oder doch nur vereinzelt, vorhanden waren, mußten die Kinder in kleinen Zinkwannen gewaschen werden, wenn sie nicht in einem emmalierten Waschnapf gestellt und so gewaschen wurden. Die Erwachsenen nahmen die Waschküche dazu in Anspruch, während die Vieh- und Pferdebetreuer am Wasserstein im Pferde- und Kuhstall sich gründlich des Wochenschmutzes entledigten. Das Wasser entsprang nicht einer Wasserleitung, sie waren damals fast unbekannt, sondern mußte entweder mittelst einer Pumpe von Hand oder aus dem Ziehbrunnen des Hofes oder gar einer gemeinschaftlichen Brunneneinrichtung mit Winde geholt werden. Reichlich stand es dennoch zur Verfügung, während bei der früheren Sparsamkeit mit Seife haushälterisch umgegangen wurde. Kernseife in rechteckiger Form als übliches Gebrauchsstück, die Riechseife, wenn besondere Anlässe zum Duften erwünscht schienen. Für die Männer kam die Rasur hinzu, die in der Regel damals nur einmal in der Woche und meistens am Samstagabend oder am Sonntagmorgen getätigt wurde.
Nach den nun notwendigen Haus- und Stallarbeiten begann der Sonntag mit dem gemeinsamen Kaffeetrinken in der üblichen Aufmachung des Alltags. Zur Abwechslung, jedoch nicht regelmäßig, gab es mal Brötchen, Einback, geröstete Kaffeebrötchen und auch Stuten ohne Aufstrich. Der Kaffee bestand aus gebrannten Zichorien oder Roggen. Bohnenkaffee wurde bei Krankheit für Mensch und Vieh gebraucht, für den sonntäglichen Gebrauch bedurfte es reiflicher Überlegung und Zustimmung. Der Sonntag selbst war hier bei uns im katholischen Raum ein Tag der Ruhe, der Besinnung und der Familie. Alle Arbeiten, welche über die Notwendigkeit der Vieh- und Hausversorgung hinausgingen, fielen in den Begriff der Sonntagsentheilung und seitens der Kirche als eine Übertretung des Sonntagsgebotes. Die Autorität der Kirche und ihrer Amtsträger war groß genug, als daß man hier entgegen gehalten hätte. Alle Gläubigen, ohne Ausnahme, besuchten wenigstens eine Messe, zum größten Teil auch noch die Andacht, während Tiefgläubige außerhalb der Gottesdienste die Kirche aufsuchten, um den Kreuzweg oder den Rosenkranz in besonderen Anliegen zu beten. Zu Hause und während der Mahlzeiten besprach man sich über die Predigt und auch über den Prediger. Wie über das verkündete Gotteswort von der Kanzel geurteilt wurde, besagt der Ausdruck eines Hörers, der nach dem Inhalt befragt, antwortete, daß das Wort „Amen“ das Beste an ihr gewesen sei. Wahrscheinlich war die Predigt zu lange. Als Schulkinder saßen oder standen wir während der Predigt mit dem Gesicht zur Kanzel (vom Altare abgewandt) und konnten den Kirchenbesuchern ins Gesicht sehen. Da nickte der eine und auch der andere mit dem Kopf und ruckte ihn dann wieder hoch, dann fielen die Augenlider herunter. Eine Folge anstrengender Wochenarbeit oder auch Ton und Ausdruck und zu wenig Spannung oder Inhalt im Gotteswort, für uns Kinder oft nicht zu verheimelndes Lächeln auslösend.
Zum Mittagessen gab es in der Regel eine Suppe mit Reis; Kartoffeln geschält und gekocht mit Gemüse, Kompott oder Sauerkohl, dazu Fleisch aus der eigenen Schlachtung. Zugekauft wurde zu hohen Kirchen- oder Familienfesten, wenn Besuch erwartet und etwas mehr geboten werden sollte. Während der Schlachtezeit im Winter kam am Sonntag nach jeder Hausschlachtung ein Schweinebraten auf den Tisch. Ansonsten gab es Pökelfleisch, das waren in Salz gelegte Rippen oder Rückenknochen und Bauchfleisch, welches zuvor in Wasser gelegt und entsalzen, in der Suppe gekocht ward. Dieses Fleisch mundet kalt ebenso gut zum Abendbrot. Um Allerheiligen reicherte Schaf- oder Hammelfleisch das Tischgericht an. Es entstammte der Eigenschafhaltung. (Nebenbei vermerkt sei, daß das Lappenfleisch vom Schwein oder Schaf in kleine Stücke zerschnitten, mit Kartoffeln und getrockneten Apfelschnitzeln und Gewürz gekocht, ein begehrtes Essen der Alltage war.) Nicht immer, aber öfter rundete der Stärkepudding mit Himbeersaft die Mahlzeit ab (auch mit Griesmehl).
Der Nachmittagskaffee entsprach in seinem Kern dem des Morgens. Platenkuchen mit Zucker und auch Sträußel bestreut, oder mit Kompott und Pflaumen oder Zwetschen belegt, erhoben diese Mahlzeit aus dem Alltagsrahmen. Da ist der Waffel- oder Eiserkuchen nicht zu vergessen, der besonders mundete, wenn in die vielen Löcher mit Erlaubnis etwas Zucker eingestreut werden durfte. Torten und Böden kamen nach 1925, wenn auch selten und nach Jahren zunehmend auf den Tisch, soweit Frauen oder Töchter sie herzurichten erlernt hatten. In diesen Jahren kam der Genuß des Bohnenkaffees mehr zur Geltung und galt als das vornehmere Getränk, besonders bei festlicheren kirchlichen und familiären Anlässen.
Warmes Abendessen gleich dem des Mittags oder kalte Küche beendeten die Sonntagsmahlzeiten. Die kalte Küche bestand aus Brot und Butter mit Schinken und Wurst und Käse eigener Herstellung. Als Getränk liebte man den Saft aus der Himbeere, der Walderdbeere; alkoholische Getränke wie Bier und Cognak waren wenig in der Übung.
So bescheiden und einfach [wie mit] Essen und Trinken hielt man es in diesem Zeitraume auch mit der Kleidung. Trachtenkleidung gab es bei uns nicht. Sonntags- und Werktagsschuhe nannten Schulkinder und Erwachsene ihr eigen. Erstere aus besserem Leder, oft mit Verzierung und Schnürzwirn gegenüber den Schnürriemen der Alltagsschuhe, blank geputzt und gebürstet, zierten den Träger. Strümpfe mit feinerem selbstgesponnenem Garn aus eigener Schafhaltung dienten der Fuß- und unteren Beinbekleidung. Schulpflichtige Jungen trugen Hosen bis oder etwas unter das Knie, einen Rock mit offenem Rockkragen, in dem das Vorhemd mit dem Kragen und dem Schlips (Krawatte) eingelegt waren. Zeitweise trug man dazu einen Hut, in der Regel zur Erstkommunion, Mäntel in diesem Alter gab es für Jungen und Jünglinge selten. Jünglinge und Männer in langen Hosen, offenen Rockkragen mit Vorhemd, Kragen und Schlips und Manschetten. Hut und Mantel oder Überzieher gehörten fast immer dazu. Zusätzlich sei vermerkt, daß Oberhemden früher kaum zu Lande getragen wurden. Das leinenangefertigte Hemd ohne aufgenähten Kragen mit nur einem schmalen Börtchen, am Sonntag waschrein angezogen, hielt bis zum Wochenende durch. Deshalb war ein Vorhemd für die Befestigung und das Aussehen mit dem Kragen nötig. Ebenso die Manschette als Einzelstück, welche über die Hand in den Rockärmel geschoben wurde.
Mädchen und Frauen waren in Schuhen und der Unterbeinbekleidung gleich den oben erwähnten. Rock und Bluse, bei den jüngeren ohne Hut, bei den älteren Mantel und Hut. Im Winter kam der Pelz, die Muffe und die Handschuhe hinzu, wenn auch nicht als Regel, sondern nach der Zahlungsfähigkeit und auch der Einbildungskraft.
Änderungen in der Aufmachung waren in und nach den beiden Weltkriegen hier und da festzustellen, bedingt durch den Mangel an Stoff oder auch an Geld. Der Neureichtum der Schieber- und Schwarzgeschäfte führte in der Aufmachung und dem Auftritt zu übertriebenen und auf- und ausfallenden Moden.
Das Groß der gesamten Bekleidung erstellten die Handwerker und -innen am eigenen Orte in eigener Werkstatt oder im Hause der Auftraggeber. Geschickte Hände verstanden sich sogar auf die Schneiderei von Hosen, Röcken und Blusen und Kleidern, ohne eine Lehre durchgemacht zu haben. Die Haarfrisuren bei Damen und Herrn änderten sich kaum. Ersatz und Zusatz entbehrten der Notwendigkeit. Eitelkeit und Stolz galt dem natürlichen Wuchs und seiner Pflege ohne zusätzliches Make-up, Schminke, Puder und dem Vielerlei heutiger Kultur.
Die Zwischenzeiten der Gottesdienste verbrachten die Familien unter sich in Unterhaltung, einem Nipperchen oder dem Schreiben von Karten oder Briefen an Verwandte und Bekannte, dem Lesen von Geschichte und Romanen der Kirchenbücherei.
Der Sonntagsnachmittag galt dem Besuch der Verwandten in und außerhalb des Ortes, einem Gang zum Friedhof oder dem Spaziergang in Feld und Wald. Die jungen Leute hatten ihre bestimmten Treffpunkte, von denen aus sie gemeinsam ausgingen. Da wurden die Neuigkeiten der Woche besprochen, über neue Erkenntnisse sich unterhalten, über anbahnende Verhältnisse Mitteilung gemacht. Da erstreckte sich der Gesprächsstoff über Nutzen und Schaden, Vor- und Nachteile im Berufsleben, über Militär, Krieg und Frieden und auch über Politik und Partei, Kirche und Schule. Der Gesprächsstoff und die Meinungsverschiedenheiten verlangten soviel Aufmerksamkeit, daß die Flora der Natur nicht mal abzulenken vermochte. Sex und Porno kannte man in jener Zeit noch nicht, wenn auch Jungen sich über die Mädchen interessierten, auch in umgekehrter Weise. Der nahegelegene Wald als Endziel des Spazierganges bot auf den Baumstumpfen eine Sitzgelegenheit für eine kurze Rast. Der Zeit und dem Wachstum entsprechend steckten die Jungen das Schlüsselblümchen oder das Maiglöckchen in das Rockknopfloch oder schnitzten eine Haselstockrute zum Mitnehmen.
Die Mädchen pflückten Blumensträuße für die Vase auf den Haustisch. Später reizte die Erd-, Him-, oder Brombeere zum Waldgang und Pflücken und Essen ein. Der Nachauseweg ließ Volks- und Wanderlieder ertönen, die nun mit zu diesen sonntäglichen Spaziergängen gehörten und Ausdruck jugendlichen Frohsinnes mit der Liebe alten Brauchtumes vernehmen ließen.
Wo Pferde und Kutschwagen standen, gab es eine Ausfahrt in die weitere Umgebung mit der ganzen Familie. Dazu war am Samstag der Wagen gewaschen und das Kutschgeschirr auf Hochglanz gebracht. Mitgenommene Butterbrote und ein wohlschmeckendes Getränk in irgendeiner Gaststätte besorgt, standen im guten Gedenken ob solcher Abwechslung. Den Abend verbrachte der größte Teil innerhalb der Familien mit, oder bei Verwandten und Bekannten.
Die Männer machten einen Abstecher zum Dorfgasthaus in angeregter Unterhaltung und auch dem Kartenspiel. Mädchen und Frauen konnte man in keinem Gasthaus antreffen. Weil es eine Ungewohnheit gewesen wäre, würde Ruf und Ehre sehr darunter gelitten haben.
Die Jüngeren nutzten die Sonntagsabende besonders vor den Festen dazu, das Tanzen zu erlernen. Die saubere Tenne mit festgestampftem Lehmboden, mit Mund- oder Ziehharmonika und in Ermangelung dessen gar das Blasen auf einem Kamm, besorgten den Takt zu den zu erlernenden Tänzen.
Der von 1910 bis 1950 abgelaufene Zeitabschnitt in seiner Angeglichenheit, trotz der beiden Weltkriege und seiner Folgen, hat vielleicht gerade durch letztere mehr Besinnung, Enthaltsamkeit und Gottgläubigkeit walten lassen, gegenüber der Zeit vorher.
Über die nachfolgende Zeit soll nun berichtet werden.
Wie feiert man den Sonntag heute
Der Fortschritt der Technik mit einer Reform auf so vielen Gebieten hat im gesamten menschlichem Dasein, Denken und Handeln eine Änderung vollzogen. Sie zeigt ihre Auswirkungen in dem Vergehen und Entstehen von Berufen und Existenzen, Erkenntnissen und Meinungen, in einer grenzenlosen Hektik und Besserwisserei und Überheblichkeit des Gewesenen. So hat auch der Sonntag in seinem Wesen und seiner Gestaltung große Änderungen erfahren, die geboren sind aus der Technik, dem Wohlstande und einer im Zuge befindlichen Reform, insbesondere der katholischen Kirche, die mit klaren Weisungen und abschließendem Endeffekt auf sich warten läßt und damit den Streitgesprächen zwischen Hirten und Herde ihren Lauf läßt und zu Eigenhandlungen und Auslegungen Gelegenheit, Zeit und Raum gibt.
Der Sonntag alter Prägung aus Religiosität und Gläubigkeit im erhabensten Sinn er- und verlebt, mindert sich immer mehr dieser Sinnlichkeit und wächst zu jenem Erlebnistag an, den die Woche durch den Beruf nicht zu bieten vermag.
Der Samstag hat seine Fülle von Arbeit gleich früher und zusätzlich, die für den Sonntag. Die Technik hat es nur leichter gemacht, weil statt der früheren Handarbeit andere Einrichtungen die Arbeit erleichtern und beschleunigen. Nehmen wir die vollelektrische Waschmaschine, die Trockenschleuder, die Bügeleinrichtung, die Wasserleitung und das Bad, die Kühltruhen und die Gefriertruhen, den Staubsauger, den elektrischen Bohnerbesen. Was vor 20 und vierzig Jahren undenkbar schien, ist Alltäglichkeit geworden. Die Verdienstmöglichkeiten hierzulande sind in einen guten Geldzufluß angelaufen, der hinwiederum zum Dienste des Daseins angewandt wird. Kräfte und Zeit werden freier, so daß alles Trachten danach strebt, mit dieser Freiheit Abwechslung und Wohlgefallen zu finden. Auf der Suche danach ist nun der Sonntag ein geeigneter Tag. Zum größten Teil nehmen fast alle an einem Gottesdienst teil. Eine schon nicht mehr geringe Zahl junger Leute besuchen stattdessen das Dorfwirtshaus und entfernen sich damit zunehmend christlicher und auch sittlicher Auffassung. Für sie ist das Trinken und Genießen der Sonntagsbegriff.
Die Mahlzeiten an den Sonntagen sind zahlenmäßig die gleichen geblieben. In Menge und Güte und dem Vielerlei unterscheiden sie sich erheblich gegenüber denen von früher.
Morgens und überhaupt am Sonntag Bohnenkaffee mit Gebäck aus der Konditorei und auch Kuchen eigener Herstellung, mit Brot, Käse, Butter und Wurst, teils aus dem Laden gekauft.
Zum Mittag Suppe mit Einlagen, Fleisch mancherlei Art, Kotelett, Filet, Beesteaks, gemischte Salate und Gemüse, als Nachspeise Pudding mit Sahne, Eis und auch Südfrüchte, wunsch- und wahlgemäß, soweit das Geld reicht oder auch der Kredit gewährt wird.
Zum Nachmittagskaffee fehlen Torte und belegte Böden nicht. Amerikaner und Berliner sind schon mehr hinten an gesetzt, wenn in vielen Haushaltungen sie auch selbst erstellt werden. Des Abends ist die kalte Küche fast ausnahmslos üblich mit Brot, Butter, Wurst, Schinken, Eier, Käse, Tomaten und auch Kartoffelsalat mit Bratwürstchen, je nachdem die Hausfrau oder die Tochter für eine Abwechslung sich sorgt.
Daß alle angeführten Kuchen und Speisen bei den Mahlzeiten nicht alle auf einmal auf den Tisch kommen, braucht wohl nicht betont zu werden. Lediglich soll dargetan werden, wie die Änderungen und die Ansprüche sich gegenüber einer früheren Zeit gewandelt haben. Für manchen Kirchenbesucher ist der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes ungewollt zu einer Schau geworden. Auffallende Moden ziehen die Aufmerksamkeit mehr an als das Gotteswort und das Gebet. Wenn schon Kinder bereits mit Kleid, Mäntelchen, Schal und Mütze das Licht der Welt erblicken, so nimmt dieser Aufwand mit jedem Lebensalter zu. Bei Unbekannten ist es oft unmöglich, zwischen Männlein und Weiblein zu unterscheiden. Hosenanzüge, Pullover, Mäntel, Stiefel und Schuhe, Haarschnitt, Haarwuchs, Frisuren mit Haarteilen und Perücken bei beiden Geschlechtern im Wechsel mit Minni, Middi und Maxi gehören zu der Aufmachung bis in das entlegenste Dorf. Von oben Ohne bis zu unten Nichts ist eine Sichtbarkeit bis in die Kirche hinein. Darob gibt es weder rote Köpfe noch Schamgefühl.
In dem Familienleben am Sonntag ist eine große Wende eingetreten. Die vielen Kraftwagen entführen die Familienglieder aus ihrem Zusammenhalt und ihrer Verbundenheit. Zeitvertreib irgend wo in der Nähe und auch Weite mit Erlebnissen, die das Elternhaus nicht zu bieten vermag, ist das Ziel. Diesem Ziel unterstellen sich sowohl die Eltern als auch die Kinder. Abgespannt und ermattet kommt man spät am Abend zurück. Dadurch kommt das gemeinsame Gespräch am Tisch und in der Familienrunde kaum noch zustande, besonders dann nicht, wenn dann das Fernsehen zu Hause auch noch den Vorrang genießt.
Die Freunde am Örtlichen und Heimatlichen ist im Schwinden begriffen. Die Verbundenheit mit der Natur verliert sich von Jahr zu Jahr immer mehr. Spaziergänge werden immer seltener, weil teils Menschen darin eine Minderwertigkeit abzuleiten glauben und das Auto nebenher zum Angeben herausstellen. Feld und Wald sind Sonn- und Feiertags ohne Besucher. Die Sinnlichkeit für das Edle und Schöne wird ausgehöhlt durch das Anwachsen für das Materielle und das Triebleben und die Genußsucht. Leider wird heute dazu viel zu viel in Wort, Schrift und Buch und Bild geboten.
Der Sonntag als Tag der Ruhe, der Besinnung und der Familie verliert in seinem Kern. In neuer und moderner Aufmachung wandelt er sich zur Unruhe, einer übermäßigen nervlichen Beanspruchung mit einer starken Abgespanntheit statt Aufgeladenheit für den neuen Wochenbeginn.