„Die meisten größeren Bauern hatten ein Fäßchen Schnaps im Keller“

Rudolf D., Arbeiter, geb. 1902, gest. 1982
Wohnort: Tecklenburg-Leeden
Datum der Niederschrift: 3. November 1968
Berichtsort: Tecklenburg-Leeden, Kreis Steinfurt
betrifft die Zeit von 1900 bis 1914

Im Bauernhaus weckte der Bauer die Knechte und die Bauernfrau die Mägde persönlich. Im Sommer wurde um 5.30 Uhr und im Winter eine Stunde später geweckt. Die Mägdearbeit war: Melken und Milchbewirtschaften, d.h. Durchseihen und Entrahmen, letzteres meist schon mit der Zentrifuge, weiter mußten Kühe und Schweine gefüttert werden. Knechtearbeit war: Pferdefüttern, Pferdeputzen. In dieser Zeit hatte die Bauernfrau Feuer angemacht, Kaffee gekocht und den Tisch gedeckt. Nachdem das Vieh versorgt war, gab es das erste Frühstück, „Immet“ genannt. Es wurde im Winter in der Spinnstube, im Sommer in der großen Küche gegessen. Das „Immet“ bestand überwiegend aus beschmierten Butterbroten, aber auch wohl aus Wurstebrot und Milchsuppe vom Vorabend mit Hafergrütze oder Knabbeln. Die Herstellung der Hafergrütze geschah in der Grützemühle, die in fast allen Orten existierte. „Knabbeln“: Einmal in der Woche wurden von der Bauernfrau im eigenen Ofen (Backhaus, platt „Backes“) 7-10 Brote gebacken. Eines davon wurde sofort nach dem Garbacken zerschnitten und zu Knabbeln getrocknet. Erzählt wird – ich weiß es nicht aus eigener Erfahrung –, daß vor 1900 der Brotteig von einem Jungen mit den Füßen getreten und gemengt wurde.

Bei Arbeitern weckte die Mutter oder deren Stellvertreter. Die Zeit des Weckens richtete sich nach dem Anmarschweg zur Arbeitsstelle. Arbeitsbeginn: 7 Uhr, üblicher Anmarschweg 1 Stunde, also mußte um 5.30 Uhr geweckt werden. Beispiele: Leeden – Hüggel (Hasbergen) 6 km, Leeden – Lengerich 5 km. Alle gingen damals in Holzschuhen. Zur Winterzeit gab es bei vielen Leuten zum ersten Frühstück Wurstebrot.

Das Ankleiden am Morgen
Frauen und Männer wuschen sich alle im „Waskhouk“, dem Teil der großen Küche oder auch der Viehküche, wo die Pumpe stand. Man wusch sich mit Seife. Da im Sommer selten Strümpfe getragen wurden, wurden allabendlich die Füße gewaschen. (Bei „Schossen Willem“, einem alten Bekannten, 1923 72jährig gestorben, waren die Füße im Sommer nur erdgrau, die wurden wohl kaum gewaschen.) Die Kinder wurden überwiegend von der Mutter angezogen und versorgt, eventuell auch von der vorhandenen Tante oder Großmutter. Kindermädchen gab es auf dem Lande nicht. In hiesiger Gegend gingen die Frauen und Mädchen nicht in Nachtjacke und Nachtmütze. Alle mußten zum ersten Frühstück gewaschen und gekämmt sein. Die Männer trugen meist blaue Hosen, Kittel und Holzschuhe.

Vor dem zweiten Frühstück
Die Vorbereitung und auch das Kochen des Mittagessens tat die Bäuerin, mit Unterstützung der Kleinmagd, selber, bei Kleinlandwirten die Mutter. Gußeiserne Mittagstöpfe waren damals üblich, Emailletöpfe kamen überwiegend erst nach dem Ersten Weltkriege. Kaffeekessel waren meist kupfern. Auf offenem Herdfeuer wurden vor 1910 kaum noch Speisen gekocht. Mein letztes diesbezügliches Erlebnis: Um 1908 backte meine Schwester auf dem Herdfeuer Pfannekuchen. Das Haus eines Bauern wurde morgens mit Reiserbesen (selten mit Heidebesen) ausgefegt, auch in Wohnräumen. Geschrubbt und Staub gewischt wurde nur bei besonderen Anlässen wie Hochzeit oder Beerdigung. Sonntags wurde in Bauern- und auch in Heuerhäusern weißer Sand gestreut.

Das zweite Frühstück
Plattdeutscher Ausdruck: Fröüstück. Den draußen Arbeitenden wurde das Frühstück, belegte Butterbrote (Belag: Schinken, geräucherte Mettwurst und auch wohl mal Speck), nach dem Arbeitsplatz gebracht. Um das Geschirr besser hinstellen zu können, benutzte man besonders angefertigte flache und breite Frühstückskörbe.
Blechkaffeekannen und Kümpkes waren damals zeitgemäß. Spiegeleier gab es allgemein nicht. Bei Heuerleuten mußten die Eier verkauft werden. Im Selbstverbrauch wurden dann welche genommen, um beispielsweise beim Pfannekuchen Öl zu sparen, und als Rührei, um den Brotbelag zu sparen. Pfannekuchen gab es außer beim Grasmähen zum Frühstück nicht. Wurstebrot gab es im Winterhalbjahr deswegen schon zum „Immet“, um das zweite Frühstück ganz oder zumindest teilweise einzusparen. Selbstverständlich war früher alles einfacher wie heute. Eine Wachstuchtischdecke wurde höchstens am Sonntag aufgelegt, Kaffee trank man aus Kümpkes, Milchsuppe aß man aus irdenen Näppkes. Wurstebrot, Bratkartoffeln, Pfannekuchen, auch wohl mal Soßekartoffeln aß man aus der Pfanne oder vom Becken. Auch das zum Abend „weggesetzte Essen“, dickgekochtes und unter dem Bett warm gehaltenes Mittagessen, wurde von 4-6 Personen gemeinsam aus einer großen Schüssel, dem „Napp“, gegessen. Nach Aussagen meiner Mutter hing damals bei einem Nachbarbauern der angeschnittene Schinken am „Halbaum“ (Schwenkbaum über der offenen Herdstelle) zur Selbstbedienung.

Zimmer mit Holzfußböden wurden nur wenig benutzt, aber das Ausfegen geschah auch nur mit Reiserbesen. In meinem Schulunterricht um 1909/1910 fragte der Lehrer nach der Besenart zum Zimmerausfegen. 95 % antworteten: Reiserbesen, einige Kinder erwähnten Heidebesen. Als dann der Lehrer Haarbesen erwähnte, machten alle große Augen, denn das waren für sie böhmische Dörfer. Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde allgemein noch mit Holzlöffeln gegessen. Vorteil: Selbstanfertigung, wenig Verschleiß. 1917 war bei dem Leedener Bauern Schulte-Herkendorf noch eine alte eichene Holzplatte vorhanden, die vor Zeiten wohl als Tischplatte gedient hatte. In dieser waren an beiden Seiten Aushöhlungen vorhanden, die als Teller (Tröge) benutzt worden waren. Beim Geschirrspülen brauchte man keine Trockentücher. Alles kam zum Trocknen in das „Beckenschelft“. Teller kamen hochkant in Aussparungen im untersten Fach, die buntbemalten irdenen „Näppkes“ an Haken vor die verschiedenen Fächer. Löffel, Fleischbretter und „Stölpen“ (Topfdeckel) kamen in den „Liepelspannt“.
Gabel und Messer kamen in die „Disktrecke“. Ein alter Mann aus Leeden steckte seine Gabel nach jedem Essen zwischen Decke und Tragebalken oberhalb seines Platzes und nahm sie zum nächsten Gebrauch dort wieder weg.

Tischordnung
Bei größeren Bauern, in Leeden nur bei einigen, aßen Herrschaft und Gesinde separat. Allgemein aber wurde an einem Tisch in der „grauten Küöken“ (große Küche), im Winter in der Spinnstube, gegessen. Ein Tischtuch wurde nicht aufgelegt. Der Bauer saß oben vor dem Tisch. An der Seite zu seiner Linken saßen seine Frau, evtl. Töchter, Großmagd, Kleinmagd. Zu seiner Rechten saßen Großknecht, Kleinknecht und sonstige. Die Tischordnung war immer die gleiche. Aß das Gesinde allein, saß der Großknecht vor dem Tisch und die Großmagd obenan.

Vorbereitung zum Essen
Das Dreschen der Erbsen geschah gleich nach der Ernte, meist von einem Knecht. Das Döppen der grünen Erbsen machte die Kleinmagd, die der Bäuerin vormittags zur Hand ging. Ebenfalls machte diese das Schnippeln der Fitzebohnen vom Busch zu der Mahlzeit. Das Einsetzen der Fitzebohnen in das Faß geschah meist in den Abendstunden, und zum Surren der Schnippelmühle wurde gesungen. Das Einsetzen des Sauerkrautes wurde vom Großknecht, bei Kleinbauern vom Hausherrn gemacht. Mit neuen, sauberen Holzschuhen mußte ein Junge das Sauerkraut festtreten. Honig gab es kaum, bei kleineren Leuten gab es Kunsthonig als Brotaufstrich. Da fast alle Leute Selbstversorger waren, gab es immer Butter.

Das Essen
Der Bauer gab das Zeichen zum Tischgebet, bei dessen Abwesenheit der Großknecht. Die Bäuerin oder die Großmagd betete vor. Das geläufigste Gebet war:

„Komm, Herr Jesu, sei Du unser Gast,
und segne, was Du uns bescheret hast. Amen.“

Oder:
„Speise, Vater, Deine Kinder,
tröste die betrübten Sünder,
Segne alle diese Gaben,
die wir jetzt noch vor uns haben,
daß die uns in diesem Leben,
Stärke, Kraft und Nahrung geben,
bis wir endlich mit den Frommen,
zu der Himmelsmahlzeit kommen.“

Zu Mittag gab es nur Eintopfgemüse. Auftragen war Sache der Großmagd. Der Topf blieb meist auf der Herdkante stehen, nur bei Milchsuppe stand er der Einfachheit halber neben der Großmagd. Bei kleineren Leuten stand der Topf wohl auch auf dem Tisch. Mittagsgerichte an Wochentagen waren Große Bohnen, Erbsen, Sauerkraut, Fitzebohnen, Möhren, Steckrüben, Graupen, im Frühjahr Melde, im Spätherbst Grünkohl und einmal in der Woche Soßekartoffeln. Eingesetzte Fitzebohnen waren Sonntagsessen. Fleisch gab es zu jeder Mittagsmahlzeit. Wer den Speck nicht gern aß, legte ihn auf ein Stück Schwarzbrot und aß ihn. Pfannekuchen gab es nur abends. Gekochte Eier gab es nicht. Zu Grünkohl und Erbsen wurde Brot gereicht. Salatsoße wurde damals in der Pfanne mit ausgelassenem Speck und Mehl zubereitet (schmeckt übrigens auch heute noch sehr gut). Andere Rohkost bzw. als Kompott: Kürbis, Gurken, Rote Beete, und als Eingemachtes: nur Bickbeeren. An Freitagen wurde hier keine Ausnahme gemacht. Plattdeutsche Bezeichnungen für die Speisen: Graute Baunen (große Bohnen), Iärften (Erbsen), Steckröüben mit ’n Swinnetein (Steckrüben mit Schweinefüßchen), Suurkaul (Sauerkraut), Gröüne Fiksebaunen (grüne Fitzebohnen), Wuorteln (Möhren), Schellgiärste (Graupen = geschälte Gerste), Meldemous (Melde) und Mous (Grünkohl).

Spülen
In einem Holzspülfaß mit 3 Beinen wurde im „Waskhouk“ oder auch wohl in der Wasch- oder Viehküche gespült. Teller und Tassen kamen in das unterste Fach des „Beckenschelft“. In den Boden, welcher aus runden Stöcken mit Abstand bestand, wurden die Teller hochkant hineingestellt. Die bunten, irdenen „Näppkes“ [wurden] davor auf Haken aufgehängt. Löffel kamen auf den „Liepelspaunt“ und wurden senkrecht in die in dem Boden vorhandenen Löcher gesteckt. „Schleef“, „Schümer“, Fleischbrett und „Stölpen“ (Topfdeckel) kamen auf die immer paarweise angebrachten Zinken in der Rückwand.

Unterstunde
Dieser Name ist uns fremd. Nach dem Mittagessen gab es hier allgemein bis 2 Uhr, in der Erntezeit bis 2.30 Uhr „Noune“. Bei den Bauern begann diese beim Lengericher Maimarkt (Anfang Mai) und endete beim Stöppelmarkt (Mitte August). Wenn bei der Ernte bis 20 oder 21 Uhr gearbeitet wurde, gab es um 18 Uhr ein „Sessührken“, ein belegtes Butterbrot mit Kaffee. Bei der Kartoffelernte wurde meist um 12 Uhr begonnen und [dann] dauerte der Nachmittag, oft auch für die helfenden Kinder, bis 20 und 21 Uhr. In der „Noune“ mußten die Mädchen ihre Haare neu ordnen.

Vesper
Überwiegend wurde die Vespermahlzeit im Hause eingenommen. Nur bei der Ernte oder sonstigen dringenden Arbeiten wurde sie von der Kleinmagd auf das Feld gebracht. Es gab dazu Kaffee, teils von Zichorien gekocht (später Malz- oder Kornkaffee) und im Hause geschmierte Butterbrote ohne Belag. Manche Bauern brachten den Kaffee in dickbäuchigen Kupferkesseln heraus. Eier gab es nie.

Abendessen
Pünktlich um 19 Uhr wurde zu Abend gegessen. Einmal in der Woche gab es bei Groß- oder Kleinbauern Pfannekuchen aus Kartoffeln oder Buchweizenmehl, seltener von Weizenmehl. Am häufigsten gab es aufgewärmtes oder warm gehaltenes Mittagessen und Milchsuppe. Die Milchsuppe gab es mit Hafergrütze oder mit Knabbeln. Besondere Freitagsgerichte gab es nicht.

Besuch
Kam plötzlicher Besuch, so wurde bald ein „Köppken Koffie“ mit Zwieback angeboten. Blieb der Besuch länger, gab es Brot und Butter zum Kaffee. Prominente Gäste kamen in die beste Stube. Pastor und Lehrer standen früher in einem besonderen Verhältnis zu den Bauern. Vermutlich wurden Pastor und Lehrer wegen ihrer mäßigen Einkommen von den Bauern mit durchgefüttert. Noch heute heißt es hier im Volksmunde, wenn beim Wurstemachen eine besonders große Wurst anfällt: „Dat is ene vör’n Pastor“ oder „Dat is ene vör den Scholmester“. Oft wurden auch in der besten Stube bei Besuch von benachbarten oder befreundeten Bauern Ehen zusammengeredet. Tabak stand dann auf dem Tisch, auch Äpfel und Walnüsse. Sehr beliebt waren Bratäpfel. Die meisten größeren Bauern hatten ein Fäßchen Schnaps im Keller. Leedens größter Bauer sprach vom „Genever“. „Upgesetten“ Schnaps kannte man damals hier noch nicht.

Der heutige Tagesverlauf
Der Bauer ist heute mit seiner Familie allein. Knechte und Mägde gibt es nicht mehr, ebenfalls keine Heuerleute mehr. Mir ist nur ein Fall bekannt, wo die Heuerlingsfrau dem Bauern noch hilft. Selbstverständlich muß auch heute früh am Morgen aufgestanden werden, wegen der Milchabgabe. Die vollen Milchkannen müssen rechtzeitig an die Straße gebracht werden. Groß- und Kleinbauern haben Melkmaschinen, nur Kleinbetriebe mit 1 oder 2 Kühen nicht. Hier ist ein Bauer, der früher vielleicht 8-10 Milchkühe hatte, der hat heute 30. Das Melken besorgen die Männer, Alt- oder Jungbauer. Die Essenszeit ist heute, wo nur die eigene Familie da ist, nicht so zeitgebunden wie früher. Zu Feld- und Wiesenarbeiten haben alle Bauern ihre Maschinen, daher ist heute fast jeder Hof ein „Einmannbetrieb“. Der Bauernhof ist heute kein Bauernhof mehr, sondern ein „Lebensmittelherstellungsbetrieb“. Aber auch die Bäuerin muß den Trecker fahren können, und nicht selten sieht man sie bei Erntearbeiten auf dem Bock. Heu- oder Getreideeinfahren war früher eine Arbeit, wo viele Hilfskräfte vorhanden sein mußten. Das Korn wird heute größtenteils mit dem Mähdrescher geerntet, mit offenen Fahrzeugen lose bis an die Einfülltrichter gebracht und auf die Kornböden geblasen. Künstliche Trockenanlagen sind keine Seltenheit mehr. Viel Stroh wird schon auf dem Acker gehäckselt und bleibt als Dünger liegen. Falls es gepreßt wird, müssen die Ballen natürlich auf den Strohboden transportiert werden. Kartoffeln werden meistens bei den Bauern mit Vollerntemaschinen geerntet. Der Anbau der Kartoffel wird aber immer weniger. Es gibt Rübenerntemaschinen für Runkeln, Steckrüben und Stoppelrüben. Wenn früher (im März, wenn der Bauer das Rößlein anspannt) im Frühjahr oder Herbst tage- oder wochenlang mit einem oder sogar mit zwei Gespannen gepflügt wurde, macht das heute der Bauer mit dem Trecker in einem Bruchteil der Zeit. Diese revolutionierende Umwälzung auf dem Bauernhof mußte deswegen kommen, weil man rationalisieren mußte und auch einfach keine Hilfskräfte mehr bekommen konnte. Ob man dieses aber Fortschritt nennen kann? Heute erlebt man, daß trotz der vorhandenen Maschinen bei Lampenschein halbe Nächte hindurch auf dem Acker gepflügt und gewirtschaftet wird. Dem sei die ruhige Sachlichkeit und Pünktlichkeit von früher gegenübergestellt.
Auch im Essen und Trinken hat sich vieles geändert. Mittags gibt es noch nach wie vor den gewohnten Eintopf. Aber was es früher nur abends gab, Kartoffelpfannkuchen, gibt es jetzt auch zu Mittag. Vor allem wird heute besser gegessen als damals, mehr Fleisch, mehr Eier, mehr Nachtisch (Obst). Buchweizenpfannekuchen und Knabbeln gibt es heute nicht mehr, Wurstebrot nur noch selten. Selbst Kleinbauern und Arbeiterfamilien essen kaum noch eine Mahlzeit ohne Fleisch. Fast jeder hat heutzutage seine Getränke, Sprudel, Bier oder Schnaps, im eigenen Keller. Zu Abend, wo es früher fast nur aufgewärmtes Mittagessen gab, gibt es jetzt belegte Brote. Gebäck und Kuchen wird vom Bäcker auch an Wochentagen verkauft. Die „kleinen Leute“, Arbeiter und Angestellte, haben nur noch ihren Kleingarten oder Ziergarten und ihr Auto. Ziegenhalter gibt es kaum noch, Kuhhalter werden immer weniger. Ställe werden zu Garagen umgebaut. Zur Bewältigung der Freizeit werden Autos geputzt und gefahren. Die Menschen, auch auf dem Lande, leben zu gut und sind sehr viel krank. Und die Jugend beatet, bolzt und rebelliert. Den romantischen, geruhsamen Feierabend auf dem Lande gibt es nicht mehr, die meisten Leute sitzen vor dem Fernseher.


Entnommen aus: Dietmar Sauermann (Hg.): Aus dem Leben eines Heuerlings und Arbeiters. Rudolf Dunkmann berichtet. Münster 1980 (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, 23), S. 96-102.