Der Alltag war noch vor wenigen Jahrzehnten grundlegend anders strukturiert als heute. Im Archiv der Volkskundlichen Kommission befinden sich zahlreiche Berichte darüber, wie die Menschen zwischen 1890 und 1950 ihr Leben gestaltet haben. Die Kommission hat nach dem Zweiten Weltkrieg Zeitzeugen angeregt, ihre Erinnerungen an die Zeit um 1900 niederzuschreiben. Alle Berichte orientieren sich an Fragebögen. Dementsprechend sind die Antworten ähnlich aufgebaut und behandeln vielfach Aspekte, auf die die jeweiligen Gewährspersonen vermutlich von selbst nicht zu sprechen gekommen wären. Insgesamt liegen rund 6.600 Berichte zu unterschiedlichen Themenkomplexen vor. Mit dem Tagesablauf befassen sich vor allem zwei Fragebögen, zu denen 204 bzw. 130 Antworten vorliegen.
Wenn Sie mehr über die älteren Umfragen der Volkskundlichen Kommission wissen möchten, lesen sie hier weiter.
Berichte über einen normalen Alltag
-„Das Gesinde gehörte mit zur Familie“ – Bauer Dietrich B. aus Petershagen über die Zeit um 1913
-„Das Gemüse wurde täglich frisch aus dem großen Hausgarten geholt“ – Auktionator und Versicherungskaufmann Theodor Schulze B. aus Ahlen über die Zeit um 1886
-„Es waren schöne Abende, an denen ich gerne zurückdenke“ – Bäuerin Agnes B. aus Geseke über die Zeit zwischen 1918 und 1930
-„Die meisten größeren Bauern hatten ein Fäßchen Schnaps im Keller“ – Arbeiter Rudolf D. aus Tecklenburg über die Zeit zwischen 1900 und 1914
-„Wenn die Kinder da hinein gehen, dort werden sie nicht zum Zuchthäusler erzogen“ – Lokomotivführer Fritz F. aus Dortmund über die Zeit zwischen 1900 und 1914
-„Die gesamten Bewohner des Hauses wuschen sich am Spülstein mit Seife“ – Bauer Fritz H. aus Steinhagen über die Zeit um 1890
-„Abends es dä Dag rümmer“ – Pfarrer Heinrich M. aus Schmallenberg über die Zeit bis ca. 1909
-„Das Essen mußte sich, wie gesagt wurde, erst ‚Mäßten’“ – Bäuerin Gertrud R. aus Ahaus über die Zeit zwischen 1908 und 1920
-„Die Vorbereitung der Speisen war Frauensache“ – Landwirt Heinrich St. aus Werther über die Zeit um 1910
-„Eine Jungfrau macht das Bett frühmorgens“ – Landwirt Johannes W. aus Borgentreich über die Zeit um 1900.
Die Berichte folgen der Frageliste „Essen und Trinken und Tageslauf im Haushalt“.
Berichte über den Sonntag
-„Mein besonderes Interesse erregten die Galizierinnen“ – Kunstmaler Reinhold B. aus Lennestadt über die Zeit um 1910
-„Der Sonntagnachmittag galt dem Besuch der Verwandten“ – Landwirt Arnold B. aus Möhnesee über die Zeit von 1910 bis 1950
-„... die konnten nicht begreifen, daß man nur einen Anzug hatte“ – Lokomotivführer Fritz F. aus Dortmund über die Zeit um 1905
-„Sogar der Baron selbst eilte mit einer Forke aufs Feld zum Aufladen der Garben“ – Volksschullehrerin Elisabeth F. aus Lübbecke über die Zeit um 1900
-„... sich dem Wahn von der Machbarkeit aller Dinge hinzugeben ...“ – Pfarrer Ernst K. aus Gütersloh und Bielefeld über die Zeit um 1910
-„... wenn einer der über 18 Jahre alten Burschen versuchte, mit einer Schönen im Nachbardorf anzubändeln“ – Tierarzt August L. aus Bad Laasphe über die Zeit zwischen 1880 und 1930
-„Der Sonntag heute zeichnet sich aus durch Ruhe“ – Landwirt Karl-Heinz V. aus Hamm über die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
-„Und über die Leute, die nicht zur Kirche gehen, wird nicht viel gesagt“ – Hausfrau Gertrud W. aus Havixbeck über die Zeit um 1900
Die Berichte folgen der Frageliste „Wie man früher den Sonntag feierte“.