Historische Dioramen und aktuelle Vermittlungsmethoden im LWL-Museum für Naturkunde Münster

Die Geschichte der Dioramen im Münsteraner Naturkundemuseum

Im Mai 2014 eilen drei Mädchen im Grundschulalter mit ihren Fotohandys durch die Ausstellungen und verständigen sich durch  Zuruf über die attraktivsten Fotomotive. Sie stürmen auch den Raum mit den Dioramen. "Geil, alles dreidimensional!", "Booh!", "Nein Quatsch, das ist alles echt!".

Die Dioramen im LWL-Museum für Naturkunde haben größtenteils eine lange Geschichte. Sie reichen zwar nicht bis zu den Anfängen des inzwischen 122 Jahre alten Museums zurück, sind aber immerhin schon bis zu 73 Jahre alt. Mit der Eröffnung des Museums im Jahr 1892 wurden Tiere und Pflanzen Westfalens zunächst nach systematischen Kriterien zusammengestellt und präsentiert. Erst mit Bernhard Rensch wurde ein neues, nach Themen gegliedertes Ausstellungskonzept, das Bildung und Lehre zum Ziel hatte, umgesetzt. Rensch war mit einer dreijährigen Unterbrechung von 1937 bis 1955 Museumsleiter. Zur Wiedereröffnung des nach seinen Ideen neugestalteten Landesmuseum für Naturkunde in Münster schreibt Rensch 1941: "Hinter einem Vorhang öffnet sich hier nun ein dunkler Gang mit einer Reihe von Schauscheiben, hinter denen unsere größeren einheimischen Säugetiere und Vögel in natürlicher Umgebung gezeigt werden sollen. Fertiggestellt ist bisher eine Fuchsgruppe […], die uns die Fähe mit spielenden Jungfüchsen am Bau vorcAugen führt […]".

In den folgenden Jahren entstanden zehn Dioramen, die neben verschiedenen Säugetieren auch Vögel wie den Graureiher in ihren natürlichen Lebensräumen zeigten. Diese wurden bis 1980 im alten, innenstadtnahen Gebäude an der Himmelreichallee gezeigt. In diesem Jahr erfolgte der Umzug in ein neues, modernes Gebäude an den stadtauswärts gelegenen Aasee. Einige Dioramen wurden an diesen neuen Standort versetzt, andere, wie die Vogel-Dioramen, wurden nicht mehr aufgebaut; sie fielen der Begrenzung auf die "Heimischen Säugetiere" zum Opfer. Wieder andere wurden neu hinzugefügt, wie das Steinmarder-Diorama (Präparator: Werner Beckmann), das Feldhasen-Diorama (Präparator: Wilfried Stöhr) oder die Dioramen zu den Neubürgern in Westfalen, Mufflon (Präparator: Wilfried Stöhr) und Waschbär (Präparator: Dietrich Schulz- Hanke). Zu dem in Westfalen seit 1960 ausgerotteten Fischotter wurde ein neues, größeres Diorama mit nun zwei Tieren (Präparator: Dietrich Schulz-Hanke) gestaltet. Im Jahr 1988 wurde der Ausstellungsbereich "Heimische Säugetiere" wiederum mit zehn Dioramen in dem neuen Museum an der Sentruper Straße eröffnet. Sie sind integraler Bestandteil der Dauerausstellung "Westfalen im Wandel – Von der Mammutsteppe zur Agrarlandschaft".

Wildschwein, Waschbär, Rothirsch & Co. – Dioramen im Kinderprogramm

Die heute kreisförmig, in einem dunklen Raum präsentierten Dioramen von Mufflon (Ovis orientalis musimon), Feldhase (Lepus europaeus), Waschbär (Procyon lotor), Wildschwein (Sus scrofa), Steinmarder (Martes foina), Fuchs (Vulpes vulpes), Reh (Capreolus capreolus), Fischotter (Lutra lutra), Dachs (Meles meles) und Rothirsch (Cervus elaphus) legen den Gedanken eines Spaziergangs durch die heimische Tierwelt nahe. Folglich startet das museumspädagogische Programm für Kindergartenkinder "Wildschwein, Waschbär, Rothirsch & Co." (Junker-Malchow 1988) mit einem besonderen Spaziergang: "Wir werden vielen Tieren begegnen, die wir bei einem Spaziergang draußen in der Natur nur selten oder nie sehen. Alle Tiere kommen in Münster oder in der Umgebung von Münster vor. Aber viele Tiere sind sehr scheu, laufen weg, wenn sie uns sehen, hören oder riechen, andere Tiere ruhen tagsüber und sind nachts munter."

Der für vier- bis sechsjährige Kinder inszenierte und durch Leitfragen und/oder Beobachtungsaufgaben strukturierte "Spaziergang" zeigt immer wieder deutlich, was Kinder vor einem Diorama oder auch mehreren sehen und erleben können bzw. welche Eindrücke und Erkenntnisse die jungen Museumsbesucher mit nach Hause nehmen können. Seit im Jahr 2002 alle Dioramen mit spiegelfreiem Glas ausgestattet wurden, und daraufhin die Wandschirme, die bis dato die gegenseitige Bespiegelung der Dioramen verhinderten, entfernt werden konnten, sind fast alle Dioramen an jedem Standort gleichzeitig einsehbar und ermöglichen viele direkte Vergleiche.

Alle Dioramen geben auf die Frage "Wo lebt dieses Tier?" Auskunft. Das ist das Besondere eines Dioramas: Die Tiere sind in ihrem natürlichen Lebensraum dargestellt. Auch wenn dieser mit teilweise künstlichen Mitteln gebaut wurde: Die Gewässer bestehen aus Glas oder Plexiglas und Polyesterharz, Buchen-, Brennnessel- und Brombeerblätter wurden aus Polyethylenfolien tiefgezogen und der Schnee besteht aus Watte, Styropor und Glimmer.

Im Folgenden werden die didaktischen Überlegungen und methodischen Vorgehensweisen an einigen Beispielen dargelegt. Spontan äußern kleine Kinder was sie sehen. Nach diesen ersten nicht gesteuerten Beschreibungen lenkt die Museumspädagogin die Beobachtungen durch gezielte Fragen, so dass einerseits Besonderheiten hervortreten und andererseits der Gesamteindruck vervollständigt oder verstärkt wird. Wer ist das Weibchen und wer ist das Männchen? Insbesondere bei den horntragenden Tieren ist gut erkennbar, wer zu welchem Geschlecht gehört. Bei den Mufflons fällt das Männchen darüber hinaus durch seine markante Fellzeichnung, den weißen Sattelfleck, auf. Im Folgenden stellen auch die Kinder aus eigenem Antrieb sinnstiftende Fragen, eine der häufigsten lautet: Was macht der oder die da ? Sorgfältig wird, nicht nur bei den Waschbären, zwischen Beobachtung und Interpretation unterschieden.
– Was sehen die Kinder bzw. was kann man beobachten? Der Waschbär dreht im Wasser Steine um.
– Wie sieht das aus? Als ob er seine Pfoten waschen würde. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass er dort unter den Steinen nach Nahrung sucht.
Die Inszenierung einer mondhellen Nacht führt zu der Erkenntnis, dass Waschbären nachts munter (nachtaktiv) sind.

Vor dem Dachs-Diorama, direkt gegenüber des Waschbär-Dioramas bieten sich Vergleiche an: Wodurch unterscheidet sich das Fellmuster im Gesicht des Waschbären von dem im Gesicht des Dachses? Die Kinder zeigen mit ihren Händen die Lage der Streifen – einmal quer und einmal längs – in ihrem eigenen Gesicht!

Vorschulkinder können häufig schon bis zehn zählen und sind stolz, wenn sie eine Gelegenheit erhalten ihre Fähigkeiten zu demonstrieren. Wer kann schon zählen? Wie viele Wildschweine tummeln sich hier? Diese Frage lenkt die Aufmerksamkeit der Kinder fast automatisch auch auf das gestreifte Fell der Frischlinge. Dass es sich dabei um ein Tarnkleid handelt, verlangt nach einer Erklärung. Die Streifen sind doch auffällig! Fast immer kann hier an eine Erfahrung aus der Lebenswelt der Kinder angeknüpft werden. Wer schon einmal bei Sonnenschein in einem echten Wald spazieren gegangen ist, der kennt die "tanzenden Lichtflecken" auf dem Waldboden oder die "Lichtstreifen" zwischen den Zweigen. Dabei ist es überflüssig den Fachbegriff der "Somatolyse" einzuführen. Im Übrigen wird nur hier bei den Frischlingen mit einem jagdkundlichen Ausdruck gearbeitet; in allen anderen Fällen sind es "Männchen", "Weibchen" und "Kinder".

Der Steinmarder und der Igel werden sofort entdeckt, die kleine Maus unter den Holunderbüschen wird jedoch häufig übersehen. Während Igel und Mäuse den Kindern in der Regel vertraut sind, weckt der Steinmarder ihren kindlichen Forschungsdrang. Was könnte der Steinmarder in dem Stall gesucht haben? Der Hinweis darauf, dass es sich bei dem Steinmarder um ein Raubtier handelt, führt zu weitergehenden Überlegungen. Vielleicht hat er in dem Stall nach Eiern oder Hühnern gesucht. Sein weißes Lätzchen wird besonders herausgestellt, weil er auf diese Weise von vielen anderen Marderarten unterschieden werden kann.

Zwischen den Reh- und Rothirsch-Dioramen stehend machen die Vier- bis Sechsjährigen eine wichtige Erfahrung: Nur durch einen direkten Vergleich, bei dem vor allem die Größenunterschiede bezüglich Körper und Geweih deutlich werden, sind die Rehe und die Rothirsche (für einen Laien) unverwechselbar. Der kleine, aber auffällig gefärbte Vogel zieht fast immer "wie von selbst" die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Manchmal gibt es Meinungsverschiedenheiten bezüglich seiner zwei Namen, denn der Gimpel wird wegen seines roten Federkleides und seiner schwarzen Kappe auch als Dompfaff bezeichnet.

Wie bei den horntragenden Mufflons ist auch bei den geweihtragenden Rehen und Rothirschen gut erkennbar, wer das Weibchen und wer das Männchen ist. Dagegen ist der Hirschkäfer schwer zu entdecken. Woher sein Name kommt, ist dann jedoch leicht zu verstehen.

Das museumspädagogische Ziel, bereits jüngste Museumsbesucher zu selbstständigem Entdecken anzuleiten und zu motivieren, wird bei diesem "Spaziergang" entlang der Dioramen leicht erreicht. Durch das spielerische, wiederholte "Training von Sehen und Beschreiben" leistet das Programm propädeutisch einen Beitrag zur Entwicklung der "Kompetenz des genauen Beobachtens", welche für alle naturwissenschaftlichen Fächer relevant ist. Darüber hinaus wird die vorhandene Artenkenntnis in einem oft erheblichen Maß erweitert.

Im Anschluss an die Erkundung des "letzten" westfälischen Wolfes in der Inszenierung einer "Guten Stube" außerhalb der Dioramen in einem anderen Bereich der Ausstellung "Westfalen im Wandel –
Von der Mammutsteppe zur Agrarlandschaft" spielen die Kinder mit viel Begeisterung verschiedene Verhaltensweisen von Fuchs und Wolf nach. In diesen Rollenspielen setzen sie das Gesehene und Gehörte in eigene Körperbewegung um.

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WerkstattNachmittag: Fischotter – Dioramen im Familienprogramm

Seit 2011 gibt es bei den Vermittlungskonzepten im LWL-Museum für Naturkunde ein neues generationenübergreifendes Format. Für Großeltern, Eltern, Paten etc. und ihre Kinder werden Werkstatt-Nachmittage zu verschiedenen Themen mit einem hohen kreativen und/oder experimentellen Anteil entwickelt und am ersten Samstag eines jeden Monats angeboten. Fünf Jahrzehnte war der Fischotter in Westfalen vom Menschen ausgerottet. Das Forschungsprojekt zur Wiederansiedlung des Fischotters gab Anlass zur Entwicklung eines Vermittlungsangebotes, das sich speziell auf dieses Säugetier konzentriert. In dem "WerkstattNachmittag: Fischotter" (Kreimeier 2012) sind folglich das Kennenlernen und das Verstehen wissenschaftlicher Nachweismethoden wie Fußspurenanalyse, genetische Kotprobenuntersuchungen und moderne Fotofallen die Hauptziele. Dabei richtet sich das Interesse der großen und kleinen Teilnehmer/-innen neben den vielen spannenden spielerischen und experimentellen Aktionen in der Museumswerkstatt natürlich auch auf die verschiedenen Exponate, u. a. auf das Fischotter- Diorama.

Zwei Erkundungsgänge in die Ausstellung sind vorgesehen. Nachdem in der Museumswerkstatt neben anderen Mardern, auch entfernte Verwandte des Fischotters anhand von Präparaten kennengelernt wurden, geht es in der Ausstellung auf Ottersuche. Hier werden die soeben gewonnenen Kenntnisse vor dem Fischotter-, dem Steinmarder- und dem Waschbär- Diorama erprobt. Bei dem zweiten Erkundungsgang geht es um die Gründe für die Beinahe-Ausrottung des Fischotters durch den Menschen. Vor dem Fischotter- Diorama gibt ein Flussbarsch im Maul einer der beiden Otter einen ersten Hinweis. Flussbarsche (Perca fluviatilis) sind zwar wenig bekannte, aber sehr schmackhafte Speisefische. Und klar: Fischotter räubern gerne in Fischteichen! Dort fangen sie den Menschen Karpfen und Forellen "vor der Nase" weg. Das glänzende Fell der beiden Fischotter in dem Diorama lässt ahnen, dass auch dieses für die Herstellung von Jacken und Mänteln sehr begehrt war. Darüber hinaus lernen die Teilnehmer/-innen vor dem Fischotter-Diorama eine Otterrutsche, auch Otterstiege genannt, kennen.

Eine Otterrutsche bestehend aus einer Kinderrutsche mit Matte dürfen die Kinder später selbst in einem "Otterparcours" herunterrutschen. Der "Otterparcours" besteht aus verschiedenen Stationen bzw. Spielgeräten und einer originalen, funktionstüchtigen Fotofalle. Beim Durchlaufen des "Otterparcours" tauchen die Kinder unter einer Eisplatte ab, dabei wird von den Erwachsenen eine Styroporplatte hochgehalten. Sie schlängeln sich um Baumwurzeln und untergetauchte Äste, indem sie um die Stangen eines Hürdensets, die z. B. beim Fußballtraining verwendet werden, herumlaufen. Sie ertasten einen Fisch und scheuchen diesen auf, indem sie mit den Händen unter einem Betttuch zwischen Wurzeln ein Fischmodell hervorholen. Sie ziehen sich in ihren Bau zurück, d. h. sie kriechen durch einen Krabbeltunnel. Währenddessen macht die Fotofalle alle 30 Sekunden von den "Objekten in Bewegung" ein Foto.

Selbstverständlich dürfen auch die Erwachsenen den Parcours "wie ein Fischotter" durchschwimmen bzw. durchlaufen. Auf diese Weise erfahren alle Teilnehmer/-innen "hautnah" die Funktion einer Fotofalle.

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Hase, Fuchs und Storch – einheimische Tiere – Dioramen in der Führung für Menschen mit Demenz

In der Führung für Menschen mit Demenz "Hase, Fuchs und Storch – einheimische Tiere" (Mayenfels 2013) spielen das "neue" Hasendiorama und das "alte" Fuchsdiorama besondere Rollen. Dabei geriet der Weißstorch eher zufällig in das Konzept. Weißstörche (Ciconia ciconia) sind vor allem im August regelmäßig auf dem Museumsdach bzw. der Kuppel des Planetariums zu sehen und in der Ausstellung steht ein Weißstorch auf einem Horst, der zugleich von seinem Partner angeflogen wird. Angebote für Menschen mit Demenz weisen eine inzwischen bewährte zeitliche und methodische Dreiteilung auf. Nach einer Phase des Kennenlernens bei Kaffee und Kuchen und einer ersten Vorstellung der drei Protagonisten Hase, Fuchs und Storch in der Museumswerkstatt, geht es auf "Erinnerungstour" in die Ausstellung und anschließend zu einer kreativen Abrundung des Museumsbesuchs wieder zurück in die Museumswerkstatt. Auf dem – relativ weiten – Weg hin und zurück begegnen uns die Weißstorchexponate und regen zu einer kleinen Pause an. Einfache Frottagen mit entsprechenden Tierschablonen und Wachsmalkreiden sind der Grundstock für Postkarten, die gerne mit nach Hause genommen werden.
Das Ziel einer Führung für Menschen mit Demenz besteht darin, diesen Besuchern zu einer rundherum angenehmen Erfahrung im Museum zu verhelfen, aus der sie eventuell auch noch im  Nachhinein schöpfen können. Grundsätzlich gibt es in diesem Fall keine Lernziele, die erreicht, oder Themen, die "abgearbeitet" werden müssen. Es geht darum in einer entspannten Atmosphäre Anregungen zur Erinnerung, zum Gespräch und zu gemeinschaftlichem Tun zu schaffen.

Die Dioramen zu den Hasen und Füchsen lassen vielfältige Assoziationen und häufig lang zurückliegende Erinnerungen aufkommen. Die Aufgabe der Museumspädagogin besteht dabei, viel stärker als in anderen museumspädagogischen Veranstaltungen, in der Moderation. Kinderlieder, z. B. "Fuchs, du hast die Gans gestohlen", laden zum Mitsingen ein, Geschichten, wie die von dem "Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel", können von den Gästen erzählt oder gehört werden. Erinnern sich die Teilnehmer/-innen beim Anblick der Feldhasenpräparate an den "Falschen Hasen" und/oder an den "Osterhasen", können auch das Kochrezept für den Hackbraten und/oder verschiedene Osterbräuche
zum Gesprächsthema werden. Biologische Fakten zu den natürlichen Verhaltensweisen der Tiere und deren Lebensräume spielen in diesem museumspädagogischen Angebot für Demenzkranke eine untergeordnete Rolle. In den Gesprächen geht es häufig um persönliche Erinnerungen – und das ist ausdrücklich gewünscht. Die individuellen Biografien und die mit diesen eng  verbundene Zeit- und Heimatgeschichte stehen im Mittelpunkt.

Der Ausstellungsraum "Heimische Säugetiere" und insbesondere das Feldhasen- und das Fuchsdiorama erfüllen fast ausnahmslos alle Anforderungen an ein Angebot für Menschen mit Demenz: Es ist genügend Platz vorhanden, um einen Stuhlhalbkreis vor dem Exponat aufzubauen. Die Anordnung der beiden Dioramen macht es möglich, die Sitzgelegenheiten nur umzudrehen und schon ist ein Wechsel des Schauplatzes geschehen. Die Dioramen geben Gelegenheit für viele Beobachtungen und Entdeckungen und damit auch für Assoziationen und Erinnerungen, die aufgrund der individuellen Biografien der meist älteren Menschen sehr vielfältig sein können. Das nahezu spiegelfreie Glas macht unmittelbares Erleben möglich. Der Raum gibt den Museumsgästen das Gefühl "mittendrin" zu sein und gleichzeitig strahlen die Szenen eine fast meditative Ruhe aus. Es gibt im Gegensatz zu Internet, Film und Fernsehen keine hektischen Bilder. Alles kann mit Muße angeschaut werden.
 

Dioramen – zeitlose Klassiker

Mit ihren Ausrufen lagen die drei Mädchen in ihrer Begeisterung für die Dioramen fast richtig: Tatsächlich sind die zu den Ausstellungsklassikern zählenden Dioramen dreidimensional, wenn auch nicht digital. Und wirklich, die mit hoher Kunstfertigkeit naturgetreu gestalteten Dioramen sind in vielen, wenn auch nicht in allen Teilen, original! Nach 26 Jahren museumspädagogischer Arbeit vor und mit den Dioramen wird ein positives Fazit gezogen: Professionell und liebevoll gepflegte Tierpräparate sowie moderne Licht- und Vitrinentechnik unterstreichen den Charme unbewegter Bilder von Tieren in typischen Verhaltensweisen und in ihrem natürlichen Lebensraum. Egal ob auf Entdeckungs- oder
Erinnerungstour, Dioramen vermitteln allen Museumsbesuchern, ob jung oder alt, ein besonderes Museumserlebnis, weil sie in sehr anschaulicher Weise informativ und gleichzeitig emotional anrührend sind. Dioramen sind nicht nur in der Museumspädagogik zeitlose Klassiker!

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Text und Informationen zusammengestellt von: Gerda Windau, LWL-Museum für Naturkunde

Literaturliste

Ant, H.; B. Gries (1992): "Biologisch-ökologische Landeserforschung
in Westfalen" Eine Bilddokumentation zum 100jährigen Jubiläum des Westfälischen Museums für Naturkunde. – Veröffentlichung der ABÖL Nr. 94, Hamm.

Franzisket, L. (1967): Die Geschichte des Westfälischen Landesmuseums für Naturkunde. In: Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen. 29. Jg. Heft 1, S. 3–26.

Hendricks, A. (1992): 1892–1992 Festschrift 100 Jahre – Westfälisches Museum für Naturkunde. Beiheft der Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 54. Jg.

Junker-Malchow, A. (1988): Wildschein, Waschbär, Rothirsch & Co. Museumspädagogisches Programm für Kinder im Vorschulalter im LWL-Museum für Naturkunde. 1. Aufl. 1988, aktualisierte Aufl. 2009, Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Kriegs, J.O., Bauer, I., Bülow, B. v., Dahms, , K., Geiger- Roswora, D., Eversmann, N., Hübner, T., Grömping, H., Kaiser, M., Krekemeyer, A., Krüger, H.-H., Maiden, K., Niewold, F., J. J., Oeding, W., Rehage, H.-O., Ribbrock, N., Vierhaus, H. & Koelewijn, H. P. (2010): Aktuelle Vorkommen des Fischotters Lutra lutra (Linnaeus, 1758) in Nordrhein-Westfalen und Hinweise auf ihre genetische Herkunft - Natur und Heimat 70: 131–140.

Kreimeier, B. (2012): WerkstattNachmittag "Fischotter" für Kinder und Erwachsene. Ein generationenübergreifendes Angebot zur Ausstellung "Westfalen im Wandel – Von der Mammutsteppe zur Agrarlandschaft" im LWL-Museum für Naturkunde. Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Mayerfels, U. (2013): Hase, Fuchs und Storch – einheimische
Tiere. Führungskonzept für Menschen mit Demenz im LWL-Museum für Naturkunde. Landschaftsverband Westfalen- Lippe.

Rensch, B. (1941): Das Landesmuseum für Naturkunde. - Das schöne Münster 13; Münster. S. 5.

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