Vom Wasserfloh bis zum Bakterium – aus klein wird groß

Interview mit der Austellungsmacherin Vanessa Rüttler und dem geologisch-paläontologischen Präparator Michael Böckmann

Zahlreiche Modelle, wie diese Kleinstlebewesen (v.li.n.re. Sonnentierchen, Glockentier, Becherbäumchen), haben die Präparatoren des Museums für die neue Sonderausstellung vergrößert. Fotos: LWL/Steinweg

Warum nehmt ihr einen Wassertropfen genauer unter die Lupe?

Vanessa Rüttler: Wir wollen dem Besucher die unglaubliche Masse und Formenvielfalt von Lebewesen im Wasser vor Augen führen. Dafür stellen wir verschiedene Kleinstlebewesen, die in einem Wassertropfen vorkommen oder nicht größer als ein Wassertropfen sind, in der Ausstellung etwas näher vor. Manche von ihnen sind nur unter einem Mikroskop zu erkennen.

Wie wir das in der Sonderausstellung dargestellt?

Michael Böckmann:  Es wird im Hintergrund ein viereinhalb mal viereinhalb Meter großer, dreidimensional gemalter Wassertropfen zu sehen sein. Davor werden wir dann 19 verschiedene Modelle von Kleinstlebewesen aus dem Wasser in einer Art Mobile aufhängen. Für die Besucher gibt es zudem zehn Tastmodelle, wodurch dieser Bereich auch inklusiv geeignet ist.

Was wird genau zusehen sein?

Michael Böckmann: Wir stellen zum Beispiel den gemeinen Hüpferling aus der Familie der Ruderfußkrebse aus. Aus einem nur 3,5 Millimeter großen Tier wird dann ein rund 50 Zentimeter großes Modell. Der Besucher bekommt durch die vielfache Vergrößerung an unserem Modell bildlich vor Augen geführt, was er sonst nur unterm Mikroskop sehen könnte.

Wie wird so ein Modell hergestellt?

Michael Böckmann: Es werden zunächst Nachbildungen der Lebewesen aus Modelliermasse oder Ton angefertigt. Anschließend wird aus diesen Objekten eine Form hergestellt, welche mit klarem Kunstharz gefüllt wird. Das daraus entstehende Objekt, das fertige Modell, bekommt noch seinen Feinschliff. Die Herstellung der einzelnen Lebewesen hat in der Regel drei bis fünf Tage gedauert. Bei besonders schwierigen Modellen auch mal zwei Wochen.

 

Letzte Hand legt die präparationstechnische Volontärin Elena Peter bei den Cilien ihres Modells eines Glockentieres an. Foto: LWL/Steinweg

Welche Lebewesen gibt es noch zu sehen?

Vanessa Rüttler: Unser „größtes“ Tier im Wassertropfen ist der gemeine Wasserfloh der eine Größe von drei bis vier Millimeter erreichen kann. Unser kleinster Organismus ist das grüne Schwefelbakterium, welches nur einen Mikrometer klein sein kann. Zudem gibt es noch verschiedene weitere Kleinsttiere, Bakterien und Algen

 

Warum werden gerade diese Kleinstlebewesen ausgestellt?

Vanessa Rüttler: Diese pflanzlichen und tierischen Wasserlebewesen stehen am Anfang der Nahrungskette. Auf ihnen baut alles Leben auf. Da lohnt sich ein genauerer Blick.

 

Hintergrund zur Ausstellung

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab dem 30. September 2016 die inklusive Sonderausstellung "Wasser bewegt - Erde Mensch Natur". Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucher, welche Herausforderungen der Lebensraum Wasser birgt. In der Ausstellung werden Lebewesen vorgestellt, die perfekt an das Leben im Wasser oder an Leben ohne Wasser angepasst sind. Besucher aller Altersgruppen erleben die Schönheit, Kraft und die Bedeutung des Wassers für die Erde. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellem Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.

LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster. Weitere Infos unter Telefon: 0251 591 6050 (Servicezeiten: Mo-Fr 8.30-12.30 Uhr, Mo-Do 14-15.30 Uhr).