"Dinosaurier - Die Urzeit lebt"

Eine Dauerausstellung im LWL-Museum für Naturkunde

Die Dinosaurier sind zurück im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ist seit dem 26. September eine seiner Hauptattraktionen wieder zu sehen: Auf 850 Quadratmetern machen über 400 Exponate Leben und Evolution von Dinosauriern und anderen Tieren der Urzeit begreiflich.
Besucher können in der Dauerausstellung "Dinosaurier - Die Urzeit lebt!" unter anderem sieben neue lebensgroße Raub-Dinosaurier sehen. "Unsere Dino-Ausstellung hat sich gemausert, denn wir geben den Raubsauriern ihre Federn zurück", sagte LWL-Direktor Matthias Löb am Donnerstag (25.9.) in Münster. Die nach jüngsten Forschungsergebnissen rekonstruierten Modelle zeigen die Tiere nicht mit nackter Reptilienhaut sondern in prächtigem Federkleid.

In der Ausstellung liegt ein deutlicher Akzent auf den Feder-Dinos. "Fünf der Modelle sind in den eigenen Präparationswerkstätten des LWL entstanden. Damit ist unser Museum eines der wenigen Häuser, die diese neuen Erkenntnisse über befiederte Dinosaurier in einer großen Ausstellung umgesetzt haben", erklärte Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks. "Paläontologen in Westfalen finden immer wieder seltene Fossilien. Das LWL-Museum zeigt, was heutzutage alles möglich ist, um versteinerten Knochen neues Leben einzuhauchen."

Die Federdinosaurier, neun interaktive Medien- und Mitmach-Stationen sowie elf Animationen und Filme vermitteln das Leben vor mehr als 66 Millionen Jahren. Das LWL-Museum hat auch bei dieser Ausstellung mit Prof. Cordula Hesselbarth vom Fachbereich Design der Fachhochschule Münster zusammen gearbeitet. 13 Studentenarbeiten sind in der Ausstellung zu sehen.

Gezeigt werden die großen Skelette von Tyrannosaurus rex, Allosaurus, Iguanodon, Stegosaurus und Camarasaurus. Daneben sind auch die seltenen Originale von über 185 und 200 Millionen Jahre alten, weltweit einmaligen Schwimmsaurierskeletten zu finden. Rund 100 der 400 Ausstellungsstücke stammen aus Westfalen wie etwa die ungewöhnliche Vielzahl an Südelefantenzähnen oder die Knochen von Raubdinosauriern. Löb: "Westfalen war Saurierland." Und auch den Asteroideneinschlag, der letztlich zum Ende der Ära der Dinosaurier führte, stellt die Ausstellung mittels eines Gesteinsblocks und zahlreicher im Comicstil gehaltener Grafiken dar.

Die Ausstellung folgt dem Prinzip des "Aktualismus". Dabei werden die ausgestorbenen Dinosaurier mit heute lebenden Tieren wie einem Pottwal verglichen - sein 15 Meter langes Skelett ist zu sehen - und Rückschlüsse auf Aussehen und Verhalten gezogen (=Aktualismus). Die Besucher entdecken, wie die Vögel das Fliegen und die Wale sowie die Echsen das Schwimmen lernten und warum die heutigen Vögel als legitime Nachfahren der Dinosaurier gelten dürfen.

Der Paläontologe Dr. Tom Hübner erstellte gemeinsam mit dem Zoologen Dr. Jan Ole Kriegs in rund zweijähriger Vorbereitungszeit das Konzept für die neue Ausstellung.

Unterstützt wurden sie dabei von dem langjährigen Mitarbeiter des LWL-Museums für Naturkunde, dem Paläontologen Dr. Klaus Peter Lanser.

Hübner hat sich auf Dinosaurier spezialisiert. "Mein Lieblingsdinosaurier ist der Stegosaurus. Er galt lange als träge und dumm, da er ein walnussgroßes Gehirn besaß. Nach heutigem Stand waren Dinosaurier aber hochentwickelte Reptilien, die ein ähnlich vielfältiges Verhalten an den Tag legten wie heutige Tiere, und das zeigen wir auch deutlich in der Ausstellung", so Hübner.

Ein Riese unter Riesen - Pottwal

"Den Besucher erwarten zahlreiche Überraschungen", sagt Ausstellungsmacher Dr. Tom Hübner. Kaum ist der Eingangsbereich mit seinen Themen "Forschung, Forscher und Evolution", "Aktualismus", "Bildung von Versteinerungen" und "Was ist ein Dino" durchschritten, trifft der Besucher auf einen Pottwal. Es handelt sich um das 1.300 Kilogramm schwere Skelett des Pottwals, der 2011 vor der Küste Schleswig-Holsteins gestrandet war. Er wurde vom LWL-Chefpräparator Werner Beckmann geborgen und präpariert.

Für die Dino-Schau ist das Skelett nun montiert. Dabei stellten die frei schwebende Konstruktion des Skeletts und das enorme Gewicht der Knochen Beckmann vor eine besondere Herausforderung. Anschließend wurde das fertig montierte Skelett in Höhe der Besucher aufgehängt. "Das haben wir bewusst so gemacht", sagt Hübner und erläutert: "Blinde und sehbehinderte Menschen sollen das Exponat im Rahmen von museumspädagogischen Programmen anfassen und so eine Vorstellung von der Größe eines derartigen Tieres entwickeln können."

⇑ Zum Seitenanfang

Der Dino im Vorgarten

Dinosaurier tummeln sich heute in Vorgärten, denn Vögel zählen zu den Dinosauriern, sagt Dr. Jan Ole Kriegs, Vogelexperte im LWL-Museum für Naturkunde. Er beschäftigt sich mit den Aspekten der Evolution und Verwandtschaft. Diesen Themen hat er einen eigenen Ausstellungsbereich gewidmet. Hier erfahren Besucher, wie Dinosaurier zu Vögeln wurden und wozu die Tiere der Urzeit ihre Federn benötigten. "Vögel gehören zu den einzigen überlebenden Dinosauriern und sind mit heute über 10.000 bekannten Vogelarten erfolgreicher denn je", sagt Kriegs.

Inzwischen haben Forscher eine ganze Anzahl von Übergangsformen zwischen Dinosauriern und Vögeln gefunden. "Merkmale, die früher einzig den Vögeln zugeordnet wurden wie Federn, ein Gabelbein oder ein reduzierter Schwanz, sind heute allesamt auch bei Dinosauriern bekannt", erläutert Kriegs. Die meisten der befiederten Dinosaurier waren laut Wissenschaftlern entweder reine Bodenbewohner oder sie kletterten in Bäumen herum.

⇑ Zum Seitenanfang

Befiederter Räuber - Deinonychus

Ein wichtiger Höhepunkt der Ausstellung ist das befiederte Modell eines Deinonychus. Ein anderes, jedoch unbefiedertes Modell dieser Art, zeigte das LWL-Museum bereits in seiner alten Ausstellung. Nun stehen sich befiederter und unbefiederter Dino gegenüber, um dem Publikum die Weiterentwicklung der Forschung in dem Bereich der Dinosaurier vor Augen zu führen. Stephen Czerkas, Modellbauer aus Blanding im US-Bundesstaat Utah, fertigt ausgesprochen naturgetreue Modelle befiederter Dinosaurier an. Als das LWL-Museum für Naturkunde in Münster das Modell eines Deinonychus suchte, wurde es bei Czerkas fündig.

⇑ Zum Seitenanfang

"Westfalen war Saurierland"

Durch seine Forschungstätigkeit konnte LWL-Paläontologe Dr. Klaus-Peter Lanser bedeutende Funde aus der Region Westfalen-Lippe beisteuern. Das LWL-Museum für Naturkunde ist als einziges Museum weltweit im Besitz eines Gesteinsblocks, der Zähne und Knochen von über 80 Südelefanten sowie Zähne von Flusspferden, Rindern, Nashörnern, Wühlmäusen und Hirschen zeigt. Mehrere dieser zirka zwei Millionen Jahre alten Gesteinsblöcke wurden 2007 im Bereich des Haarstrangs (Kreis Soest) geborgen und im LWL-Museum präpariert. Weitere Fossilfunde aus 450 Millionen Jahren Zeitgeschichte verdeutlichen den Besuchern in den Ausstellungsbereichen "Fossilien aus Westfalen" oder "Zurück ins Meer", dass es auch in Westfalen eine vielfältige Tierwelt gegeben hat. Eine interaktive Karte bietet den Besuchern eine Übersicht der wichtigsten Funde in Westfalen.

⇑ Zum Seitenanfang

Deutschlandweit einmaliger Schwimmsaurier erstmals ausgestellt

2013 entdeckte ein Hobby-Paläntologe das Skelett eines kleinen Plesiosauriers (Paddelechse, Meeresreptil) in der Nähe des ostwestfälischen Bonenburg. Mit etwa 201 Millionen Jahren handelt es sich vermutlich um den ältesten fossilen Fund eines Plesiosauriers in Deutschland. Der Sammler meldete den Fund dem LWL-Museum für Naturkunde. Kurz darauf rückten die Präparatoren des Hauses zur Bergung des Fundes aus. Den größten Teil des Skelettes konnten sie retten.

Der Fund wurde von der Bauchseite her freigelegt und zeigt die Wirbelsäule mit dem zurückgebogenen Hals und dem Kopf.

Einen Namen hat das Tier noch nicht, aber die wissenschaftliche Untersuchung des Fundes ist bereits angelaufen. Jetzt wird es im LWL-Museum für Naturkunde erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

⇑ Zum Seitenanfang

Ein Ende mit Schrecken für die Erdbewohner - Kreideblock aus Dänemark

Gegen Ende der Ausstellung findet der Besucher in dem Bereich "Aussterben" einen unscheinbaren Gesteinsblock, der auf einer Säule steht, umrahmt von Stelen. Eine dunkle Linie unterteilt den Block waagerecht in zwei Teile. Es handelt sich um ein Stück Kreidefelsen von der dänischen Küste. Er markiert die große Katastrophe am Ende der Kreidezeit, bei der viele Dinosaurier, die großen Meeresreptilien, die Ammoniten und viele andere Lebewesen ausstarben.

Die dunkle, dünne Tonschicht mit einer hohen Konzentration an Iridium und Asche ist etwa 66 Millionen Jahre alt. Eine hohe Konzentration des sonst hauptsächlich in Meteoriten vorkommenden Metalls Iridium verrät, dass damals ein riesiger Gesteinsbrocken auf die Erde stürzte und die Erde mit einer dichten Asche- und Staubwolke umhüllte. Er löste das damalige Massensterben der Dinosaurier und anderer Tiere aus.

⇑ Zum Seitenanfang

Allgemeine Hinweise

LWL-Museum für Naturkunde
Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium

Sentruper Str. 285 | 48161 Münster
Telefon 0251.591-05
Telefax 0251.591-60 98

E-Mail naturkundemuseum@lwl.org
Internet www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de

Geöffnet: Di-So (und feiertags), 9-18 Uhr
Eintritt: Hier klicken!