Arbeiten von Design-Studierenden im LWL-Museum für Naturkunde

Projekte von Studierenden der FH Münster in Dinosaurier-Ausstellung

Die Dinosaurier haben nach mehrjähriger Pause das LWL-Museum für Naturkunde in Münster erfolgreich zurück erobert. Bereits über 40.000 Besucher haben in den ersten zwei Monaten gesehen, wie sich Dinosaurier und andere Urzeitwesen entwickelten, lebten und ausstarben – aber das ist bei Weitem noch nicht alles! An der Ausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) waren viele Kooperationspartner beteiligt. So auch der Fachbereich Design der Fachhochschule Münster.

Im Sommersemester 2013 hielten die Urzeitriesen Einzug in das Seminar „Dinosaurier und Evolution“ von Prof. Cordula Hesselbarth. „Das Seminar stieß auf große Begeisterung bei Studierenden aus allen Schwerpunkten“, sagt Hesselbarth. Die über 20 Kursteilnehmer stellten sich Fragen wie „Wie entsteht überhaupt eine Art?“ oder „Sahen die Kontinente schon immer so aus wie heute?“ und beleuchteten das Thema aus vielen Blickwinkeln. „Die Studentinnen und Studenten erarbeiteten humorvolle, metaphorisch-erzählerische, oder auch sachlich-informative Lösungen für ihre jeweiligen Projekte. Für die Museumsbesucher entstanden Filme, Interaktive-Lernspiele, Rauminszenierungen oder Ausstellungsstationen“, erklärt Hesselbarth. Die Ausstellungsstationen der Studierenden sind in allen Bereichen der Ausstellung zu finden.

Bereits seit dem Jahre 1997 arbeiteten der Fachbereich Design der Fachhochschule Münster und das LWL-Museum für Naturkunde erfolgreich zusammen an verschiedensten Ausstellungen, wie z.B. „Bionik“, „Wale – Riesen der Meere“ und zuletzt auch „Sex und Evolution“. : „Wesentliches Element und Lernziel für die Studierenden ist die Praxiserfahrung. Sie lernten in der Zusammenarbeit mit den Museumsmitarbeitern den Ausstellungsbetrieb kennen und erhalten wertvolle Einblicke hinter die Kulissen des Museums“, sagt Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks zu der Kooperation.

Bei den komplexen Themen bekamen die Studierenden Unterstützung: die Wissenschaftler/innen des LWL-Museums, der Ausstellungsleiter, die Werkstatt-Mitarbeiter/innen und Ausstellungsmacher/innen ermöglichten eine professionelle Realisation der Entwürfe.

Insbesondere in der Realisierungsphase ist es die Aufgabe des Ausstellungsleiters, die Projekte bezüglich der Architektur, der Größe und der Gestaltung unter dem Aspekt der Realisierung, des finanziell und technisch Machbaren und der harmonischen Einbringung in die Gesamtgestaltung der Ausstellung voranzubringen. Die Wisssenschaftler/innen prüfen hierbei fortlaufend die Korrektheit der Inhalte. Die Zusammenarbeit und die gewonnene Erfahrung führen zu einer ständigen Qualitätssteigerung der Ausstellungsprojekte.

 

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Eine Auswahl der Arbeiten aus dem Seminar von Prof. Cordula Hesselbarth im Einzelnen

Erdzeitalter, Klima und Plattentektonik

Eine Ausstellungsstation von Mara Kangeris, Katrin Keiser und Joana Peter

Katrin Keiser hat das Gesamtkonzept des Aufbaus erarbeitet. In diesem Ausschnitt einer "Spirale des Lebens" zeigt Frau Keiser im Außenkreis einen Zeitstrahl zum Thema Klima und Erdatmosphäre. Der Internationale Code der Erdgeschichte wurde von Frau Keiser überarbeitet und neu grafisch gestaltet und an den internationalen gültigen Farbcode angelehnt. Keiser hat sich in dieser über 7 m großen Grafik mit dem Thema Klima stark auseinandergesetzt. Man kann an der Klimakurve entlanggehen und bekommt so einen Eindruck von dem ständigen Wechsel und den extremen Klimaschwankungen auf der Erde.

Mara Kangeris hat eine Zeitreise durch die Erdgeschichte in Form eines Innenkreises grafisch gestaltet. In dieser sehr Grafik, die eine Gesamtlänge von 14,5 m aufweist, ist optisch durch viele Einzelgrafiken die Entstehung des Lebens, die zunehmende Vielfalt der Tiere und die Entwicklung der Pflanzenarten in der erdgeschichtlichen Reihenfolge zu sehen. Der Besucher bekommt auch ohne Texte zu lesen einen Eindruck von der Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten.

Wieso passen die Kontinente von Südamerika und Afrika wie Puzzlestücke zusammen? Was hat es mit der Plattentektonik auf sich? Joana Peter hat sich mit der didaktischen Umsetzung des Themas „Plattentektonik“ beschäftigt. In Ihrem Projekt zeigt sie beispielhaft fünf Epochen, die die Lage der Kontinente bis zum heutigen Aussehen der Erde vorstellen. In der grafischen Ausarbeitung hat sie Unterstützung durch Ihre beiden Kommilitonen bekommen.

 

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Der Fächer der Artenvielfalt

Ein interaktives Programm von Tina Lucht und Gesine Dembinski

Was ist eigentlich eine Art? Wie viele Arten gibt es? Und in welchem Zeitraum könnten sie entstanden sein? Diesen Fragen gehen die beiden Studentinnen Tina Lucht und Gesine Dembinski in ihrer interaktiven Anwendung auf den Grund. Der „Stammbaum des Lebens“ – erscheint riesig, kompliziert verästelt, mit komplizierten Namen und verwirrenden Verwandtschaftsverhältnissen. Genau das wollten die beiden Designstudentinnen in ihrem Projekt vermeiden. „Trotz der hohen Komplexität des Themas war es uns wichtig, den Besucher nicht durch die Fülle der Informationen zu überfordern, sondern spielerisch an das Thema heranzuführen und dabei die Freude am Entdecken zu wecken“, erklärt Tina Lucht. Dabei helfen zahlreiche, schnell erfassbare Piktogramme, die den Besucher durch die Anwendung leiten. Die besondere Form dieses Tortendiagramms mit „Aufklappseiten“ wirkt übersichtlich, sodass auch Besucher ohne Vorkenntnisse schnell einen Einstieg in das Thema finden können.


Warum sind die Dinosaurier ausgestorben?

Ein Projekt von Carola Sieverding

Wie konnte es passieren, dass die Gattung der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren vom Erdboden verschwand? Führten mächtige Vulkanausbrüche dazu? Oder sind sie durch eine Krankheit umgekommen? Diese heiß diskutierten Fragen beschäftigt seit Jahren die Welt der Wissenschaft und scheint – bis heute – nicht vollständig beantwortet werden zu können. Diesen Fragen geht Carola Sieverding in ihrer Ausstellungsstation nach. In Form von drehbaren Informationstafeln zeigt sie zwölf verschiedene Ansätze zum Thema „Ich beleuchte auf humorvolle Weise die zum Teil skurrilen, zum Teil ernstzunehmenden Theorien über das Ableben der Riesenechsen“, erklärt Sieverding ihre Arbeit. Das Herzstück ihrer Ausstellungsstation zeigt einen Bohrkern mit Sedimentschichten aus dem Ende der Kreidezeit, in der man deutlich die Iridiumschicht erkennen kann, die als sicherer Beweis für den Meteoriteneinschlag gilt.

 

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Der Plesiosaurier

Ein Projekt von Inga Juliane Krause

Das LWL-Museum für Naturkunde zeigt in der Ausstellung ein zwölf Meter langes und nahezu vollständiges Plesiosaurierfossil. Plesiosaurier, ausgestorbenen Meeresreptilien, lebten von der späten Obertrias bis zum Ende der Kreide. Sie sind gleichzeitig mit den Dinosauriern ausgestorben. Doch wie sahen sie aus, was fraßen sie und wie bewegten sie sich fort?
Das Fossil, die Versteinerung des Tieres, war für die Designstudentin Inga Juliane Krause Ausgangspunkt für ihr Projekt über die Meeresgiganten. Sie fertigte ein Lebensbild des Reptils in Aquarellmalerei an. Ihr Bild von fünf Meter Breite hängt nun über der Steinplatte, in der das Skelett eingebettet ist. „Der Besucher kann auf dem Bild die besondere Fortbewegungsweise des Tieres kennenlernen: Den ´Unterwasser-Flug`, der auch von heutigen Pinguinen und Meeresschildkröten praktiziert wird“, sagt Krause.


Die Geschichte der Evolutionsbiologie

Ein Projekt von Marie-Therese Schlierkamp

Wie sind wir entstanden? Wann gab es welche Vorstellungen zum Ursprung des Lebens? Unser Wissen über den Ursprung des Lebens, vermittelt durch die Evolutionstheorie, entstammt nicht einfach der Idee eines einzelnen Wissenschaftlers, sondern ist eine über einen längeren Zeitraum entstandene Erkenntnissammlung, beeinflusst durch unterschiedlichste Zeiteinflüsse und andere Forscher bzw. Forschungsergebnisse. Der Evolutionsgeschichte hat sich Studentin Marie-Therese Schlierkamp in der Ausstellung gewidmet und ein Ausstellungskonzept für ihre Station entwickelt, welches die Zweidimensionalität eines historischen Zeitstrahls aufhebt und die Evolutionsgeschichte räumlich erlebbar macht. Bekanntes Wissen über Darwin, seinen Ausdruck „Survival of the fittest“ oder die Schöpfungsgeschichte der Bibel werden hierbei aufgenommen, weitere Ereignisse und Theorien aufgeführt und die heutige wissenschaftliche Evolutionssicht dargestellt.


Fluginsekten aus dem Karbon

Ein Projekt von Nellja Wagner

In ihrer Arbeit richtet die Studentin Nellja Wagner ihr Augenmerk auf fossile Funde aus der Region Westfalen-Lippe, zu denen auch Urflügler, wie etwa Libellen mit mehr als 32 Zentimetern Flügelspannweite, gehören. Die Ausstellungsstation umfasst nicht nur die versteinerten Überreste aus der Region, sondern gibt auch Einblicke in die Eroberung des Luftraums durch diese Insekten und deren Rekonstruktion. Mit Hilfe der vorhandenen fossilen Funde des LWL-Museums für Naturkunde fertigte die Studentin Rekonstruktionsabbildungen an. „Eine der wichtigsten Aufgaben bestand darin, die Urinsekten visuell authentisch und gleichzeitig ansprechend für die Besucher darzustellen und dabei die große Bedeutung des Fliegens hervorzuheben“, sagt Wagner. Fliegen - mit dieser Fortbewegungsart änderte sich die Lebensweise der Tiere und eröffnete neue Nische für andere Arten. Schnell entwickelten sich verschiedene Flugtechniken, Flügelfaltungen, Flügelstrukturen, Jagdtechniken. „Die besten davon setzten sich durch und finden sich heute noch wieder“, so Wagner.

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Paläontologie gestern und heute

Eine Station von Nina-Christin Lübbers und Sarah-Loren Berenbrinker

Das Projekt der beiden Studentinnen Nina-Christin Lübbers und Sarah-Loren Berenbrinker beschäftigt sich mit der Geschichte der Paläontologie und den Menschen dahinter. Sie zeigen auf, wie offensiv es in der Welt der Wissenschaft zugehen kann. Dazu entwarfen sie ein Zimmer eines fiktiven, dem Besucher unbekannten, Paläontologen. Auf einer Wand findet sich der „menschliche“ Aspekt der Arbeit. Über fingierte Zeitungsausschnitte kann man den Wandel von Weltanschauungen nachverfolgen. Über drehbare Porträts erhält der Besucher Kurzbeschreibungen von einigen bekannten Paläontologen. „Da auch Paläontologen untereinander hin und wieder streiten, greifen wir das Thema Rivalität auf einem Plakat auf“, sagt Berenbrinker. Sie stellt mit ihrer Kollegin die sogenannten „Bone Wars“ vor, eine sowohl wissenschaftliche, als auch persönliche Auseinandersetzung zwischen zwei Paläontologen. „Über die Jahrzehnte wandelte sich das Bild von den Tieren der Urzeit stark, egal ob bei Fressgewohnheiten, Lebensraum oder äußerlicher Erscheinung dieser Tiere“, erläutert Lübbers.


Wie die Tiere wurden was sie sind

Eine interaktive Anwendung von Lisa Henke und Pascal Nöldner

Der Evolution auf der Spur. „Wie Tiere wurden was sie sind“ ist ein interaktives Entdeckerbuch, von Lisa Henke und Pascal Nöldner. „Wir versuchen der Frage nach der Entstehung der Arten auf die Schliche zu kommen“, stellt Henke das digitale Buch vor. „In vier Kapiteln werden die wichtigsten Aspekte der Evolutionstheorie auf spielerische Art und Weise erläutert“, ergänzt Nöldner. Das Buch geht in seinen Kapiteln ein auf Themen wie natürliche Selektion mit Beispielen der Selektionsfaktoren, „Tarnung“ und „Fitness“ und sexuelle Selektion. Die beiden Studierenden zeigen auch den Gendrift als unberechenbare oder den Genpool stark beeinflussende Kraft. Schließlich enthält das digitale Werk weitere Bonuskapitel, die Missverständnisse und weiterführende Fragen zu beantworten versucht. Henke: „Durch eingebundene Videos und Minispiele wird nicht nur der Forscherdrang der Museumsbesucher geweckt, sondern es soll auch ein Aha-Effekt ausgelöst werden. Wir wollen helfen, dass sich die Besucher die teilweise schwierigeren Sachverhalte schnell aneignen können.“

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Rotkehlchen und Raptoren. Welche Farben hatten eigentlich Dinosaurier?

Eine Station von Philip Drabits

Welche Körperfarbe hatten Dinosaurier? Waren sie grün, braun, bunt oder farblos? Während von ausgestorbenen Tieren durch Funde von Versteinerungen bereits viel über ihr Aussehen bekannt ist, haben die meisten Farbpigmente die Zeiten nicht überstanden. Der Designstudent Philip Drabits bearbeitete diese Aufgabenstellung, indem er, anstatt zu raten, sich von den Nachfahren der Dinosaurier inspirieren ließ: von den Vögeln. So fertigte er mehrere Vergleichsgrafiken von Dinosauriern im Vorgelkleid von beispielsweise Kohlmeise, Amsel oder Vogel Strauß an. Dabei achtete er darauf, dass die Lebensweise und die Anatomie dem ausgestorbenen Tier ähnelten. „Die unterschiedlichen Farbgebungen sind fast immer an einen Zweck gebunden. Sind sie grell und auffällig, dienen sie meist zu Paarungs und Kommunikationszwecken mit Artgenossen. Bei dunklen und erdigen Abstufungen lässt sich auf den Zweck der Tarnung schließen“, erklärt Drabits.


Charles Darwin

Eine Ausstellungsstation von Stephan Wochnowski

Die Arbeit zu Charles Darwins Biographie soll dem Besucher den Entstehungsprozess von dessen Veröffentlichung „On the Origins of Species“ vermitteln. Hierzu wurde von dem Studenten Stephan Wochnowski sowohl die Reise auf der HMS Beagle als auch die Auswirkungen der Theorie thematisiert. Wochnowski legte seinen Schwerpunkt sowohl auf Darwin als Person als auch auf die Ereignisse, welche zu Darwins Evolutionstheorie führten. Die Arbeit stellt außerdem den Rahmen für die Projekte von Pascal Nöldner, Lisa Henke sowie  Mathis Claßen dar. Repräsentativ für Darwins Werk und den Meilenstein der Wissenschaft, den er schuf, wurde eine Arbeitszimmeratmosphäre mit ausgestellten Präparaten geschaffen. „Außerdem konnte ein Bezug zum LWL-Museum für Naturkunde durch das Ausstellen des Dankesbriefs von Darwin hergestellt werden, was dem Besucher die historische Person auf einer persönlichen Ebene näherbringen soll“, so Wochnowski.

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Allgemeine Hinweise

Die Arbeiten der Studierenden können jeweils dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr in der Ausstellung „Dinosaurier – Die Urzeit lebt!“ im LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster, betrachtet werden.