Walmodelle

Whale Watching in Westfalen

Ein Highlight der Ausstellung „Wale – Riesen der Meere“ sind die lebensechten Walmodelle im Maßstab 1:1, die sowohl im großen Einstimmungssaal als auch in den anderen Bereichen der Walschau zu sehen sind. Insgesamt sechs Tiere haben die Ausstellungsmacher bei der renommierten Modellbaufirma Atelier Pennaneac'h in Frankreich in Auftrag gegeben.

Die lebensgroßen Objekte eines Nordkarpers (Eubalaena glacialis), Schwertwals (Orcinus orca), Buckelwals (Megaptera novaeangliae), Amazonasdelfins (Inia geoffrensis), Narwals (Monodon monocerus) und eines Belugas (Delphinapterus leucas), wurden in Handarbeit extra für die Sonderausstellung des LWL-Museums für Naturkunde in Münster angefertigt und sind dadurch Deutschlandweit einzigartig.

Ganze 14 Monate dauerte der Herstellungsprozess vom ersten Entwurf bis zum fertigen Objekt. Die Kopf- und Ganzkörpermodelle aus Styropor und Fieberglas veranschaulichen auf eindrucksvolle Weise die Anatomie und Lebensweise unterschiedlicher Walarten und bringen so dem Besucher die gigantischen Meeressäuger näher.

Im Mai 2012 konnten die Ausstellungsmacher des Naturkundemuseums die sechs Meeresriesen in Empfang nehmen. Kurz vor der Ausstellungseröffnung – Ende August 2012 -  kam das französische Team der Modellbaufirma noch einmal nach Münster, um den Walen eine auffrischende kosmetische Behandlung zu verpassen. Mit Pinsel und Skalpell setzten sie den Meeresriesen fehlende Augen ein, beseitigten Schmutz und Unebenheiten und retuschierten Kratzer in der Farbschicht.

Das vier Meter hohe Kopfmodell eines aus dem Wasser springenden Buckelwals benötigte besondere Aufmerksamkeit: Bei der Anlieferung im Frühjahr passte eine Hälfte des zweiteiligen Exponates nicht durch die Tür des Ausstellungssaals. Nach mehreren Dreh- und Wendeversuchten, sägten die Modellbauer in Stück im Bereich des rechten Auges ab. Die fehlende Ecke klebten sie nun wieder an und übermalten mit einem feinen Pinsel die Schnittstellen. Außerdem kontrollierten und verstärkten sie die dünnen Klebenähte zwischen den zwei Hälften, damit das Modell bis zum Ausstellungsende, am 3. November 2013, überdauern kann.

Um die typische Ernährung eines Bartenwals darzustellen rührten die Modellbauer für das 2,6 Meter hohe Kopfmodell des Nordkapers eine Mischung aus durchsichtigem Klebestoff und kleinen Futterkrebsen aus dem Zoogeschäft an. Diese Masse verteilten sie in dem offenen Maul.

Details zu den Modellen und abgebildeten Wal-Arten:

Nordkaper (Eubalaena glacialis)
Das 2,6 Meter breite und sechs Meter lange Kopfmodell eines Nordkapers zeigt das Tier in der auftauchenden Position. Das Maul ist geöffnet, so dass die Besucher die Nahrung des Säugetiers sehen können. Die Nordkaper in der freien Natur werden bis zu 18 Meter lang und 90 Tonnen schwer. Sie zählen zu den Glattwalen, einer Familie riesiger Planktonfresser, die anders als die Furchenwale (z.B. Blauwal) keine Furchen am Unterkiefer und keine Rückenflosse (Finne) besitzen, also glatt aussehen. Die Tiere leben im Sommer in subpolaren Regionen und im Winter in gemäßigten Breiten.
Ihr Merkmal ist ihr riesiges, gebogenes Maul, von dessen Oberkiefer lange Barten hängen, die bis zu 2,7 Meter lang werden können. Damit filtern die Wale kleinste Lebewesen, wie beispielsweise kleine Krebse, aus dem Wasser, indem sie mit geöffnetem Maul durch die Schwärme hindurch schwimmen. Außerdem zeichnen sich die Nordkapern durch die weißlichen Beulen rund um das Maul aus, dessen helle Färbung von Ansammlungen kleiner Walläuse stammt, die auf den eigentlich dunklen Schwielen des Walmaules sitzen.
 

Schwertwal (Orcinus orca)
Das 1,6 Meter breite und 4,5 Meter lange Kopfmodell des Schwertwals, der auch Orca genannt wird, zeigt das Tier mit geöffnetem Maul sowie die Finne (Rückenflosse) und die Flipper (Seitenflossen). Die Orcas sind bekannt für ihre besondere schwarz-weiße Färbung und gehören zu der Familie der Zahnwale. Die Säuger sind intelligente Jäger, deren verschiedene Populationen sich auf unterschiedliche Jagdstrategien und Nahrungsquellen spezialisiert haben. Die Schwertwale sind weltweit verbreitet. Je nach Region bevorzugen sie unterschiedliche Beute, zum Beispiel Seelöwen. Die Männchen werden bis zu neun Meter lang und können ein Gewicht von rund sechs Tonnen erreichen. Die Weibchen sind mit bis zu acht Metern etwas kleiner und wiegen bis zu vier Tonnen. Die Orcas können 50 bis 90 Jahre alt werden.

Buckelwal (Megaptera novaeangliae)
Namengebend für diese Walart ist ihr Buckel auf dem Rücken, der beim Abtauchen an der Wasseroberfläche zu sehen ist. Der Buckelwal wird den Bartenwalen zugeordnet. Sie weisen eine außergewöhnliche Jagdstrategie auf, bei der ein Netz aus Luftblasen gebildet wird. Das 4,5 Meter hohe und rund sieben Meter breite Kopfmodell des Buckelwals zeigt das Tier in einer zum Sprung auftauchenden Position. Dadurch wir auch die Seitenflosse, der sogenannte Flipper, dargestellt. Solche Sprünge zeigen vor allem die Männchen während der Paarungszeit. Vermutlich gehören sie zum Balz- und Imponierverhalten der Tiere.
Die riesigen Säugetiere sind in allen Weltmeeren vertreten und als große Sänger der Meere bekannt. Die Tiere singen sehr komplexe Strophen, die bis zu 20 min lange dauern können.
Sie halten sich während ihrer Wanderungen in küstennahen Gewässern auf und sind dadurch eine der besten erforschten Walarten. Die einzelnen Buckelwale lassen sich anhand ihrer Schwanzflosse, der sogenannten Fluke unterscheiden. Die Form der Flosse, mit ihrer Färbung und Einkerbungen, sind wichtige individuelle Erkennungsmerkmale und vergleichbar mit dem menschlichen Fingerabdruck. Die Säugetiere werden bis zu 17 Meter lang und erreichen ein Gewicht von 40 Tonnen. Sie ernähren sich von Fischen und kleinen Krebsarten.
 

Amazonasdelfin (Inia geoffrensis)
Das Ganzkörpermodell des Amazonasdelfins repräsentiert die Süßwasserdelfine. Diese Spezies, die auch Boto genannt wird, ist eine bisher recht unbekannte Gruppe der Wale, die jedoch aufgrund ihrer interessanten Lebensweise und des stark bedrohten Lebensraums Platz in der Sonderausstellung findet. Das 2,5 Meter lange Modell des Botos soll durch ein Amazonasschaubild in seinem natürlichen Lebensraum präsentiert werden.

Die südamerikanischen Botos sind mit durchschnittlich zwei Metern Körperlänge die Größten unter den Flussdelfinen. Sie können 120 bis 180 Kilogramm schwer werden und leben in den Flusssystemen von Amazonas und Orinoco, in Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Brasilien. Botos sind hochspezialisierte Jäger und perfekt an das Leben in trüben und seichten Flüssen angepasst.
Sie orientieren sich bevorzugt durch Sonar - sie senden dabei Schallwellen aus und orten Gegenstände unter Wasser, welche diese Schallwellen reflektieren. So wirbeln sie beim Jagen den Sand des Flussbettes mit den Schnauzen auf und durch das hin und her bewegen des Kopfes suchen sie mit dem Echo die Nahrung. Der Körper der Botos ist sehr flexibel, denn ihre Halswirbel sind nicht verwachsen wie bei anderen Walen. So ist es ihnen möglich, den Kopf in alle Richtungen zu bewegen. Charakteristisch ist die rosafarbene Haut der erwachsenen Tiere. An den Ober- und Unterkiefern der Botos befinden sich Borstenhaare, die eine ähnliche Tastfunktion besitzen wie die Schnurrhaare von Katzen oder Mäusen.
 

Weißwal (Delphinapterus leucas)
Weißwale, die auch Belugas genannt werden, gehören zu den Zahnwalen und leben in arktischen Gewässern. Ihr Erkennungsmerkmal ist die schneeweiße Haut. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Albinos. Die Tiere sind nach der Geburt noch sehr dunkel gefärbt und erst mit zunehmendem Alter werden sie heller. Durch diese Haut sind Belugas gut im Treibeis und zwischen den Schaumkronen des Meeres getarnt. Im Sommer halten sich die Tiere häufig im Bereich von Flussmündungen auf, um sich zu häuten. Die alte, runzlige und durch Kieselalgen gelb gefärbte Haut, wird dort an Geröllbänken abgescheuert.
 

Narwal (Monodon monocerus)
Diese besondere Art aus der Ordnung der Zahnwale, gilt mit ihrem ausgeprägten Stoßzahn als Ursprung der Legenden und Sagen vom Einhorn. Das Ganzkörpermodell des Narwals ist 4,5 Meter lang, wovon allein der Stoßzahn bereits eine Länge von eineinhalb Meter aufweist. Ausschließlich die männlichen Narwale besitzen diesen Zahn, den sie in Rangkämpfen untereinander einsetzen. Weibchen und Jungtieren fehlt der Stoßzahn dagegen.
Während die Weibchen ein Gewicht von einer Tonne erreichen können werden die Männchen bis zu 1.600 Kilogramm schwer. Die Lebenserwartung dieser Säugetiere liegt bei mindestens 25 Jahren. Der Lebensraum dieser Spezies ist der gesamte Arktische Ozean. Hier leben sie in Gruppen von zwei bis zehn Tieren. Bei Wanderungen können sich auch größere Gruppen zusammenschließen. Narwale ernähren sich von Fischen, Tintenfischen und Krebstieren.