Untersuchung der Sonderausstellung "Wale-Riesen der Meere"

Untersuchung der Sonderausstellung "Wale-Riesen der Meere" durch die Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Im Rahmen des Seminars "Gesten des Zeigens, Grammatiken des Exponierens und museale Repräsentation: Interdisziplinäre Methoden der Museums- und Ausstellungsanalyse"  an der Philosophischen Fakultät des Instituts für Deutsche Philologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde von zwei Studentinnen eine Untersuchung der Sonderausstellung "Wale-Riesen der Meere" durchgeführt.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die Untersuchungsergebnisse vom 11. Juli 2013 vor:


1. Leitfrage

Ist es dem Museum gelungen, das Thema „Wale“ mit geeigneten Mitteln
zielgruppengerecht zu vermitteln?


2. Grunddaten des Museums

• Gründung: 1892 als „Provinzialmuseum für Naturkunde“ durch Prof. Dr.
Hermann Landois
• Bau des aktuellen Gebäudes: 1978-1982 (Architekten: Ernst Fohrer und Werner Klinkhammer)
• Das Museum besteht aus Sonder- und Dauerausstellungen sowie einem Großplanetarium
• Museumsfläche: 4200 qm + 3500 qm Museumshof
• Direktor: Dr. Alfred Hendricks
• Träger: Landschaftsverband Westfalen-Lippe
• Förderer: Westfälischer Naturwissenschaftlicher Verein e.V. (WNV), Verein zur Förderung des Westfälischen Museums für Naturkunde – Landesmuseum und Planetarium – e.V.
• Museumsangebot: Ferienkurse für Kinder und Jugendliche, Vorträge im Museum, Werkstattnachmittage im Museum, Literarische Führungen z.B. „Walbekanntschaften – ein literarischer Tauchgang zu den Riesen der Meere“, Themenführungen z.B. „Wale – Freuynde und Gaesdte“, Informationsaustausch mit Studierenden


3. Sonderausstellung "Wale – Riesen der Meere"

• Zielgruppe: vorzugsweise Familien und Kinder, Schulklassen, Studenten
• Ausstellungsfläche: 1700 qm
• zehn große Themengebiete:
Einstimmungsraum, Groß und Klein, Lebensräume und Wanderungen,
Verwandtschaft und Stammbaum, Evolution, Körperbau, Lebensweise,
Fortpflanzung, Walfang, Bedrohung und Schutz
→ jedes Themengebiet verfügt zudem über weitere Unterthemen
• Besucherzahlen bezüglich der Sonderausstellung: zehn Monate nach der Eröffnung konnten bereits 200 000 Besucher/innen verbucht werden


4. Besucherführungen

• Barrierefreiheit: Rampe, weitläufige Räume, ausreichend Sitzmöglichkeiten
• Führungen für Blinde, Seh- und Hörbehinderte
• gezielte Wegführung von einem Raum in den nächsten ohne
Auswahlmöglichkeiten
• am Ende der Sonderausstellung gibt es die Möglichkeit direkt zum Ausgang zu gelangen oder die Dauerausstellung zu besichtigen, die ebenfalls im Preis inbegriffen ist


5. Konzept und Szenographie

• Bildung und Vermittlung von Wissen
• Ausstellungssprache/Präsentationsform:
nach Martin R. Schärer: stellenweise theatral, doch vor allem didaktisch
nach Jana Scholze: Inszenierung
nach Janelli und Hammacher: Performanz, teilweise Narratologie
nach Juraj Benes: informativ, formativ
nach Friedrich Waidacher und Walter Gräf: systematisch


Beleuchtung:
• künstliches, atmosphärisches Licht je nach Thema
• gleichmäßige Vitrinenbeleuchtung
Gestaltungselemente:
• spezifische Farbgebung der Räume, z.B. beim Themengebiet Körperbau, Unterthema Herz-Kreislauf → rote Farbgestaltung
• ansonsten sind die Ausstellungsräume bläulich gehalten → Meer, Wasser
• zahlreiche Skelette,lebensnahe Modelle sowie „Hands-On“, Medienstationen und Schaubilder


Texte:
• zu jedem Themengebiet gibt es A-, B- und C-Texte
→ A-Texte: relativ lang (meist über 30 Zeilen hinaus)
→ B- und C-Texte: kurz (im Durchschnitt 15-zeilig)
• Position: den Objekten leicht zuzuordnen, stets gut findbar
• B-Texte stellenweise schlecht lesbar (weiße Schrift auf Plexiglas)
• Texte speziell für Kinder in Form eines Wales + anschauliche Abbildungen → leider zu hohe Anbringung


6. Inszenierungen durch Modelle, Medien und "Hands-On"

• naturnahe Modelle unterschiedlich inszeniert
→ erzeugen ein Erlebnisgefühl und vermitteln zugleich auf anschauliche
Weise Wissen
• zahlreiche, kinderfreundliche Medien-, Hör- und Sehstationen sowie „Hands-On“ (teilweise Originale: z.B: die Borsten eines Wales)
• Audioguide zu der Sonderausstellung: 70-85 Minuten

Exponate:
• Fotografien, Präparate, Wal-Skelette, Dioramen, Flüssigpräparate, Grafiken
• die Wale-Modelle sind der Natur nachempfunden, aber entsprechen nicht der originalen Größe

Relation:
• Zwischen Modellen und Grafiken besteht ein ausgeglichenes
Verhältnis (sie nehmen den größten Teil der Ausstellung ein)
• Das Verhältnis zwischen Dioramen, Skeletten und Flüssig-Präparaten ist ebenfalls relativ ausgewogen (sie nehmen im Vergleich zu den Modellen und Grafiken eher wenig Raum in der Ausstellung ein)


7. Kritik

• unmittelbar nach dem „Stimmungsraum“ gab es einen in die Ausstellung integriert erscheinenden Bereich zum Thema „Erdbeben“, der Verwirrung über den Zusammenhang zum Thema „Wale“ stiftete
→ andere Themenausstellung, unglückliche Platzierung
• die von der Decke hängenden Texttafeln sind schwer lesbar, vor allem für Kinder
• die auf Plexiglas bedruckten Texte sind durch die weiße Schrift quasi unlesbar, vor allem, wenn sie auf weißem Kies oder Ähnlichem platziert sind


8. Fazit

• Durch zahlreiche kindgerechte Mit-Mach-Stationen und anschauliche, naturnahe Modelle schafft es das Museum das Thema „Wale – Riesen der Meere“ zielgruppengerecht und somit kinderfreundlich zu vermitteln.
→ die Zielgruppe schließen wir indirekt aus der Gestaltung, da mit den Mit- Mach-Stationen, die zudem kindgerecht ausgerichtet sind, sowie der bunten Farbgestaltung vor allem Kinder angesprochen werden (→ z.B. das Herz-Modell, durch das die Kinder klettern können oder das mediale Futter-Puzzle)
• Zudem ist die Sonderausstellung abwechslungsreich und interessant gestaltet
→ Das Museum stellt somit, ob Sonderausstellung allein oder Sonder- und Dauerausstellung zusammen, ein ideales Freizeiterlebnis für Familien dar und ist bestens zur anschaulichen Wissensvertiefung für Schulklassen geeignet. Die Ausstellung ist in jedem Fall für alle Interessierten empfehlenswert.

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