Moorkundlicher Rundwanderweg

Intakte Niedermoore sind heutzutage selten. Aus bodenkundlicher Sicht sind intakte Niedermoore mit Torfwachstum in hohem Maße schutzwürdige Naturkörper, genauso wie seltene Pflanzen und Tiere. Auch im Gebiet des Großen Heiligen Meeres sind Niedermoore verbreitet.

Der Rundwanderweg hat eine Länge von ca. 2 km und beginnt an der Biologischen Station Heiliges Meer. An den insgesamt 5 Stationen des Rundwanderwegs sind einzelne Holzpfähle aufgestellt worden. Hier lassen sich die jeweiligen Informationen zur Station als QR-Code mit einem internetfähigen Smartphone direkt ablesen.

Station 1

Moorbildung am Seeufer

Niedermoore sind organische Böden, die entstehen, wenn Grundwasser oder Oberflächenwasser im langfristigen Mittel an oder über der Oberfläche steht. Nur dann wird die anfallende Biomasse aus Wurzeln, Ästen, Blättern und Sprossen nicht vollständig zersetzt und als Torf abgelagert.

In Nordrhein-Westfalen haben sich Niedermoore seit dem Ausklingen der letzten Kaltzeit vor mehr als 10 000 Jahren entwickelt. Sie entstanden durch Verlandung offener Gewässer (Großes Heiliges Meer), Versumpfung bei ansteigendem Grundwasser (Feuchtwiesen östlich des Großen Heiligen Meeres), durch Überflutung an den Rändern von Talauen
sowie kleinflächig durch Überrieselung an Hängen und Quellen (Mittelgebirge). Dabei besteht der Torf je nach der darauf wachsenden
Vegetation aus Holzresten, Torfmoosen, Gräsern, Schilf, Binsen, Fieberklee, Farnen oder Schachtelhalmen. Niedermoore speichern 500 – 1 500 t Kohlenstoff pro Hektar und damit etwa 10 – 15 Mal mehr Kohlenstoff als mineralische Böden.

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Station 2

Heide auf armem Sand

Westlich und nördlich vom Großen Heiligen Meer finden sich Heideflächen, die sich im Laufe von Jahrhunderten durch intensive Nutzung des Waldes und der Streulage entwickelten. Die Böden sind hier sehr nährstoffarme Podsole. Sie sind oben gebleicht und weisen darunter Humus- und Eisenanreicherungen auf.

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Station 3

Schilfgürtel Weidengebüsch und Erlenbruchwald

Rund um das Große Heilige Meer hat sich ein feingliedriges Mosaik unterschiedlicher Moorstandorte entwickelt. In unmittelbarer Seenähe ist der Einfluss des Grundwassers so hoch, dass intakte Niedermoore mit Torfwachstum erhalten bleiben. Im Schilfgürtel am Seeufer verlandet die freie Wasserfläche allmählich.

In der Verlandungszone bildet sich ein hellbrauner Filz aus wenig zersetztem Schilftorf mit zahlreichen Rhizomen, den unterirdischen
Sprossteilen des Schilfes.Unter wüchsigen Erlenbeständen mit üppiger Schwertlilie bildet sich schwarzbrauner Erlenbruchtorf mit weichen, rotbraunen Holzresten. Mit zunehmender Entfernung von der freien Wasserfläche nimmt der Einfluss des Grundwassers allmählich ab.

Bei abnehmendem Grundwassereinfluss ist das Niedermoor an der Oberfläche nur noch im Winter und Frühjahr vernässt. Hier wachsen unter den Erlen Farne und Seggen. Kleinflächig sind Polster mit Torfmoosen eingestreut, die auf dem Niedermoor wachsen und nährstoffarmes Regenwasser speichern.

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Station 4

Entwässerter Erlenbruchwald

Wenn man Niedermoore stärker entwässert, wird der Torfkörper belüftet und das Torfmaterial wird biologisch abgebaut. Dabei werden die für das Klima relevanten Gase Kohlendioxid und Lachgas in die Atmosphäre, Nährstoffe in den Boden und ins Grundwasser freigesetzt. Der Torfabbau führt zur Moorsackung. Durch Quellen und Schrumpfen des belüfteten Torfes entwickelt sich ein feinkrümeliges Gefüge.

Im Verlauf weniger Jahrzehnte wird aus dem Niedermoor ein Erdniedermoor. Aus benachbarten Mineralböden wandern Bodentiere ein,
zum Beispiel Regenwürmer. Sie verstärken die Belüftung und den Torfabbau.

Die Pflanzenwelt der Erlenbruchwälder verändert sich: Farne, Brennnesseln und verschiedene Gräser kommen hinzu. Bei stärkerer Entwässerung werden Erdniedermoore vor allem als Grünland genutzt. Wird die Entwässerung der Moorstandorte auf 20 – 30 cm unter Flur begrenzt und ein Überstau im Winter zugelassen, können artenreiche Feuchtwiesen entwickelt werden.

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Station 5

Feuchtwiesen

Feuchtwiesen zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Winter und Frühjahr teilweise mit Wasser überstaut sind und auch im Sommer ein hoher Grundwasserstand herrscht. Bunt blühende, artenreiche Feuchtwiesen bieten vielen Tiergruppen wie Vögeln, Insekten und Amphibien einen wichtigen Lebensraum. Zum Beispiel benötigen die Watvögel stocherfähigen, feuchten Boden, in dem sie mit ihren langen Schnäbeln nach Nahrung suchen können. Eine Reihe von heute stark gefährdeten Pflanzenarten, wie Sumpfdotterblume, Breitblättriges Knabenkraut und Sumpf-Sternmiere, sind ebenfalls auf einen hohen Grundwasserstand angewiesen.

Zur Bewahrung der Feuchtwiesen reicht eine Unterschutzstellung allein nicht aus. Nur durch regelmäßiges Mähen oder Beweiden können die artenreichen Wiesen und Weiden erhalten und entwickelt werden. Andernfalls werden sich früher oder später erst Sträucher und dann Bäume durchsetzen und die Flächen werden langfristig zu Wald.

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