Südelefanten

Südelefanten und Flusspferde lebten einst in Westfalen - LWL-Museum für Naturkunde untersuchte 2010 Fossilienfunde

In einem Steinbruch im Bereich des Haarstrangs (Kreis Soest) entdeckten Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Spätsommer 2006 fossile Knochen. Damals ahnten sie noch nicht, was für eine Anhäufung von Knochen und besonders von Zähnen sie machen würden. Insgesamt liegen 243 Elefantenbackenzähne bzw. größere Bruchstücke davon, vor. Daneben wurden 15 Eck- und Backenzähne von Flusspferden, fünf Backenzähne von Rindern und vier Zähne eines Nashorns sowie ein Zahn eines großen Hirsches gefunden. Ein Teil der zahlreichen Funde wird jetzt im LWL-Museum für Naturkunde erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Haarstrang ist ein zirka 75 Kilometer langer, nach Norden abfallender Höhenzug. Er erstreckt sich zwischen der münsterländer Bucht im Norden und dem Sauerland im Süden, von Dortmund im Westen bis zur Paderborner Hochfläche im Osten. An der Oberfläche einer 20 Meter hohen Abbauwand, bestehend aus Kalkgesteinen der Oberkreidezeit, hatte sich eine mit tonigen Sanden verfüllte Rinne eingegraben. Hier lagen auf der Oberfläche zahlreiche Knochenfragmente und ganz besonders viele Zahnbruchstücke von Elefanten und Flusspferden.

In der südlich anschließenden, noch intakten Rinnenfüllung ließen sich ebenfalls mehrere Elefantenbackenzähne erkennen. Die durch ein Team des LWL-Museums für Naturkunde im Sommer 2007 durchgeführte Grabung erbrachte eine Fülle an weiteren Fossilien. Knochen und Zähne, überwiegend von Elefanten, waren ungewöhnlich dicht zusammen gelagert. Dr. Klaus Peter Lanser, Paläontologe im LWL-Museum für Naturkunde erklärt die außerordentliche Anhäufung: „Offensichtlich ist hier eine Herde von Elefanten und auch einige Flusspferde bei einer plötzlichen Überflutung in einem eingetieften Bachlauf umgekommen. Die Tierkörper wurden durch das reißende Wasser an einer verengten Stelle angetrieben. Bei fortschreitender Verwesung werden sich die nachsackenden Kadaver ineinander verschoben haben, bis der Bach im Laufe der Zeit das Ganze mit seinen Sanden überdeckte.“

Dr. Lanser hat sich mit der wissenschaftlichen Bearbeitung der Knochen und Zähne seit dem ersten Fund befasst. Er erklärt, was genau gefunden wurde: „Es liegen fast ausschließlich Reste von erwachsenen Elefanten vor. Vermutlich wurden die jüngeren Elefanten und die meisten übrigen Tiere durch das strömende Wasser an anderer Stelle abgelagert.“
Die Knochen und Stoßzähne sind allgemein in einem sehr schlechten Zustand. Sie sind durchsetzt von zahlreichen Rissen und im frischen Zustand von fast cremiger Konsistenz. Dagegen sind die Backenzähne, insbesondere die Kronen der Elefantenzähne, erstaunlich gut erhalten. Wegen der schlechten Erhaltung des Knochenmaterials wurden die Funde nach Möglichkeit in Form von größeren Blöcken geborgen.

Die Auswertung des Paläontologen ergab, dass es sich bei den Elefantenzähnen um Reste von Tieren handelt, die am Anfang der Entwicklung dieser Tiergruppe in Europa gestanden haben. Deutlich wird dies an verschiedenen Merkmalen, wie der geringen Anzahl der Lamellen, aus denen der Elefantenzahn aufgebaut ist, dem großen Abstand dieser Lamellen, den hohen Werten der Schmelzstärken und Kronenbreiten.

Nach den wissenschaftlichen Ergebnissen wurde eine Rekonstruktion des Lebensbildes von Janine Bertet, Fachhochschule Münster, Fachbereich Design, unter Leitung von Frau Prof. Cordula Hesselbarth erstellt. Das Bild ist im Hintergrund der Objekte zu sehen.

Die Südelefantenfunde sind dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr im LWL-Museum für Naturkunde an der Sentruper Straße 285 zu besichtigen. Eintritt: Erwachsene 3,50 €, Kinder 2,00 €, Familien 8,00 €.