Grabungen nach Reptilfährten in Borgholzhausen

Kreis Gütersloh. Stadt Borgholzhausen

Trias-Gesteine

Bei Borgholzhausen bestehen die Hauptzüge des Teutoburger Waldes aus kreidezeitlichen Kalk- und Sandsteinen. Nördlich von ihnen wurden 1996 bei Bauarbeiten am Rande eines Sportplatzes Trias-Gesteine freigelegt. Die ca. 240 Mio. Jahre alten Kalk- und Mergelsteine sind durch Störungen eng begrenzt und enthalten zahlreiche Trittsiegel und Fährtenabdrücke von Tetrapoden (Wirbeltiere mit 4 Extremitäten).

 

Viel Grabungsaufwand

Von einem Privatmann war eine Grabung begonnen worden. Es war jedoch sinnvoll, größere zusammenhängende Gesteinsplatten zu bergen, wozu ein höherer personeller und präparativer Aufwand betrieben werden mußte. So wurde die Grabung 1997 durch das LWL-Museum für Naturkunde weitergeführt. Mittels eines speziellen Verfahrens, bei dem Silikonkautschuk verwendet wurde, gelang die Bergung einer besonders großen Gesteinsplatte (ca. 2,8 m lang, 1,7 m breit). Diese Platte wurde in Münster präpariert und im Jahre 2000 auf der archäologischen Landesausstellung „Fundort Nordrhein-Westfalen - Millionen Jahre Geschichte“ in Köln, Münster und Nijmwegen präsentiert.

Reptilienfährten

In einem über 2 m mächtigen Schichtpaket treten mehr als 30 Horizonte mit Abdrücken auf, meist in Form von Einzelabdrücken (Trittsiegel), seltener sind Schrittfolgen. Die Fährten gehören zu den Spurenfossilgattungen Rhynchosauroides peabodyi und Procolophonichnium haarmuehlensis. Weitere Fährten-Typen untergeordnet.

 

Germanisches Becken

Der Ablagerungsraum des heutigen Borgholzhausen gehörte während der Trias zum sogenannten Germanischen Becken, das flach war und stellen- und zeitweise trockenfallen konnte. Bestimmte sedimentologische Parameter wie Trockenrisse belegen dies. Über die Tiere, die die Fährten produzierten, kann man spekulieren. Die gesamte Tierwelt erfuhr während der Trias-Zeit wichtige Entwicklungsschübe. Es dürfte sich um Reptilien gehandelt haben. Vielleicht waren es von ihrem Aussehen her an Eidechsen erinnernde Tiere, die im Bereich der Küstenlinie bzw. in geringer Wassertiefe zwischen Untiefen und Inseln lebten, evtl. in einem Watt-ähnlichen Milieu am Nordrand der Rheinischen Masse.

 

Literatur

ALBAT, F. (1999): Tetrapodenfährten im Unteren Muschelkalk von Borgholzhausen – ein Grabungsbericht.- Geol. Paläont. Westf. 52: 19-39; Münster.