Grabungen in westfälischen Steinkohlebergwerken

Fossilien aus Steinkohlebergwerken

Im Rahmen einer Grabungskampagne konnten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Steinkohle AG (DSK) auf Bergehalden und in den Steinkohlebergwerken Grabungen durchgeführt werden. Bei den Arbeiten erwies sich die Lokalität Ibbenbüren als besonders fossilreich. Die untersuchten Sedimente zählen zu den fossilreichsten des Karbons (Zeitabschnitt des Erdaltertums von 358-296 Mio. Jahre). Die Arbeiten konzentrierten sich deshalb auch weitgehend auf das Bergwerk der DSK Anthrazit Ibbenbüren GmbH.
Ein Gemälde von Wolfgang Sippel (2005) zeigt die Landschaft bei Ibbenbüren vor ca. 319 Millionen Jahren.

 

Die Suche nach tierischen Fossilien

In den Ablagerungen (Sedimenten) über den Kohlenflözen sind überwiegend Pflanzenfossilien zu finden. Fossile Tiere dagegen sind aus den Kohlesümpfen wesentlich seltener überliefert. Zwischen dem zahlreichen Pflanzenmaterial sind derartige Reste außerdem besonders schwer zu erkennen, zumal meist nur wenige mm² eines tierischen Fossils im Gelände sichtbar sind. Ein Schwerpunkt der Ausgrabungen war diesen tierischen Fossilien gewidmet.

Besondere Funde

Zu den eindrucksvollsten Funden zählen Segmente des Tausendfüßers Arthropleura, der eine Länge von über 2 m erreichte und damit der größte, terrestrische Gliederfüßer der Erdgeschichte ist. Vollständige Exemplare liegen bislang jedoch nicht vor.

Seeskorpione, die als Jäger im Süß- und Brackwasser lebten und sich zeitweise an Land aufhalten konnten, gehören im jüngeren Erdaltertum zu den großen Seltenheiten. In Ibbenbüren konnten mehrere Fragmente und ein fast vollständiges Exemplar gefunden werden.

Spinnentiere zählen ebenfalls zu den seltenen Funden. Die ausgegrabenen Exemplare der Art Maiocercus celticus gehören zu einer bereits im Erdaltertum ausgestorbenen Spinnengruppe. Die Tiere dieser Art lauerten wahrscheinlich in der dichten Pflanzendecke ihren Beutetieren, kleinen Gliederfüßern, auf.

Pfeilschwanzkrebse sind entgegen ihres Namens nicht mit den Krebsen verwandt, sondern mit den Spinnentieren. Die ausgewachsenen Exemplare der Gattung Euproops lebten als Schlammwühler am Grunde verlandender Seen.