Grabungen im Massenkalk des Hönnetals

Fossile Knochen von Dinosauriern

Im Herbst des Jahres 2000 erhielt das LWL-Museum für Naturkunde durch Herrn Paul Hein aus Neheim eine Fundmeldung über fossile Knochen. Die vorgelegten Knochen erwiesen sich nicht, wie zuerst vermutet, als Reste von eiszeitlichen Tieren, sondern sie stammten eindeutig von Dinosauriern. Bei einem gemeinsamen Besichtigungstermin der Fundstelle, einer mit tonigern Sedimenten verfüllten Hohlform auf der Sohle eines Massenkalksteinbruches im Bereich des Hönnetals, fanden sich weitere Knochenfragmente und Zähne von Reptilien, darunter Reste von Schildkröten und Krokodilen und auch Dinosauriern.

Umfangreiches Fundinventar zusammengetragen

Seit Beginn der Grabungssaison 2002 gräbt das LWL-Museum für Naturkunde an der Fundstelle. Mittlerweile ist ein umfangreiches Fundinventar zusammengetragen worden. Neben zahlreichen Nachweisen von Schildkröten, Krokodilen und Flugsauriern, traten Dinosaurier überwiegend in Form von pflanzenfressenden Iguanodontiden und von kleinwüchsigen Raubsauriern auf; daneben vereinzelt Reste von Sauropoden und großen Raubsauriern. Fische, darunter hybodonte Haie, von denen sich zahlreiche Kopf- und Rückenstacheln nachweisen ließen, lassen sich hier ebenfalls finden. Die Zusammensetzung der Tierreste deutet auf die frühe Kreidezeit, vor ca. 130 Mio. Jahren hin.

 

Nachweise von Säugetieren

Eine Besonderheit dieser Fundstelle sind die Nachweise von Säugetieren. Der erste Fund, ein rechter Oberkiefer, ohne Bezahnung zeigt deutliche Unterschiede in der Ausbildung der Zahnfächer (Alveolen). Die Alveolen der Vorderbackenzähne (Prämolare) sind rund und recht klein, die der nachfolgenden Bachenzähne hingegen groß und deuten auf wurzellose, kräftige und hochkronige Zähne hin, die rechteckig im Querschnitt ausgebildet waren. In diesen Zahnalveolen befanden sich also sehr kräftige Zähne, die ständig nachwuchsen, ähnlich wie bei einem heutigen Nager.

 

Unterkieferhälfte mit vier Backenzähnen

Ein weiterer Nachweis eines Säugers besteht aus einer Unterkieferhälfte, in der sich noch vier Backenzähne befinden, die restlichen sind ausgefallen. Diese Zähne zeigen eine Schmelzstruktur an den Kauflächen, die aufgrund ihrer Doppelschlingen Ähnlichkeiten mit den Backenzähnen des rezenten Springhasen von Südafrika (Pedetes cappensis) aufweisen. Offensichtlich lebten hier im Verbreitungsgebiet des Massenkalkes vor ca. 130 Mio. Jahren Säugetiere, die eine Anpassung an einen über lange Monate trockenen Lebensraum erreicht hatten, der nur während periodischer Regenzeiten überflutet wurde.