Fund eines Waldnashornschädels in der Dechenhöhle

1993 Rhinozerosschädel entdeckt

Bei Grabungsarbeiten in einem östlichen Seitengang der Dechenhöhle bei Iserlohn-Letmathe, im nördlichen Sauerland, wurde im Frühjahr 1993 ein Rhinozerosschädel entdeckt. Die Grabungen wurden außerhalb des Schauhöhlenbereichs durchgeführt, der seinerzeit als Bodendenkmal eingetragen war. Ein Ortstermin, der im Mai 1993 durchgeführt wurde ergab, dass der Fundort des Schädels sich ca. 15 m östlich des Eingangs des Schauhöhlenbereiches befand, dicht an der Bahnlinie Iserlohn-Letmathe, die direkt südlich der Dechenhöhle verläuft. Dicht an der Bahntrasse befindet sich eine durch ein Mauerwerk geschlossenen Öffnung im hier anstehenden Massenkalk. Von dieser Öffnung zieht sich einerseits ein flacher Gang nach Norden, in den Bereich der Schauhöhle und daneben ein durch die Grabungsarbeiten aufgefahrener Tunnel in nord-östlicher Richtung. Am Ende dieses ca. 3,5 m langen Ganges mit einem Durchmesser von 80 x 80 cm befand sich der Nashornschädel, bzw. der noch an der Fundstelle verbliebene Rest davon.

Waldnashorn

Die Morphologie der vorhandenen Backenzähne und des Schädels machten deutlich, dass es sich hier nicht um einen Schädel des recht häufigen wollhaarigen Nashorns (Coelodonta antiquitatis) handelte, sondern um einen seltenen Schädelfund eines warmzeitlichen Waldnashorns (Dicerorhinus kirchbergensis).
Reste dieses Nashorns traten mit dem Beginn des mittleren Eiszeitalters in den Warmzeiten in Europa auf. Die wenigen bislang vorliegenden Nachweise dieser Tiere in NRW stammen aus dem Bereich der Wilhelmshöhle bei Heggen und aus der Dechenhöhle selbst, wo man im Jahre 1910 neben anderen Tierresten auch solche des Waldnashorns angetroffen hatte. Reste dieses Nashorns stammen auch aus einigen Kiegruben in den jüngeren Rheinterrassen der Niederrheinischen Bucht.

 

Schwierige Bergung

Die Grabungsarbeiten des LWL-Museums für Naturkunde wurden vom 17. bis 25. Januar 1994 durchgeführt. Die Bergung gestaltete sich schwierig, vor allem durch die Enge des Raumes an der Fundstelle. Auch die anschließende Präparation des Schädels in der Werkstatt des Museum, auch unter Verwendung von Teilen, die von den Entdeckern bereits entfernt worden waren, war recht langwierig, vor allem wegen der harten Kalksinterbeläge an den Knochenoberflächen. Die Publikation des Schädels erfolgte im Jahre 1997 in der Reihe "Geologie und Paläontologie in Westfalen" .

Das Fossil wurde als bewegliches Bodendenkmal in die Denkmalliste eingetragen.