Das Fossiliensammeln und die Paragrafen

Was sind Fossilien?

Definition von Fossilien

Fossilien sind Überreste von tierischen oder pflanzlichen Lebens aus erdgeschichtlicher Zeit. Die Erde entstand vor etwa 4,5 bis 5 Milliarden Jahren. Im Laufe der folgenden Jahrmillionen entwickelte sich über Vorgänge, die bis heute nicht endgültig wissenschaftlich geklärt sind, zunächst einzelliges Leben. Pflanzen und Tiere fanden ihren ersten Lebensraum in den Meeren. Später eroberten die Organismen in langsamen Stufen auch das Festland als Lebensraum. Aus dem Präkambrium, der Zeit vor mehr als 570 Millionen Jahren, sind relativ wenige Reste des damaligen Lebens überliefert. Erst aus der folgenden Zeit kennen wir viele Fossilien.

Was bleibt übrig?

Von den Lebensformen vergangener Zeiten werden in der Regel nur Hartteile wie Schalen, Gehäuse oder Skelette versteinert oder als Abdruck im Gestein überliefert. Die Prozesse der Versteinerung sind vielgestaltig und nur wenige Lebewesen können beim Zusammentreffen vieler günstiger Umstände versteinert werden. So ist der Fund eines vollständigen und gut erhaltenen Fossils schon eine große Seltenheit. Einzigartige Funde, also Funde von großer wissenschaftlicher Bedeutung, sind äußerst selten.
 

Fast immer sind nur Hartteile von fossilen Lebewesen erhaltungsfähig. Diese sind sehr selten in ihrer ursprünglichen Substanz erhalten. Oft wird die ehemalige Substanz durch eine andere ersetzt. In beiden Fällen bleibt das Fossil körperlich erhalten. Häufig hinterlässt ein Organismus auch nur einen Hohlraum, der seinen Körper nachzeichnet. Gelegentlich ist auch nur die Sedimentfüllung eines Gehäuses erhalten. Auch Bewegungsspuren von Lebewesen können versteinert werden.

Was finden wir in Westfalen?

In Westfalen-Lippe finden sich Gesteine vom Ordovizium bis zum Quartär, das heißt: Gesteine aus den erdgeschichtlichen Epochen seit ca. 500 Millionen Jahren.

 

Das Fossiliensammeln und die Paragraphen

Das Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen

Nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen können Überreste tierischen und pflanzlichen Lebens aus erdgeschichtlicher Zeit (also Fossilien) als Bodendenkmäler geschützt werden, wenn an ihrer Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht
Diese Einschränkung ist bedeutsam, denn nur besondere Fossilien, oder fossilführende Schichten, kommen als Bodendenkmäler in Frage. Über den jeweiligen Denkmalwert entscheiden die Denkmalbehörden und das LWL-Museum für Naturkunde als Fachamt.

Gibt es Einschränkungen für das Sammeln von Fossilien?

Im Bereich von geschützten, d. h. in die Denkmallist eingetragener paläontologischer Bodendenkmäler sind Ausgrabungen und das zielgerichtete Suchen nach Fossilien nur im Ausnahmefall, nach Einholung einer Genehmigung, zulässig. Für wissenschaftliche Untersuchungen sind, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen, Genehmigungen zu erteilen.
Das Graben nach paläontologischen Bodendenkmälern außerhalb von eingetragenen Bodendenkmälern ist ebenfalls erlaubnispflichtig. Die Erlaubnis kann mit Auflagen und unter Bedingungen erteilt werden. Unabhängig davon ist auf jeden Fall das Einverständnis des jeweiligen Grundstückeigentümers einzuholen.
 

Wo kann man ohne Genehmigung Fossilien sammeln?

Zum Absuchen von im Abbau befindlichen Steinbruchbetrieben, Baustellen und Sandgruben bedarf es keiner Genehmigung. Sollte dabei aber ein Fossil entdeckt werden, das den Anschein erweckt bedeutend zu sein, so ist die zuständiger Gemeinde oder das Fachamt in Münster unverzüglich zu informieren und die Fundstelle ist in unverändertem Zustand zu belassen.
Um sicher zu gehen, nicht in ein Bodendenkmal einzugreifen, sollte vor Beginn einer Sammelaktion die Untere Denkmalbehörde (die Gemeinde) oder das Fachamt befragt werden. Zum Betreten des jeweiligen Grundstückes bedarf es auf jeden Fall der Zustimmung des Grundeigentümers.

Sind geologische Exkursionen, Kartierungen und Untersuchungen erlaubnispflichtig?

Geologische Untersuchungen, Kartierungen, Exkursionen, Schürfe und Bohrungen, bei denen Fossilien lediglich datierende Hinweise geben, sind nicht erlaubnispflichtig, sofern sie nicht in eingetragenen Bodendenkmälern stattfinden. Falls dabei bedeutende Fossilien auftreten, sind diese meldepflichtig.
 

Wo kann man Grabungsgenehmigungen erhalten?

Genehmigungen für paläontologische Grabungen und das zielgerichtete Suchen nach Fossilien können bei der jeweiligen zuständigen Oberen Denkmalbehörde beantragt werden. Diese befinden sich beim Kreis, bzw. bei kreisfreien Städten bei der Bezirksregierung. Wissenschaftler und wissenschaftlich arbeitende Fossiliensammler können eine Beauftragung bei LWL-Museum für Naturkunde erhalten.

Genügt die Zustimmung des Grundeigentümers, um eine Grabungsgenehmigung zu erhalten?

Nein, auch die Erlaubnis von Firmen- oder Behördenvertretern genügt dazu nicht. Lediglich die Oberen Denkmalbehörden können eine Grabungsgenehmigung erteilen und nur das LWL-Museum für Naturkunde kann Beauftragungen für die Bergung von Fossilien vergeben.

Wem gehören die gefundenen Fossilien?

Bis Juli 2013 je zur Hälfte dem Finder und dem Grundeigentümer. Bei bedeutenden Fossilien hat das Fachamt das Recht, die Funde bis zu 6 Monaten zur wissenschaftlichen Dokumentation und Erforschung in Besitz zu nehmen. Falls die Bedeutung eines Objektes es erforderlich macht dieses in eine öffentliche Sammlung zu überführen, müssen die Eigentümer entschädigt werden.

Ab Juli 2013 wurde im Denkmalschutzgesetz das Schatzregel verankert.
Danach werden bewegliche Bodendenkmäler sowie Funde von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung mit ihrer Entdeckung Eigentum des Landes.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich etwas gefunden habe?

LWL-Museum für Naturkunde
Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium
Paläontologische Bodendenkmalpflege
Sentruper Str. 285
48161 Münster

Telefon 02 51.591-05
Fax 02 51.591-60 98