Freitag, 13. Juli 2001 / Samstag, 14. Juli 2001
Vortragssaal des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Domplatz 10
Das Bild der Öffentlichkeit von Annette von Droste-Hülshoff hat sich in den letzten Jahren wesentlich gewandelt. Im Mittelpunkt steht heute nicht mehr die katholisch-westfälische Heimatdichterin, sondern die weltoffene, moderne Autorin. Dieser Ablösungs- und Neuerungsprozess, diese Um- und Neuformulierung ist im Titel der Tagung, "Transformationen", angesprochen.
Die Historisch-kritische Ausgabe markiert einen wichtigen Meilenstein in der wissenschaftlichen Erschließung des Werks der Droste. Nach über 20 Jahren Forschungsarbeit ist das von Winfried Woesler herausgegebene editorische Großprojekt nun fertiggestellt und es soll Bilanz gezogen werden. Ergebnisse und Wirkungen sollen übergreifend dokumentiert und analysiert werden, sowohl aus spezifisch editionsphilologischer Sicht (im Kontext vergleichbarer Editionen) als auch aus allgemein literaturwissenschaftlicher (im Bezugsrahmen der Literatur der Droste-Zeit).
Es wird dabei unter anderem die in der Editionswissenschaft aktuell diskutierte Frage aufgeworfen, ob die kosten- und arbeitsintensiven historisch-kritischen Ausgaben - bei aller Wertschätzung der philologischen Grundlagenforschung - noch zeitgemäß sind oder ob nicht auch wissenschaftliche Studienausgaben hinreichende Arbeitsergebnisse liefern. Solche Entscheidungen sind insofern relevant, als sie erhebliche Auswirkungen auf den literarischen Kanonisierungsprozess haben. Historisch-kritische Ausgaben werden nur einigen ausgewählten Autoren 'zugestanden', während durch weniger aufwendige Forschung ein breiteres Feld abgedeckt werden kann.
Vor diesem Hintergrund soll danach gefragt werden, welchen Wert historisch-kritische Forschung über die positivistische Faktensicherung hinaus für die Interpretation der Werke hat. Ermöglicht die detailgenaue Dokumentation einen nennenswerten Zuwachs an interpretationsrelevanten Gesichtspunkten oder belastet sie gar den Zugang zu einem Text?
Dank gilt den Referentinnen und Referenten, die diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Freitag, 13. Juli 2001
16.15 Uhr Prof. Dr. Karl Teppe (Münster): Begrüßung
PD Dr. Ortrun Niethammer (Osnabrück): Einführung
16.30 Uhr Prof. Dr. Manfred Schneider (Bochum): Das Amt der Dichterin
17.30 Uhr Prof. Dr. Walter Jaeschke (Bochum): Das Geistliche Jahr - ein Zeugnis der Frömmigkeitsgeschichte des Vormärz. Kommentar Dr. Rüdiger Nutt-Kofoth (Münster/Hamburg)
Diskussion
12.30 Uhr Annette Hülsenbeck/Rosl Kuhlmann (Osnabrück): Nun rührt sich's - die Lebendige spüret. Stigma und Berührung. Videoinstallation zu Fräulein von Rodenschild
Samstag, 14. Juli 2001
10.00 Uhr Dr. Bernd Kortländer (Düsseldorf): Vom Exotismus der Provinz. Kommentar von Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf (Münster)
Diskussion
11.00 Uhr Kaffeepause
11.30 Uhr Prof. Dr. Barbara Hahn (Princeton): Anders wie ich mir gedacht - oder wie baut man ein Denkmal für die Droste? Kommentar von Prof. Dr. Lothar Köhn (Münster)
Diskussion
12.30 Uhr Mittagspause
14.30 Uhr Dr. Walter Gödden, Dr. Jochen Grywatsch (Münster): Wie über uns es braußt und weht / Wir wanken nicht Wir zagen nicht. Vom Manuskriptblatt zur Edition - Einblicke in die Werkstatt der Droste-HKA
15.30 Uhr Prof. Dr. Günter Oesterle (Gießen): Der Mut zum Komischen und das Pathos ästhetischer Wahrnehmung. Ästhetische Grenzerweiterung im Werk von Annette von Droste-Hülshoff. Kommentar von Prof. Dr. Ernst Ribbat (Münster)
Abschlussdiskussion
Das Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff, seine Topoi, sind Nährboden unserer Installation, der Projektionen, Spiegelungen, Überschreitungen, Transformationen und Auslotungen seiner Dimensionen und seiner Aktualität.
Schnittstellen
zwischen Tag und Nacht,
Tod und Auferstehung, sterben oder toll werden;
die Doppelspuren
zwischen dem Selbst und dem eigenen Fremden,
der Hitze des Lebens und der Kälte des Wissens,
dem weiblichen Zugang zum Archiv und
der Bestrafung für den Eintritt in verbotene Zimmer,
der Verletzung durch Berührung und
dem Schutz durch Verhüllung,
dem Kopf und der Hand,
dem Text und dem Körper,
dem Text und den Bildern ...
Annette Hülsenbeck (Textil- und Kleidungswissenschaftlerin, Gestalterin, Universität Osnabrück)
Rosl Kuhlmann (Künstlerin, Kunstpädagogin, Universität Osnabrück)
Gemeinsame Projekte:
Ausstellungen, Installationen: "Textiles Labyrinth"; "Die Welt ist ein Haufen Wäsche"
Videoarbeiten: "Kleidergrenzen/Körpergrenze"; "Waschtag am Fluß Sen"; Entwurf zu "Durchgangsräume - Körper/Kleid"
Veranstalter: Literaturkommission für Westfalen in Verbindung mit der Universität Osnabrück, der Universitätsgesellschaft Osnabrück und der Droste-Gesellschaft, Münster.
Konzeption: PD Dr. Ortrun Niethammer (Universität Osnabrück) mit Dr. Walter Gödden, Dr. Jochen Grywatsch (Literaturkommission für Westfalen, Landschaftsverband Westfalen-Lippe) und Dr. Bernd Kortländer (Heinrich-Heine Institut, Düsseldorf).
Informationen:
Literaturkommission für Westfalen
Salzstraße 38
48143 Münster
Tel.: 0251/591-4681
e-mail: liko@lwl.org