»Immer lebe ich in diesem Missverhältnis ...«

Imo Moszkowicz, Regisseur und Autor

Lesung, Gespräch und Workshop

21. und 22. November 2003

Kulturgut Haus Nottbeck, Landrat-Predeick-Allee 1, 59302 Oelde-Stromberg


"Immer lebe ich in diesem Missverhältnis, das mich im Umgang mit dem Phantastischen zwingt, stets das Reale darin zu suchen, und - umgekehrt -- im Realen das Phantastische."

Imo Moszkowicz wurde als Sohn eines russischen Schuhmachers und einer polnischen Mutter ist in Ahlen geboren, hat Auschwitz überlebt, wo er seine sechs Geschwister und seine Mutter verlor. Obwohl ihm die deutsche Sprache mit ihren mörderischen Befehlen seine Familie, seine Jugend geraubt hat, blieb sie ihm die Heimat. In einem Interview mit dem Tagesspiegel bekannte er, dass "die Sehnsucht nach Kultur" ihn am Leben erhalten habe.

Imo Moszkowicz hat in seinem bewegten Leben über einhundert Theaterstücke, Opern, Musicals und Operetten an fast allen größeren Bühnen im deutschsprachigen Raum sowie in Südamerika und Israel inszeniert. Als Assistent von Gustaf Gründgens und Fritz Kortner lernte er das Regie-Handwerk. Etwa zweihundert Fernseh- und drei Spielfilme sind auf seiner Arbeitsliste zu finden; er ist derzeitig wohl der "dienstälteste" Fernsehregisseur Deutschlands.

Für seine Arbeit wurde er 1995 mit dem Bayerischen Regiepreis (für den Film "Über Kreuz"), 2002 mit dem Scopus Award der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet und Ende September 2003 erhält er den Oberbayerischen Kulturpreis.

Ein biobibliographisches Porträt von Imo Moszkowicz finden Sie in der Datenbank des Projekts "Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen" unter: www.juedischeliteraturwestfalen.de


 

Programm

 

Freitag, 21. November 2003


18.00 - 21.00 Uhr Lesung, Film und Publikumsgespräch


Einführung: Diethard Aschoff (Herausgeber der Reihe "Geschichte und Leben der Juden in Westfalen")


Daniela Dadieu liest aus "Der grauende Morgen. Erinnerungen" von Imo Moszkowicz (3. Aufl., mit Geleitworten von H.W. Gummersbach und D. Aschoff., LIT-Verlag, Münster 2003)

Das Buch ist "die umfangreichste und zugleich dramatischste Auschwitzdarstellung, die wir von westfälischen Juden überhaupt besitzen, ein Dokument also ohnegleichen hierzulande. Das Buch dürfte in keiner Bibliothek fehlen, die Quellen zur Geschichte westfälischer Juden im Hitlerreich bereithält." (Westfälische Forschungen 50, 2000)


"Sagt nicht, es kann nie wieder passieren: Imo Moszkowicz, ein Regisseur aus Deutschland"

Regie: Wolfgang Dressle
Buch: Hans W. Gummersbach/W. Dressler
Berlin: Flamingo Film 1993


Imo Moszkowicz und Daniela Dadieu im Gespräch mit dem Publikum Moderation: Hans W. Gummersbach



Samstag, 22. November 2003

10.00 - 14.00 Uhr "Auf der Suche nach dem Realen im Phantastischen..." - Workshop zu Imo Moszkowicz' Regiearbeit


Der Vormittag ist dem Theater- und Opernregisseur Imo Moszkowicz gewidmet: 1960 drehte Imo Moszkowicz für den WDR Cole Porters "Kiss me, Kate", 1998 inszenierte er das Musical erneut, diesmal bei den Kreuzgangfestspielen in Feuchtwangen. Die Zeitspanne von fast 40 Jahren lässt die Frage aufkommen: hat sich sein Blick auf das Stück im Laufe der Zeit verändert?

1977 in Zürich und 1986 in Salzburg inszenierte Imo Moskowicz Mozarts "Zauberflöte". Daraus ist sein Buch "Zauberflötenzauber" entstanden, dessen Veröffentlichung zur Zeit in Vorbereitung ist. Der Regisseur selbst wird es in einer Lesung vorstellen.

Beide Stücke und ihre Inszenierungen bilden die Grundlage für ein Gespräch über den Theaterregisseur Imo Moszkowicz, in dem er nach seinen Vorgehensweisen bei der Erarbeitung eines Regiekonzeptes befragt wird. Auszüge der Verfilmung und Videomitschnitte werden das Gespräch begleiten.


Der Rest des Tages gilt dem Film- und Fernsehregisseur Imo Moszkowicz: Auch hier zeigt sich seine enorme Bandbreite. Ob Krimi oder Literaturverfilmung, ob Fernsehfilm oder gar Serien für Kinder, Imo Moszkowicz hat so ziemlich jedes Genre für das Fernsehen bearbeitet und war vielfach Pionier. Ob Farbe als dramaturgisches Mittel oder der Einsatz einer elektronischen Kamera - Imo Moszkowicz hat es als erster gewagt. Und im Krimi hat er auch schon mal auf Autojagden und Schiessereien verzichtet.

Im Gespräch mit der Schauspielerin Daniela Dadieu und ihrem Vater Imo Moszkowicz sollen die Unterschiede zwischen Theater- und Film-/Fernsehinszenierungen heraus gearbeitet werden. Von besonderem Reiz wird dabei sein, wie (oder ob) das Vater-Tochter-Verhältnis die Arbeit beeinflusst hat.

Zum Abschluß wird der Film "Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen" in Ausschnitten gezeigt. Hierbei geht es um die Entstehung des Staates Israel und ein Porträt von Theodor Herzl - auch das ist der Regisseur Imo Moszkowicz.


Begleitendes Podiumsgespräch

mit Imo Moszkowicz, Daniela Dadieu und eventuell weiteren Zeitzeugen

Moderation: Ulrich Schmidt


 

Organisation

Veranstalter:
Universität Paderborn, Projekt Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen
Literaturkommission für Westfalen
Kulturgut Haus Nottbeck
Volkshochschule Münster
Volkshochschule Ahlen

Tagungsort:
Kulturgut Haus Nottbeck, Museum für Westfälische Literatur, Landrat-Predeick-Allee 1, 59302 Oelde-Stromberg

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Hartmut Steinecke (Paderborn)

Organisation:
Dr. Iris Nölle-Hornkamp
Dr. Günter Tiggesbäumker
Projekt Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen, Universität Paderborn, Fakultät für Kulturwissenschaften, 33095 Paderborn