Endlich wiederentdeckt: Eine Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg erinnert vom 25. Januar bis zum 18. März 2007 an die große westfälische Schriftstellerin, Kunstsammlerin und Mäzenin Hertha Koenig. Am 22. Februar 2007 wird in einer szenischen Lesung das Hörspiel "Rilkes Mutter" von Alexander Gruber uraufgeführt.
Die Ausstellung "Hertha Koenig - Auf den Spuren einer westfälischen Dichterin" auf dem Kulturgut Haus Nottbeck begibt sich auf Spurensuche und zeichnet das vielfältige Oeuvre und Schaffen Hertha Koenigs (1884 – 1976) nach, in dem sich das bunte kulturelle Leben des frühen 20. Jahrhunderts kaleidoskopisch spiegelt. Im Rahmen der Ausstellung kommt es am 22. Februar zu einer Uraufführung: Die Bielefelder Schauspielerin Therese Berger bringt in einer szenischen Lesung das Hertha-Koenig-Hörspiel "Rilkes Mutter" von Alexander Gruber zusammen mit dem Autor auf die Bühne. Die Veranstaltung beginnt um 20.00 Uhr.
Hertha Koenig lebte auf Gut Böckel in Rödinghausen und war eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der Moderne. Ihr schriftstellerisches Schaffen war anerkannt und wurde zum Teil begeistert rezensiert. Man stellte ihr lyrisches Werk, mit dem sie den Nerv der Zeit traf, auf eine Höhe mit den Dichtungen Stefan Georges und Rainer Maria Rilkes. Ihre künstlerisch produktivste Phase lag zwischen 1910 und 1925. Zu ihrem Freundeskreis gehörten große Persönlichkeiten, u. a. Theodor Heuss, Oskar Maria Graf, Rudolf Kassner und Rilke, der ihr die fünfte seiner berühmten "Duineser Elegien" widmete. In München unterhielt sie zeitweilig einen "Literarischen Salon". Hier förderte sie auch unbekannte Autoren durch private Stipendien. 1927 kehrte sie endgültig zu ihrem westfälischen Gut, dem späteren "intimen künstlerischen Musentempel", zurück.
Auch als Kunstsammlerin spielte Hertha Koenig zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine herausragende Rolle. In ihrer Sammlung wertvoller Bücher und Kunstgegenstände zeigt sich ihre Passion für das Schöne und Außergewöhnliche. Sie zeigte zudem großes soziales Engagement. Sie startete eine Hilfsaktion für Kriegsnotleidende auf Gut Böckel und unterstützte das Siedlungsprojekt "Heimstätte" ihres Freundes Gustav von Bodelschwingh in Bünde. Die Ausstellung stellt die unterschiedlichen Facetten ihres dichterischen Schaffens sowie künstlerischen und sozialen Engagements vor. Mit selten gezeigten Dokumenten wird die außergewöhnliche Persönlichkeit Hertha Koenigs vergegenwärtigt.
Unter dem Titel "Rilkes Mutter" hat Hertha Koenig 1963 ein sensibles und präzise beobachtetes Portrait Sophia Rilkes, der Mutter Rainer Maria Rilkes, aus der Erinnerung geschaffen. Die Hörspielbearbeitung durch den Schriftsteller und Dramaturgen Alexander Gruber wird erstmalig in einer szenischen Lesung mit dem Autor und der Bielefelder Schauspielerin Therese Berger auf die Bühne gebracht. Die Vielzahl der Stimmen und Persönlichkeiten, die im Leben Hertha Koenigs eine Rolle gespielt haben, werden vor dem Ohr des Hörers erneut lebendig. Die szenische Lesung bietet eindringliche und atmosphärisch dichte Portraits der scheinbar fernen Geistesgrößen voller Humor, Kuriositäten und neuer Erkenntnisse über die Entstehung von Weltliteratur. Das Hörspiel von Alexander Gruber erscheint im Bielefelder Pendragon Verlag und ist zum Preis von 14,95 EUR im Museum für Westfälische Literatur erhältlich.
Die Ausstellung "Hertha Koenig. Auf den Spuren einer westfälischen Dichterin" entstand in Kooperation mit dem Pendragon Verlag und wurde gefördert von der Kunststiftung NRW. Zu sehen ist die Ausstellung vom 25. Januar bis zum 18. März 2007 im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg.
Karten für die szenische Lesung sind beim Glocke-Ticket-Service (Tel.: 0 25 22/7 33 00) und
beim Forum Oelde (Tel.: 0 25 22/7 28 00) für 10,- EUR / ermäßigt 8,- EUR und an der
Abendkasse für 12,- EUR bzw. 10,- EUR erhältlich.
Veranstaltungsort:
Kulturgut Haus Nottbeck
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr
Fon (02529) 94 94 57
www.kulturgut-nottbeck.de