Flammende Herzen. Unterhaltungsliteratur aus Westfalen

Eine Ausstellung rund um die Unterhaltungs- und Trivialliteratur aus Westfalen vom 14. September 2007 bis 6. Januar 2008 auf dem Kulturgut Haus Nottbeck.

Kitsch – klar, kennt jeder. Aber was macht Kitsch zu Kitsch? Kennt man die Mechanismen, mit denen Kitsch zu tun hat? Was macht Kitsch zu einem allgegenwärtigen Massenphänomen, das als „Seifenoper“ oder „Telenovela“ täglich ein Millionenpublikum an den Fernseher fesselt? Die Ausstellung „Flammende Herzen. Unterhaltungsliteratur aus Westfalen“ im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg widmet sich einer bestimmten Facette des Kitsches: der Unterhaltungsliteratur in Form von Liebesromanen, Western, Gruselheften und Krimis. Es wird ein Blick hinter die Kulissen einer Branche geworfen, die seit den 1950er Jahren boomt wie keine andere Sparte des Buchmarkts. Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 14. September um 20:00 Uhr präsentiert das Rezitationsensemble der Studiobühne Münster einen heiteren Wettkampf der Gemüter aus ausgewählten Texten westfälischer Trivialliteratur.

„Kitsch ist geradezu ein gesellschaftliches Suchtphänomen, von der Barbiepuppe über den berüchtigten Gartenzwerg bis hin zu Telenovelas wie “Bianca – Wege zum Glück“ oder „Sturm der Liebe“, die ein Millionenpublikum erreichen“, erläutert Professor Dr. Walter Gödden, der wissenschaftliche Leiter des Museums für Westfälische Literatur. Die westfälische Literatur bietet ein überraschend ergiebiges Stoffreservoir im Bereich der Unterhaltungsliteratur. Der Liebes-Schmachtfetzen ist genauso vertreten wie das Horrorheft oder der klassische Western mit dem Kampf von Gut und Böse. Vieles rangiert ganz oben in den Bestsellerlisten. Allein das „Superweib“ von Hera Lind kann mit über 6 Millionen Verkaufsexemplaren glänzen. Die Hefte der „John-Sinclair-Serie“ verkauften sich insgesamt sogar über 260 Millionen Mal.

Dabei bleiben die meisten der Autorinnen und Autoren weitestgehend unbekannt, sie führen ein Dasein im Schatten der Anonymität. Hier lüftet das Ausstellungsprojekt zahlreiche Geheimnisse: Wer weiß schon, dass die Abenteuer um den Geisterjäger „John Sinclair“ von dem Dortmunder Autor Helmut Rellergerd erdacht werden? Oder dass die bekannte Western-Reihe „Lassiter“ von dem Castrop-Rauxeler Autor Günter Bajog (1927-2006) mitentwickelt wurde?

Exklusiv zur Ausstellungseröffnung hat das Rezitationsensemble der Studiobühne Münster ein Abendprogramm gestaltet. Augenzwinkernd stellen die Schauspieler wichtige Fragen, die uns schon immer interessiert haben: Was macht ein Cowboy in der Bergklinik? Worüber streiten sich ein Vampirjäger und das Superweib? Und warum trinkt Odin so gerne Paderborner? Gespannt warten wir auf die Antworten.

Zur Ausstellung erscheint auch ein Begleitkatalog, der das Phänomen Kitsch aus ungewöhnlicher Sicht beleuchtet: Hier äußern sich SchriftstellerInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen in Essays über Liebesschnulzen, Heimatschinken und Horrorhefte – so objektiv wie nötig, so subjektiv wie möglich. So entstand ein vielfarbiges Kaleidoskop an Feuilletonbeiträgen, denen jedoch eins gemeinsam ist: Die insgesamt 55 Verfasserinnen und Verfasser nahmen ihren Gegenstand ernst, drifteten nicht in bloße Polemik ab. Der Katalog ist während der Ausstellung zum Sonderpreis von EUR 20,- im Literaturmuseum zu erwerben. „Flammende Herzen. Unterhaltungsliteratur aus Westfalen“ ist ein Projekt der Literaturkommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit dem Museum für Westfälische Literatur.