Radikale Wortkunst: Eine Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur Haus Nottbeck setzt den Wortkünstler August Stramm (1873-1915) auf ungewöhnliche Weise in Szene.
Wie weit darf eine Literaturausstellung gehen? Eine aktuelle Präsentation über den expressionistischen Autor August Stramm im „Museum für Westfälische Literatur“ wagt die Probe aufs Exempel. Sie verzichtet auf jede Musealisierung und kommt ganz ohne Stellwände und Vitrinen aus. Auch auf Originale (Manuskripte, Briefe, Lebenszeugnisse) wurde vollständig verzichtet.
Im Falle Stramms erschien eine traditionelle Ausstellungsform unangemessen. Stramm ist ein hochgradig radikaler Autor, der inhaltlich und formal Grenzen überschritt und neue Ausdrucksmöglichkeiten erkundete. Im Zentrum seines literarischen Schaffens stand der existentielle Lebenskampf. Und das nicht nur in seinen Kriegsgedichten, sondern auch in seiner Liebeslyrik, in der es ebenfalls primär um Kampf, Trieb, Leiderfahrung geht. In dieser Hinsicht korrespondieren beide Textsorten unmittelbar miteinander. Kriegsgedichte sind Liebesgedichte, Liebesgedichte Kriegsgedichte.
Radikal sind die Gedichte August Stramms noch in anderer Hinsicht: sprachlich. Alles Lyrische wird zerstört, destruiert. Sprache wird bis aufs Zeichenhafte reduziert, entkernt, gleichsam atomisiert. Eben dies war Ansatzpunkt der erwähnten Ausstellung, in der der Lübecker Schriftkünstler Stefan Gelledin Stramms Texte unmittelbar auf die Wände projeziert, geschrieben, gesprüht hat. Und in bizarre, klaustrophobische Landschaften einbettete. Ein Gefühl der Beklemmung, Bedrohung entsteht – eine der Lyrik Stramms adäquate Umsetzung.
„august stramm: texte“ ist ein Projekt der LWL-Literaturkommission für Westfalen in Zusammenarbeit mit dem Museum für Westfälische Literatur, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften in Westfalen. Konzept: Professor Dr. Walter Gödden. Umsetzung: Stefan Gellendin.
Veranstaltungsort:
Kulturgut Haus Nottbeck
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr
Fon (02529) 94 94 57
www.kulturgut-nottbeck.de