Martina Wagner-Egelhaaf (Hrsg.): Region - Literatur - Kultur. Regionalliteraturforschung heute. Bielefeld: Aisthesis 2001.

Immer noch steht die regionale Literaturforschung im Verdacht eines im rassistischen Sinn lesbaren Stammesdenkens, dem insbesondere Josef Nadlers vierbändige Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften zuarbeitete, und verbreitet gilt die regionale Literatur als rückwärtsgewandt, volkstümlich und daher von ästhetisch zweifelhafter Qualität, als "uninteressant".

Demgegenüber hat Regionalität im Zeichen omnipräsenter und angesichts eines "Europas der Regionen" eine neue, ganz anders geartete Konjunktur: Jenseits des Gegensatzes von "Eigenkultur" und "Fremdkultur" (Wolfgang Welsch) bieten Lokal- und Regionalbezüge identitätsstiftende Potentiale, wobei der Begriff Transregionalität für ein komplexes Netz von horizontalen und vertikalen Verbindungen und Unterscheidungen stehen kann, das den Austausch zwischen den Regionen bestimmt. Literatur in der Region bildet diesen Prozess nicht ab, sondern ist selbst ein Element und Medium innerhalb dieses Geflechts. Die Forschung, die sich mit der Literatur in einer Region beschäftigt, analysiert und beschreibt die Komplexität des literarischen Geschehens in einem subnationalen und auch unterhalb bzw. jenseits der Verwaltungseinheit der Bundesländer räumlich bestimmbaren Gebiet im historischen Verlauf.


INHALT

Martina Wagner-Egelhaaf: Regionalliteraturforschung heute?!

Neue Ansätze in der Regionalliteraturforschung

Peter Schmitt-Egner: 'Regionale' und 'Europäische Identität'. Theoretische, methodische und normative Überlegungen zur Konstituation einer Beziehung

Hans-Peter Ecker: Joseph Roths Galizien. Zur poetischen Konstruktion eines Kulturraums und über die Frage, wie aus Regionalliteratur Dichtung von Weltrang entstehen kann

Andreas Schumann: Heimat ist überall gleich. Strukturelle Traditionen regionaler Identität

Florentine Strzelczyk: Frauen - Heimat - Identität: Überlegungen zur Neukonzeption von Kulturräumen

Literatur - Raum - Westfalen

Walter Gödden: Westfälische Literaturforschung gestern und heute. Ein Überblick

Wilhelm Kühlmann: Das humanistische Westfalen. Zur Bewußtseinsgeschichte von Regionalität in der Frühen Neuzeit

Bettina Gruber: Westfalen-Schottland. Oder: Regionalismus als innerer Exotismus. Zur Grundproblematik regionaler Identitätskonzepte

Jochen Grywatsch: Annette von Droste-Hülshoff - Autorin im Spannungsfeld zwischen Regionalität und Internationalität

Schriften - Bilder - Töne. Intermedium Literatur

Astrid Herbold: Stadt - Theater - Politik. Das Schauspielhaus Bochum als rhetorische Anstalt betrachtet

Karl Riha: Zum Thema: Regionalliteratur. Ein Vortrag

Georg Bühren: Stimmen in der Landschaft. Neue Formen des regionalen Hörspiels

Erpho Bell, Jörg Löffler, Sven Schröder: Präsentation von Regionalliteratur im weltweiten Netz. Die Bibliothek Westfalica

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes



Trennlinie; Beginn des Seitenfußes