Hartmut Steinecke, Iris Nölle-Hornkamp, Günter Tiggesbäumker (Hgg.): Jüdische Literatur in Westfalen. Spuren jüdischen Lebens in der westfälischen Literatur. Bielefeld: Aisthesis 2004.

Selbst Kenner der westfälischen Literatur oder der deutsch-jüdischen Literatur wissen so gut wie nichts über jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Westfalen. Das zeigen noch die neuesten Literaturgeschichten und Lexika. Doch es gab und gibt diese Autorinnen und Autoren. Ihre Spuren wurden - aus Gleichgültigkeit wie aus Vorsatz - übersehen, vergessen, verdrängt, vertilgt. Im Jahre 2000 konstituierte sich an der Universität Paderborn unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Steinecke das Projekt Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Informationen und Materialien zu jüdischen Autor/innen mit biographischem Bezug zu Westfalen, die literarische, wissenschaftliche oder journalistische Schriften verfaßt haben, zu sammeln. Auf dieser Basis soll ein Archiv zur jüdischen Literatur in Westfalen entstehen, das als offenes Forum für weiterführende Diskussionen und Untersuchungen genutzt werden kann. Installiert wird eine Datenbank, die biographische Informationen, Bildmaterial, Zeugnisse zu den Autoren und Autorinnen enthält, und weitere Sekundärdatenbanken, in denen die Werke, Kommentierungen, Bibliographien verfügbar gemacht werden.
Den Auftakt der Arbeit markierte 2000 das Symposion »Jüdische Literatur in Westfalen. Vergangenheit und Gegenwart« (erschienen unter diesem Titel 2002 als Bd. 4 der Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen). Das zweite Symposion im Oktober 2002 zog eine erste Zwischenbilanz und bot mit Beiträgen über jüdische Autobiografien, jüdische Kultur und jüdische Kulturschaffende in und aus Westfalen Einblicke in jüdische Literatur und Kulturgeschichte dieser Region. Und es sichtete - anhand von Untersuchungen zu Ludwig Homann, Paul Schallück und Birgitta Arens - auch einzelne Spuren jüdischen Lebens in der westfälischen Literatur.

Inhalt

Hartmut Steinecke: Zur Einführung

Iris Nölle-Hornkamp: Erste Ergebnisse des Projekts Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen mit einer »Gebrauchsanweisung«für die Datenbank Jüdische Literatur in Westfalen

Jüdische Literatur in Westfalen - Jüdische Autobiografien aus Westfalen

Irene Stratenwerth: Stille Tage in Wolbeck - Am Wendepunkt. Jakob van Hoddis in »Dr. Lackmanns Kurhaus«

Michael Vogt: »dann lesen wir vierhändig« - Über die Schriftstellerin Josefa Metz

Petra Renneke: Jakob Loewenberg und die »Kunstwart-Debatte«

Monika Minninger: »Im innersten Kern Jüdin geblieben« - Unveröffentlichte Kindheits- und Jugenderinnerungen der Shoahüberlebenden Renate Kamp

Annet van der Voort und Volker Jakob: »Anne Frank war nicht allein«. Lebensgeschichten westfälischer Juden in den Niederlanden. Drei Interviews

Jüdische Kultur und Kulturschaffende in Westfalen

Ulrich Schmidt: »Kunst geht nach Brot« - Ein Interview mit Imo Moszkowicz über seine Arbeit bei Film, Fernsehen und Theater

Maria Kublitz-Kramer: Die Aktivitäten des Jüdischen Kulturbunds in Ostwestfalen

Marc von Miquel: Jüdische Lebenswege in Westfalen. Das Jüdische Museum Westfalen und seine neue Dauerausstellung zur westfälisch-jüdischen Geschichte

Spuren jüdischen Lebens in der westfälischen Literatur

Ludwig Homann: Der weiße Jude

Walter Gödden: Der Dämon in uns. Ludwig Homanns Der weiße Jude

Jochen Grywatsch: Aufarbeitung - Dialog - Symbiose: Das Wirken Paul Schallücks für christlich-jüdische Verständigung

Siegfried Kessemeier: Eine Spur in Birgitta Arens' Roman Katzengold

Anhang

Vorläufiges Verzeichnis der jüdischen Schriftsteller und Zeitzeugen in Westfalen Einblicke in die Statistik der Datenbank zum Projekt Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen Über die Herausgeber und Beiträger