Literarische Nachlässe besitzen einen hohen kulturgeschichtlichen Wert. Sie zu sichern, dauerhaft zu erhalten und aufzubereiten, ist vordringliche Aufgabe von Literaturarchiven. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis unserer Gesellschaft.
Vor diesem Hintergrund hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beschlossen, das Archivamt für Westfalen einzurichten. Mit seinem verstärkten Engagement in der Literaturförderung setzt er einen weiteren wichtigen Akzent in der regionalen Kulturpflege.
Das LWL-Archivamt für Westfalen versteht sich in Ergänzung bestehender Literaturarchive als Sammelstelle für literarische Nachlässe und Materialien westfälischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie als Informationsstelle mit kompetenter Beratung in allen Fragen rund um das Thema "Literarische Nachlässe in Westfalen".
Schriftstellerinnen und Schriftsteller sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie auf Dauer mit ihren Arbeitsunterlagen verfahren werden soll. In der Vergangenheit gab es bei diesem Problem häufig nur unzureichende Hilfestellung. Vor allem mangelte es an einer "Anlaufstelle", die die Schreibenden unterstützen konnte. Das LWL-Archivamt für Westfalen fungiert als Clearing-Stelle mit umfassenden Serviceleistungen.
Das Angebot sieht im einzelnen vor:
► Beratung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Umgang mit der eigenen Werküberlieferung
► Fachgerechte Übernahme von Nachlässen in das LWL-Archivamt für Westfalen. Ein Kriterium für die Aufnahme kann der Eintrag der Autorin bzw. des Autors in das von der Literaturkommission herausgegebene "Westfälische Autorenlexikon" sein.
► Vermittlung einer qualifizierten fachlichen Betreuung etwa im heimischen Kommunalarchiv, sofern der Nachlass wegen enger regionaler Bezüge vor Ort verbleiben soll.
Für die dauerhafte Aufbewahrung im Literaturarchiv kommen in der Regel solche Unterlagen in Frage, die einen nahen Bezug zu Werk und Person der Schriftstellerinnen und Schriftsteller aufweisen und kulturhistorische Relevanz besitzen. Dabei sind der Vielfalt der Materialien keine Grenzen gesetzt:
► Werkentwürfe und -manuskripte
► Bild- und Tondokumente
► persönliche Dokumente
► Bibliotheksgut etc.
► Bild- und Tondokumente
► persönliche Dokumente
► Bibliotheksgut etc.
Archivierung im LWL-Archivamt für Westfalen bedeutet im einzelnen:
► PC-unterstützte inhaltliche Erschließung des Nachlasses nach archivfachlichen Kriterien
► Technische Bearbeitung zur Sicherstellung der dauerhaften Haltbarkeit
► Ggf. Restaurierung und Verfilmung des Archivgutes
► Einlagerung in Magazinen unter besonderen klimatischen Schutzbedingungen
► Bereitstellung zur Nutzung
► Ggf. Erforschung und Veröffentlichung
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Literarische Nachlässe sollen nicht nur optimal verwahrt werden, erklärtes Ziel der Archivierung durch das LWL-Archivamt für Westfalen ist es vielmehr, die Bestände inhaltlich zu erschließen und der Forschung sowie interessierten Laien zugänglich zu machen.
Wie und wann der Zugang für Dritte eröffnet werden soll, unterliegt der freien Vereinbarung zwischen den Autorinnen und Autoren oder deren Familien und dem LWL-Archivamt für Westfalen.
Soweit keine anderen Vereinbarungen getroffen werden, erfolgt die Benutzung der Nachlässe nach dem Archivgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen bzw. der im Westfälischen Archivamt gültigen Benutzerordnung. Sie sieht vor:
► Archivalien sind nach einer generellen Schutzfrist von 30 Jahren von jedermann einsehbar. Diese Frist kann verkürzt werden.
► Dokumente mit persönlichen Informationen (z.B. Tagebücher, Korrespondenzen) können erst 10 Jahre nach dem Tod der Betroffenen ausgewertet werden.
Ziel des LWL-Archivamts für Westfalen ist es darüber hinaus, Nachlässe einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies kann in Ausstellungen, Seminaren und Kolloquien oder durch Publikationen, auch im Internet, geschehen. Im LWL-Archivamt für Westfalen können kleinere Kabinettausstellungen durchgeführt werden. Auch in dem von der Literaturkommission wissenschaftlich betreuten "Westfälischen Literaturmuseum Haus Nottbeck" besteht die Möglichkeit, Archivalien in musealem Kontext zu präsentieren.
Der erste Archivbestand, der im Jahre 2001 übernommen werden konnte, war der von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe angekaufte Ernst-Meister-Nachlass. Ernst Meister zählte zu den bedeutendsten deutschen Gegenwartsautoren. Er wurde u.a. mit dem Westfälischen Literaturpreis (1957), dem Petrarca-Preis (1976), dem Rilke-Preis (1978) und dem Georg-Büchner-Preis (1979) ausgezeichnet. Mit seinem Nachlass besitzt das LWL-Archivamt für Westfalen einen ersten, besonders wertvollen Bestand.
Der Nachlass wird im Rahmen von Projekten der Literaturkommission aufgearbeitet. Anlässlich des 90. Geburtstages von Ernst Meister gab sie die Audio-CD "Fern liegt Eleusis. Ernst Meister liest eigene Gedichte" heraus und initiierte eine Video-Veröffentlichung des Films "Ernst Meister - Versuch einer Annäherung". Es fanden außerdem eine Tagung und eine Ausstellung statt. Ein größeres Editionsvorhaben wird an der Universität Aachen vorbereitet.
Das LWL-Archivamt für Westfalen wird gemeinsam von dem Westfälischen Archivamt und der Literaturkommission für Westfalen getragen. Diese fachübergreifende Kooperation erfolgt mit der Zielsetzung, einen möglichst hohen Qualitätsstandard in der Betreuung literarischer Nachlässe zu gewährleisten.
Das Westfälische Archivamt, zu dessen Aufgaben die Beratung und Unterstützung nichtstaatlicher Archive sowie die Führung des verwaltungseigenen Archivs des Landschaftsverbandes zählt, steuert das archivfachliche Wissen und die aus jahrzehntelanger Tätigkeit im Bereich der regionalen Archivpflege gewonnene Erfahrung bei. Darüber hinaus stellt es in seinem 1998 errichteten Archivzweckbau Räumlichkeiten für die Magazinierung und Nutzung der Nachlässe zur Verfügung.
Hier gelangen Sie zu den Internetseiten des Westfälischen Archivamts