Ernst Meister - 1911 bis 1979, in Hagen geboren und gestorben - zählt zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Literatur nach 1945. Er wurde unter anderem mit dem Westfälischen Literaturpreis (1957), dem Großen Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen (1963), dem Petrarca-Preis (1976), dem Rilke-Preis (1978) und dem Georg-Büchner-Preis (1979) ausgezeichnet. Er war Mitglied des P.E.N. und der Darmstädter "Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung".
Innerhalb der westfälischen Literaturgeschichte ist Meister eine Ausnahmeerscheinung. Sein vom philosophisch-surrealem Gedankengut inspiriertes Werk, aber auch sein äußeres Erscheinungsbild (seine Auftreten als "wirklicher" Dichter) zeigen eine singuläre Schriftstellerpersönlichkeit, die man sich schwerlich in einem anderen Lebens- oder beruflichen Umfeld denken könnte. Darüber hinaus war Ernst Meister eine Doppelbegabung. Auch sein bildnerisches Werk hat inzwischen eine erhöhte Aufmerksamkeit gefunden.
Beim vorliegenden Film handelt es sich um eine Dokumentation des WDR. Mit Lesungen eigener Gedichte und in Gesprächen mit den langjährigen Freunden Hans Bender, Nikolas Born und Christoph Meckel gelingt der Autorin Brigitta Ashoff ein eindringliches Porträt des Lyrikers. Der Film entstand im Todesjahr Meisters, 1979, und zeigt einen von Krankheiten gezeichnet Mann. Seine gelegentlich fast "fahrig" wirkende Art sei jedoch, wie Bekannte versicherten, kein Altersphänomen, sondern eine für Meister typische Gestik und Mimik gewesen.
Die Idee, das Feature als Video-Produktion neu herauszugeben, entstand anlässlich einer Veranstaltungsfolge der Literaturkommission für Westfalen zum 90. Geburtstag Ernst Meisters. Das Jubiläum war verbunden mit der Übergabe des Ernst-Meister-Nachlasses an das neu gegründete "Westfälische Literaturarchiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe".