
Am 29. und 30. November fand die Tagung "Bei uns zu Lande auf dem Lande – Bäuerliche Familiennamen in Westfalen" statt. Zwischen den etwa 50 interessierten Zuhörern und den Vortragenden fanden angeregte Diskussionen statt. Die folgenden Vorträge beleuchteten Familiennamen aus linguistischer, historischer, pragmatischer und standesamtlicher Perspektive:
Konrad Kunze; Kathrin Dräger: Westfalen im Deutschen Familiennamenatlas
Monika Hochwald: Westfälische Familiennamen in der standesamtlichen Praxis
Georg Cornelissen: „mit doep- unnd toname“? Personennamen als Teil einer Sprachgeschichte des Dorfes – mit Beispielen vom Niederrhein
Roland Linde: Tradierung, Differenzierung und Brüche: Ländliche Familiennamen in der frühneuzeitlichen Grafschaft Lippe
Norbert Nagel: Die "armen Kinder Gottes"? – Zum Namen des Leprosoriums 'Kinderhaus' bei Münster
Kirstin Casemir: Westfälische Ortsnamen und ihr Niederschlag in der (lokalen) Familiennamengebung
Helmut Spiekermann: Westfälische Familiennamen im Emsland
Fast 130 Jahre schlummerte die wissenschaftliche Arbeit im Archiv, nun hat die LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung (KoMuNa) die alte Grammatik der münsterischen Mundart erstmals komplett veröffentlicht: Julius Kaumanns Dissertation „Entwurf einer Laut- und Flexionslehre der münsterischen Mundart “ gewann 1884 den ersten Preis der Akademie zu Münster, die als Aufgabe das Verfassen einer Ortsgrammatik für Münster gestellt hatte. Deren erster Teil – die Lautlehre – erschien bereits 1884, die Flexionslehre blieb jedoch zunächst unveröffentlicht. Nun sind beide Teile frei zugänglich und werden von der KoMuNa zum kostenlosen Download bereitgestellt.
Die KoMuNa feierte am 11. Mai 2012 ihr 40-jähriges Jubiläum mit einem kleinen Festempfang und einem Kolloquium.
Nach den Grußworten des Kommissionsvorsitzenden Prof. Dr. Jürgen Macha sowie des Kulturdezernenten der Bezirksregierung, Hans-Peter Boer, wurden zwei Festreden gehalten: Die LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale betonte, wie wichtig der Erhalt des Plattdeutschen in Westfalen-Lippe sei. Sie sicherte der KoMuNa auch in Zukunft ihre Unterstützung zu. Der Geschäftsführer des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen, Dr. Reinhard Goltz, hob das Gewicht der außeruniversitären Forschungsstätte für die Erforschung und Dokumentation der plattdeutschen Sprache hervor.
Anschließend referierten Dr. Werner Beckmann, Dr. Ludwig Brandes, Peter Bürger und Karina Lammert zum Thema „Südwestfälisch im Fokus“. Die Vorträge setzten sich mit der Region südlich der Lippe auseinander und boten ein breites thematisches Spektrum: Sie befassten sich sowohl mit der Sprachgeographie und der Grammatik der Mundarten als auch mit deren Verwendung in Alltag und Literatur.
Die multimediale Ausstellung "Wir für Westfalen!" informierte über die Projekte und die Themenvielfalt der sechs wissenschaftlichen Kommissionen des LWL. Die KoMuNa präsentierte unter anderem ihre Arbeit am Westfälischen Wörterbuch, eine Hörstation mit plattdeutschen Tonaufnahmen, ihr Internetportal Familiennamengeographie sowie den Westfälischen Flurnamenatlas.
Auf Einladung der KoMuNa hielt Dr. Christoph Purschke (Deutscher Sprachatlas, Marburg) einen Vortrag in der Villa ten Hompel: „Das Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten. Ansätze zur (Be-) Hebung eines dialektologischen (Problem-)Schatzes".
Das "Lautdenkmal" ist das Ergebnis einer umfangreichen Erhebung, die 1937 in allen Regionen des Reichs durchgeführt wurde. Die Tonaufnahmen bieten der modernen Regionalsprachenforschung die einmalige Möglichkeit, einen direkten Blick in die Vergangenheit der deutschen Mundarten zu werfen. Gleichzeitig betont Dr. Purschke, dass das Material aufgrund seiner Instrumentalisierung für nationalsozialistische Propagandazwecke kritisch zu betrachten ist. Seine Überlegungen zu einer kritischen Edition des Materials wurden in einer angeregten Diskussion der ca. 40 interessierten Zuhörer aufgegriffen.
Am Freitag, den 6. Mai 2011 veranstaltete die Kommission ein Kolloquium. Die folgenden Vorträge stellten einen gelungenen Impuls für die bisher vernachlässigte mittelniederdeutsche Syntaxforschung dar:
Dr. Robert Peters / Dr. Christian Fischer (Münster):
Der Atlas mittelniederdeutscher Schreibsprachen (ASnA) als Quelle für syntaktische Untersuchungen
PD Dr. Stefan Mähl (Uppsala, Schweden):
Verbstellungsvariation im Mittelniederdeutschen
Prof. Dr. Doris Tophinke (Paderborn):
Komplexe Syntax in mittelniederdeutschen Rechtstexten des 13. bis 16. Jahrhunderts
Am 23. März wurde im Handschriftenlesesaal der ULB Münster die neueste Publikation in der Buchreihe "Niederdeutsche Studien" der Kommission für Mundart- und Namenforschung vorgestellt: Die dreibändige Edition des "Vocabularius Theutonicus" von Dr. Robert Damme. Die überlieferungsgeschichtliche Edition des mittelniederdeutsch-lateinischen Schulwörterbuches ist das Ergebnis eines von der DFG geförderten Projekts. Gemeinsam mit Reinhard Feldmann, dem Leiter des Dezernats für Historische Bestände an der ULB, und dem Vorsitzenden der Kommission für Mundart- und Namenforschung, Prof. Dr. Jürgen Macha, präsentierte der Autor sein Werk der Presse.
Auf Einladung der KoMuNa hat am 18.11.2010 Dr. Olaf Köster vom Bundeskriminalamt Wiesbaden einen Vortrag gehalten. Er sprach zum Thema "Dem Täter auf der Stimmspur. Das Merkmal 'Regionalakzent' in der forensischen Sprechererkennung".
Auf großes Interesse stieß die im Frühsommer 2010 von der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens gemeinsam mit den Westfälischen Nachrichten veranstaltete Vortragsreihe zum Thema "Dialekte zwischen Schwund, Wandel und Recycling. Regionalsprachen im 21. Jahrhundert". Sechs Vorträge boten Einblicke in aktuelle dialektologische Forschung, die sich nicht nur mit den "alten" Dialekten, sondern mit jeglicher Form von Regionalsprache befasst und auch neue Kommunikationsformen wie die Kommunikation im Internet berücksichtigt.
Doris Tophinke (Paderborn):
Niederdeutsch im Internet
(Berichterstattung in den Westfälischen Nachrichten)
René Schiering (Münster):
Vom ‚Hochdeutsch auf Klompen‘ zum Ruhrdeutschen – Die Entstehung neuer Sprachformen im norddeutschen Dialektschwundgebiet
(Berichterstattung in den Westfälischen Nachrichten)
Jürgen Macha (Münster):
‚Täglig fricher Fich‘ – Überkorrekte Sprache in Westfalen und im Rheinland
(Berichterstattung in den Westfälischen Nachrichten)
Stephan Elspaß (Augsburg):
Pusemuckel gibt's nicht überall. Wie man von Online-Erhebungen zu einem „Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)“ kommt
(Berichterstattung in den Westfälischen Nachrichten)
Jens Lanwer (Münster):
Mundart in aller Munde. Zum Phänomen der ‚Laienimitation‘ in Alltagsgesprächen
(Berichterstattung in den Westfälischen Nachrichten)
Markus Denkler (Münster):
Guett gaohn und tschüss. Westfälische Abschiedsgrüße im Wandel
(Berichterstattung in den Westfälischen Nachrichten)
Am Freitag, den 7. Mai 2010 fand im Saal 1 der Bezirksregierung Münster zu Ehren des langjährigen Vorsitzenden der Kommission für Mundart- und Namenforschung, Prof. Dr. Dr. h.c. Jan Goossens, das Kolloquium Neuere Forschungen zur deutschen Dialektgeographie statt. Nach der Begrüßung durch den derzeitigen Vorsitzenden, Prof. Dr. Jürgen Macha, folgten Vorträge von Prof. Dr. Michael Elmentaler aus Kiel (Arealität, Situativität und soziale Bewertung. Überlegungen zu einem mehrdimensionalen Atlas der norddeutschen Regionalsprache), Daniela Twilfer aus Münster („Ochtrup spricht Kleiplatt!“ - dialect similarity im Urteil westfälischer Sprecher) und Simon Pickl (Augsburg) zum Thema Strukturanalyse von Wortkarten - Ein neues statistisches Verfahren.
Die Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens hat am Freitag, den 12. 2. 2010 ihr langjähriges Vorstandsmitglied Prof. Dr. Hermann Niebaum zu dessen 65. Geburtstag geehrt.
Niebaum hat seine Professur für deutsche Sprachwissenschaft an der Rijksuniversiteit Groningen beendet und kehrt nun an seine alte Wirkungsstätte zurück: Bei der Kommission will er den ersten Band des „Westfälischen Wörterbuchs“ fertigstellen. An dem Dialektwörterbuch arbeitete Niebaum bereits zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn zwischen 1972 und 1984.
Der Vorsitzende der Kommission, Prof. Dr. Jürgen Macha, und der Geschäftsführer, Dr. Markus Denkler, überreichten Niebaum eine Festschrift mit dem Titel "Von vrenden, vrinden und vründen".