Klostertipps gegen die Kälte

Temperaturen um minus 15 Grad und das ohne Isolierung, laufende Wärmespeicher oder eine funktionierende Heizung? Wie die Bewohner mittelalterlicher Klöster einst der Eiseskälte trotzten, davon weiß die Museumspädagogin Dr. Christiane Brehm im Dalheimer LWL-Landesmuseum für Klosterkultur einiges zu berichten. Und manch uralter Tipp aus Klosterzeiten erweist sich dabei als erstaunlich wenig angestaubt.

Ehemalige Wärmestube im Museum
...nur eine Stunde Heizung am Tag...
Ehemalige Wärmestube im Museum

Wie kalt es in einem mittelalterlichen Kloster gewesen sein muss, davon können sich Besucher des Museums und ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Dalheim einen Eindruck in der Klosterkirche verschaffen. Aktuell herrschen hier Temperaturen um null Grad. Und so kalt muss es in den Wintermonaten in den meisten Räumen der rund 550 Jahre alten Kernanlage gewesen sein. „Die Ordensleute hier in Dalheim konnten nur einen einzigen Raum kontinuierlich beheizen“, berichtet Christiane Brehm von der im Mittelalter üblichen Praxis. Mittels moderner Installationen zeigt das von der Stiftung Kloster Dalheim und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam getragene Museum heute an historischer Stelle wie die Hitze von einer ausgeklügelten Heiz- und Lüftungsanlage im Keller ihren Weg in die darüber gelegene Wärmestube fand. „Hier im sogenannten Kalefaktorium, durften sich die Ordensleute exakt eine Stunde am Tag aufhalten“, berichtet Brehm: „Die restliche Zeit verbrachten sie bei der Arbeit oder dem Gebet in den eisigen Hallen des Klosters.“ Nur die filigran arbeitenden Schreibermönche waren in der benachbarten Schreibstube untergebracht, die von der ausstrahlenden Wärme profitierte. Außerhalb der Wärmestube setzten die Ordensleute auf wärmende Kleidung. Während die mehr als 1.500 Jahre alte Benediktregel für den Sommer noch eine „leichte und abgetragene“ Tunika für ausreichend befand, sollte diese im Winter von wolliger Beschaffenheit sein, ist in Kapitel 55 zu lesen. Zusätze zur Regel gestatteten selbst den asketisch lebenden Ordensleuten Pelze, Hosen, Mäntel und Handschuhe. „Im französischen Cluny wurden im Winter sogar die Barfußprozessionen abgeschafft“, schmunzelt Christiane Brehm.

Museumspädagogin Dr. Christiane Brehm
Was schon Hildegard von Bingen wusste...
Klostergeheimnisse: Die wärmende Kraft der Kräuter hatte die Äbtissin Hildegard von Bingen schon vor knapp tausend Jahren erkannt, berichtet Museumspädagogin Dr. Christiane Brehm. Die Klosterheilkunde ist auch Thema in der Dauerausstellung im Gewölbekeller des Museums. Foto: LWL/Maria Tillmann

Tipps gegen die Kälte findet man heute insbesondere im Werk der Hildegard von Bingen, die als Äbtissin eines Benediktinerinnenklosters vor knapp tausend Jahren sowohl Schriften der Philosophie und Musik als auch zur Klosterheilkunde verfasste. „Hildegard von Bingen erkannte den Zusammenhang zwischen der Ernährung und dem Befinden von Körper und Geist. Für sie waren Lebensmittel ,Mittel zum Leben‘“, sagt Brehm. So empfahl Hildegard gegen die Kälte, mehr zu essen und mehr energiereiche Speisen zu sich nehmen, aber auch Wein und Bier zu trinken. Die Äbtissin lobte die „gute Wärme“ von Honig und schrieb den Kräutern Wermut, Thymian und Krauseminze sowie den Gewürzen Muskat, Zimt, Nelke oder dem Ingwer-Gewürz Galgant wärmende Wirkung zu: „Muskatnuss hat große Wärme und eine gute Mischung in ihren Kräften. Und wenn ein Mensch die Muskatnuss isst, öffnet sie sein Herz und reinigt seinen Sinn und bringt ihm guten Verstand.“ Unter den Gemüsen hebt sie den Fenchel hervor: „Wie auch immer gegessen, macht er den Menschen fröhlich, durchwärmt ihn.“ Wärmenden Fencheltee verfeinerte die Äbtissin mit einer Prise Zimt. Von den insgesamt 213 von Hildegard beschrieben Pflanzen, ist ihr aber der Dinkel die liebste: „Der Dinkel ist das beste Getreide, er ist warm und fett und kräftig, und er macht frohen Sinn und Freude."

Hildegard im Klosterladen
Hildegard im Klosterladen (Foto: M. Widemann, Kassel)

Im Dalheimer Klosterladen findet sich – auch online – ein großes Sortiment der sogenannten Hildegard-Lebensmittel: darunter wärmender Wermut- und Galgant-Trunk oder Teemischungen wie „Energie-„ oder „Klosterkraft-Tee“, die – trotz komfortabler Büros – auch bei den Museums-Mitarbeitern derzeit hoch im Kurs stehen.
 

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