Über die Schwelle in eine andere Welt

Seit mehr als 500 Jahren wird das Kloster Dalheim von einer über 1.000 Meter langen Mauer umschlossen. Sie zeugt bis heute davon, wie die Augustiner-Chorherren einst ihr Kloster von der Außenwelt abschirmten. Besonders gut geschützt war die Klausur (lat. claudere: schließen), jener Ort im Herzen des Klosters, der allein den Ordensleuten vorbehalten war.
Hier in der Klosterkirche, dem Kreuzgang und den angrenzenden Räumen fanden die Dalheimer Chorherren eine Welt, in der allein die Ordensregel zählte. Hier herrschte das Gebot des Schweigens, das Stundengebet bestimmte den Rhythmus des Tages, regelmäßige Fastenzeiten sicherten „das rechte Maß“. Jede Arbeit hatte ihren Raum, jede Aufgabe ihre feste Stunde, alles Tun war auf Gott ausgerichtet. Der Faszination und dem Alltag dieses klösterlichen Lebens zwischen „Ora et labora“ (lat.: „Bete und arbeite“) spürt die Dauerausstellung in der Klausur des ehemaligen Klosters Dalheim nach.

Ausgehend von den historischen Gegebenheiten macht sie wichtige klösterliche Funktionsräume mithilfe von modernen Mitteln und Inszenierungen erlebbar. In der Schreibstube erfahren Besucherinnen und Besucher zum Beispiel, wie aufwändige Handschriften entstanden, und im klösterlichen Speisesaal probieren sie, wie die Ordensleute getreu ihrer Regeln bei den Mahlzeiten das rechte Maß bewahren sollten – aber auch, welche Ausnahmen sie von der Regel fanden. Insgesamt laden elf Räume von der Kirche bis zum Vorratskeller ein, wesentliche Aspekte klösterlichen Lebens Schritt für Schritt kennenzulernen.