„Eingetreten! 1.700 Jahre Klosterkultur“: Der Titel der Dauerausstellung rückt den wohl wichtigsten Schritt im Leben einer jeden Ordensfrau und eines jeden Ordensmannes in den Fokus. Denn: Wer in ein Kloster eintritt, der lässt seine bisherige Existenz hinter sich und beginnt in der klösterlichen Gemeinschaft ein ganz neues Leben. Auf diese Weise nimmt Klosterkultur seit mehr als 1.700 Jahren ihren Lauf.
Auf mehr als 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche spürt das bundesweit erste Landesmuseum für Klosterkultur in seiner neuen Dauerausstellung den unterschiedlichsten Facetten der klösterlichen Kulturgeschichte nach.
Bitte beachten Sie, dass der Museumsrundgang im 1. Obergeschoss wegen des Wiederaufbaus der Dauerausstellung bis zum 3. März geschlossen bleibt.
Klostergelände, Klostergärten, Kirche, Kreuzgang, die Dauerausstellung in der Klausur und die Abteilung zur Säkularisation stehen Ihnen in dieser Zeit aber weiter uneingeschränkt zur Verfügung.
Die komplette Dauerausstellung wird am Wochenende 3./4. März bei freiem Eintritt wiedereröffnet.
Seit mehr als 500 Jahren wird das Kloster Dalheim von einer über 1.000 Meter langen Mauer umschlossen. Sie zeugt bis heute davon, wie die Augustiner-Chorherren einst ihr Kloster von der Außenwelt abschirmten. Besonders gut geschützt war die Klausur (lat. claudere: schließen), jener Ort im Herzen des Klosters, der allein den Ordensleuten vorbehalten war.
Hier in der Klosterkirche, dem Kreuzgang und den angrenzenden Räumen fanden die Dalheimer Chorherren eine Welt, in der allein die Ordensregel zählte. Hier herrschte das Gebot des Schweigens, das Stundengebet bestimmte den Rhythmus des Tages, regelmäßige Fastenzeiten sicherten „das rechte Maß“. Jede Arbeit hatte ihren Raum, jede Aufgabe ihre feste Stunde, alles Tun war auf Gott ausgerichtet. Der Faszination und dem Alltag dieses klösterlichen Lebens zwischen „Ora et labora“ (lat.: „Bete und arbeite“) spürt die neue Dauerausstellung in der Klausur des ehemaligen Klosters Dalheim nach.
Ausgehend von den historischen Gegebenheiten macht sie Räume wie Dormitorium und Refektorium (Schlaf- und Speisesaal), Skriptorium und Kalefaktorium (Schreib- und Wärmestube) mithilfe von modernen Mitteln und Inszenierungen ebenso erlebbar wie den neu entdeckten Kapitelsaal (Versammlungsraum), die Bibliothek oder den Vorratskeller. An einem Ort der Stille, der sich seine außergewöhnliche Kraft bis heute bewahrt hat, begeben Sie sich so auf eine Reise in die Welt eines mittelalterlichen Klosters.
Der Rundgang durch die Obergeschosse beginnt im Westen mit der Darstellung der Geschichte des Klosters Dalheim. Die Schau in den neu errichteten Ausstellungssälen des Süd- und Ostflügels stellt die geschichtliche Entwicklung der religiösen Orden in den Vordergrund. Von den Wüstenvätern über die ersten klösterlichen Gemeinschaften, die Reformen des Mönchtums bis in die Gegenwart zeigt sie die Entwicklungen einer Kultur, die durch ein regelhaftes Leben in Verzicht und Stille gekennzeichnet ist, zu der immer auch mehr gehört als das benediktinische „Ora et labora“ (lat.: „Bete und arbeite“).
Gezeigt werden über 200 Exponate aus mehr als zehn Jahrhunderten, darunter auch typische Objekte aus dem klösterlichen Alltag: vom Geschirr aus Grabungen über liturgisches Gerät und kostbare Messgewänder bis hin zu Altären und Tafelgemälden, Skulpturen, Bauplastik und Büchern. Aufwendige und detailgetreu gearbeitete Modelle bedeutender Klosteranlagen wie Cluny, Hirsau oder Melk verdeutlichen die Entwicklung der Ordensgemeinschaften in Europa.
Filmmaterial – Dokumentationen und Interviews – zeigen Ordensleben gestern und heute. Multimedia-Inszenierungen des renommierten und mehrfach preisgekrönten österreichischen Künstlers Peter Hans Felzmann erläutern den St. Galler Klosterplan oder führen mittels neuester Mediatechniken in das Leben und die Regel des Hl. Benedikt sowie die Schöpfungsgeschichte.
1803 beginnen „unchristliche Zeiten“ in den westfälischen Klöstern. Gemäß des Reichsdeputationshauptschlusses werden sie an die weltliche Staatsgewalt übereignet. Kloster Dalheim wird zur Preußischen Staatsdomäne umfunktioniert. In Kirche und Kreuzgang werden Stallungen eingerichtet. Hier steht fortan das Vieh oder lagern Stroh und Korn. Wieder andere Klöster werden zu Fabriken, Besserungsanstalten und Kasernen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kommt es zu Neugründungen von Frauenorden und -klöstern in Westfalen.
Wie die Säkularisation die Klosterfrau zum Melissengeist, die Zwangsjacke ins Kloster und die „10 Untugenden“ aufs Papier brachte, erfahren Sie in diesem Teil der Dauerausstellung.