Gründung und Struktur der Geographischen Kommission

Im Jahre 2006 feierte die „Geographische Kommission für Westfalen“ (im Folgenden abgekürzt GeKo) im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) anlässlich ihrer Jahrestagung am 15. Dezember in Münster das 70. Jahr ihres Bestehens seit ihrer Gründung im Jahre 1936. Die GeKo verdankt ihre Existenz dem ehemaligen Provinzialverband Westfalen, der erstmals die interdisziplinäre Kulturraumforschung zur Erarbeitung eines Gesamtbildes von Westfalen initiiert und finanziell durch Personal und Sachmittel gefördert hat. Heute wird die GeKo finanziell vom LWL getragen, der seit 1953 Nachfolgebehörde des früheren Provinzialverbandes ist. Die GeKo ist der Kulturabteilung des LWL zugeordnet, die von der LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale geleitet wird.

Bereits 1936 wurde außer der Beteiligung u. a. von Historikern und Volkskundlern auch die Einbindung von Geographen als sachkundige Fachwissenschaftler für eine komplexe, vor allem gegenwartsbezogene Landeskunde gefordert. Als Ergebnis kam es am 18. Juni 1936 zur Gründung der Geographischen Kommission neben den schon bestehenden Fachkommissionen: Altertumskommission, Historische Kommission und Volkskundliche Kommission für Westfalen. Heute erforschen und dokumentieren auch die Kommission für Mundart- und Namenforschung sowie die Literaturkommission die Landeskunde Westfalens.

Das Foto zeigt das ehemalige Gebäude der Geographischen Kommission Abb. 1: Sitz der Geographischen Kommission bis 2007

Frühe interdisziplinäre Leistungen für die Landeskunde Westfalens

Zu den frühen interdisziplinären Leistungen für die Landeskunde Westfalens zählt das zwischen 1931 und 1996 veröffentlichte mehrbändige Werk „Der Raum Westfalen“, das auch als sog. Raumwerk Westfalen bekannt ist. Die zunächst vom früheren Provinzialverband Westfalen, später vom LWL in Auftrag gegebenen voluminösen Bände mit Untersuchungsergebnissen zur westfälischen Geschichte, Volkskunde, Geographie und Landeskunde bilden ein inhaltlich weit gefächertes Kompendium über Westfalen.

Zwar wurden die ersten drei Bände zunächst von Historikern getragen, allerdings zählte zu den Mitherausgebern und Autoren dieses landeskundlichen Werkes ein Vierteljahrhundert lang auch der Geograph Dr. Peter Schöller, seinerzeit Wissenschaftlicher Direktor am ehemaligen Institut für Westfälische Landes- und Volksforschung (als Einrichtung der landschaftlichen Kulturpflege Westfalens im Landschaftsverband Westfalen-Lippe) und Privatdozent am Institut für Geographie in Münster, ab 1964 Ordinarius am neu gegründeten Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Prof. Dr. Peter Schöller – bis zu seinem frühen Tode im Jahre 1988 auch langjähriges Mitglied der GeKo – hat in besonderem Maße dazu beigetragen, die geschichtliche und geographische Landes- und Kulturraumforschung in Westfalen zusammenzuführen.

An dem „Raumwerk Westfalen“ hat als Autorin zudem die Geographin Dr. Hildegard Ditt mitgearbeitet. Frau Dr. Ditt war im ehemaligen Institut für Westfälische Landes- und Volksforschung tätig, ist zugleich aber auch bis heute langjähriges Mitglied der GeKo. Mit ihrem 1996 veröffentlichten umfassenden Beitrag über „Naturräume und Kulturlandschaften Westfalens“, die eine regionalisierte Darstellung der Naturräume und deren Inwertsetzungen im Verlauf der Landesgeschichte einschließt wie auch die zentralörtliche Raumgliederung berücksichtigt, konnte Frau Dr. Hildegard Ditt wesentliche Bausteine für eine neue Landeskunde der Region liefern, eine echte Spitzenleistung für Westfalen.

Auftrag der Geographischen Kommission für Westfalen

Gemäß der heute gültigen Satzung der GeKo ist diese eine der sechs Westfälischen Kommissionen für Landeskunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Aufgabe der Geko ist es, „geographisch-landeskundliche Forschungen unter Berücksichtigung aller fachdisziplinären Bereiche (Anthropo-, Physiogeographie, Landschaftsökologie) durchzuführen und zu fördern sowie die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in einer den Anforderungen sowohl der Wissenschaft als auch der Öffentlichkeit angemessenen Weise in Schriften und Karten zu publizieren“ (§ 1). „Im Einzelnen, sachlich, räumlich und zeitlich bestimmt die Geographische Kommission ihre Aufgaben selbst in eigener wissenschaftlicher Verantwortung“ (§ 2).

Die Existenz einer derartigen Fachkommission zur geographischen Landeskunde ist in Deutschland ebenso einmalig wie der Unterhalt bzw. die Förderung durch einen Kommunalverband: den parlamentarisch legitimierten LWL, dessen Funktion die Wahrnehmung übergemeindlicher Dienstleistungsaufgaben für seine Mitgliedskörperschaften, die Kreise und kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe, ist. 

Fürstenbergstr. 10 Abb. 2: Geschäftsstelle der GeKo seit 08/2007

Die Geschäftsstelle

Die Geschäftsstelle der GeKo mit ihrem Sitz in Münster ist mit z. Zt. drei Wissenschaftlern (Dr. Rudolf Grothues, zugleich Geschäftsführer, Dr.Carola Bischoff und Dipl.-Geogr. Markus Wieneke), einem Kartographen (Dipl.-Ingenieur Horst Pohlmann), einer Sekretärin (Frau Barbara Lenz) und einer wissenschaftlichen Volontärin auf Zeit (Dipl.-Geogr. Sandra Hamer) besetzt.


Die GeKo befand sich bis August 2007 im gleichen Universitätsgebäude  wie das Institut für Geographie“ sowie die drei Nachbarinstitute für „Geographie und ihre Didaktik“, „Landschaftsökologie“ und „Geoinformatik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Robert-Koch-Straße 26 (Abb. 1). Die Kommission nutzt die Synergieeffekte mit diesen Institutionen, u.a. die große gemeinsame Bibliothek und die Kartensammlung, an denen sich die GeKo auch mittels des internationalen Schriftentausches sowie anderer Neuanschaffungen beteiligt (vgl. auch das Grußwort von Prof. Dr. P. Reuber ). Der neue Sitz der GeKo befindet sich in der Fürstenbergstr. 10 in unmittelbarer Nähe zu wichtigen Einrichtungen des LWL.

Die Graphik zeigt die räumliche Verteilung der Mitglieder der Geographischen Kommission Abb. 3 Wohnorte der Mitglieder der GeKo 2008

Mitglieder der GeKo

Die GeKo ist vor allem auch eine Mitgliedervereinigung, in die nach dem Akademieprinzip landeskundlich ausgewiesene und engagierte Fachvertreterinnen und Fachvertreter aus Wissenschaft, Schule, Praxis, Verwaltung und heimatkundlichen Organisationen auf den Mitgliederversammlungen im Rahmen von Jahrestagungen gewählt werden. 

Die Wohnorte der Kommissionsmitglieder verteilen sich über ganz Westfalen sowie auch über Nachbarregionen, wie Abb. 3 zeigt.

Die Zahl der Mitglieder hat sich von lediglich 42 im Jahre 1983 oder etwa 70 im Jahre 1996 durch neue Zuwahlen kontinuierlich bis heute auf 103 erhöht. Bei den Neuwahlen wurden nicht nur eine größere regionale Ausgewogenheit in der Verteilung, sondern auch eine noch deutlichere fachliche Differenzierung der Mitglieder der GeKo angestrebt. So zählen zur Mitgliederschaft nicht nur Geographinnen oder Geographen, sondern etwa auch Vertreter der Fachrichtungen Botanik, Zoologie, Landschaftsökologie, Regional-, Landschafts-, Verkehrs- und Stadtplanung.

Insbesondere war es auch das Bestreben der GeKo, die Zahl der in Schulen, Verwaltungen sowie in weiteren öffentlichen und privaten Dienststellen außerhalb der Universitäten an der Landeskunde Westfalens beteiligten Mitglieder im Laufe der Zeit – vor allem unter dem Aspekt einer schulbezogenen fachdidaktischen sowie auch praxisorientierten Aufbereitung und Umsetzung von Forschungsergebnissen – zu vergrößern, obwohl für diese Personenkreise die satzungsgemäß vorgeschriebene intensive Beschäftigung mit fachwissenschaftlichen Studien zur Landeskunde Westfalens nur unter erheblich schwierigeren Bedingungen möglich ist als etwa für Fachwissenschaftlerinnen/-ler an Universitäten.

Die ehrenamtliche Tätigkeit der Mitglieder wird bei Veröffentlichungen der Kommission häufig noch ergänzt durch zahlreiche weitere Mitwirkende, z. B. als Autoren in Publikationen. Hinzu kommen externe Referenten auf Jahrestagungen. Es handelt sich somit im Falle der GeKo um eine insgesamt weit gespannte wissenschafts- und gesellschaftsbezogene Dienstleistung im Rahmen der Kulturabteilung des LWL mit Verbindungen zu zahlreichen, vor allem öffentlichen Institutionen in und z. T. auch um Westfalen, die zudem – insbesondere gemessen an der großen Zahl ehrenamtlich in der westfälischen Landeskunde tätiger Mitglieder und externer Beteiligter sowie angesichts schrumpfender öffentlicher Haushalte – äußerst kostengünstig ist.

Der Vorstand

Auch der (für jeweils drei Jahre gewählte) Vorstand der GeKo mit seinem Vorsitzenden und seinen Fachbeisitzern ist ehrenamtlich tätig.

Die ersten Vorsitzenden waren die nach Münster berufenen Ordinarien für Geographie Prof. Dr. Hans Dörries (1936-1945) und Prof. Dr. Wilhelm Müller-Wille (1947-1983), denen als solche Prof. Dr. Alois Mayr (1983-1996) und seit 1996 Prof. Dr. Heinz Heineberg folgten. Heinz Heineberg gehörte bereits seit 1983 als Fachbeisitzer (Vertreter der Anthropogeographie/ Regionalen Geographie) zum Vorstand. Seit November 2010 hat Prof. Dr. Klaus Temlitz den Vorstand für die nächsten drei Jahre übernommen.

Heute amtieren in diesem – neben dem genannten Vorsitzenden – als Fachbeisitzer Dr. Thomas Hauff (seit 2007, Anthropogeographie), Prof. Dr. Karl-Heinz Otto (seit 2004, Physische Geographie/Didaktik der Geographie) sowie Dr. Christian Krajewski (seit 2010, Institut für Geographie). Zudem gehört qua Amt die Kulturdezernentin der Kulturabteilung des LWL, Dr. Barbara Rüschhoff-Thale, dem Vorstand an.

Die Aufgaben der Geschäftsführung (mit einer Stelle seit 1953) wurden 1953-1977 von Frau Dr. Elisabeth Bertelsmeier und 1977-2006 vom Wissenschaftlichen Referenten Prof. Dr. Klaus Temlitz wahrgenommen. Seit 2007 ist Dr. Rudolf Grothues der Geschäftsführer der GeKo.